Ausgabe Februar 2000

In der Globalisierungsfalle?

Die Zukunft der industriellen Beziehungen in Deutschland

Theodor Eschenburgs Frage nach der "Herrschaft der Verbände?" (1956) steht beispielhaft für die in den 50er Jahren verbreitete Furcht, egoistische Interessenorganisationen könnten den demokratischen Willensbildungsprozeß der jungen Bonner Republik zur Bedienung ihrer Partikularinteressen mißbrauchen und verfälschen. Daß die Verbände dagegen in einem überraschenden Maß - und entgegen ihrer egoistischen Handlungslogik - zur konstruktiven Mitarbeit im politischen Prozeß befähigt waren, zeigte sich erst mit der Konzertierten Aktion (1967). Mit ihr begann die Blütezeit des Korporatismus in Deutschland und des deutschen Verbändestaates. Die unbestrittene Monopolstellung der Tarifpartner, ihre beständig hohen Organisationsgrade, verbunden mit interner Homogenität und einer auf Konsens und Stabilität bedachten Ausgestaltung der Arbeitsbeziehungen, eröffnete den Verbänden über Jahrzehnte ein exklusives Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht. Die korporatistische Verhandlungsharmonie hatte allerdings nur so lange Bestand, wie die Verpflichtungsfähigkeit der Verbände ungebrochen und ihr Alleinvertretungsanspruch von seiten der Mitglieder mit Geschlossenheit und Loyalität untermauert war.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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