Ausgabe Juni 2000

Zwischen Parallelgesellschaft, strategischer Ethnisierung und Transkultur

Die türkische Medienkultur in Deutschland

Es ist paradox. Da hatten wir doch geglaubt, daß durch neue Informationstechnologien, durch das Internet und das Satellitenfernsehen, eine ganz neue Ära der Weltgeschichte anbricht: das Zeitalter der Globalisierung. Die gesamten 90er Jahre hindurch haben sich Wissenschaftler und Experten mit der Frage beschäftigt, wie sich die Übertragung ferner und fernster Ereignisse live in die Wohnstube auf gesellschaftliche Zusammenhänge auswirkt. Das Ende des Ethnozentrismus schien in Sicht, das „globale Dorf“, in dem sich über den großen information highway der Menschheitstraum der internationalen Verständigung und der interkulturellen Begegnung erfüllt. Und mitten in diese gerade liebgewonnenen Vorstellungen und Visionen hinein platzt die schlechte Nachricht: „So läuft das nicht.“ Die Mehrzahl der Konsumenten konsumiert über Satelliten und Kabel vor allem eine endlose Ansammlung immer gleicher oder ähnlicher Programme aus dem eigenen Kultur- und Sprachraum. RTL, SAT 1, Pro 7, tm3 – für türkisches Fernsehen interessiert sich kein nicht-türkischstämmiger Deutscher, außer vielleicht ein paar Medienwissenschaftlern oder Hobby-Turkologen. Und die Inder in Großbritannien oder die Türken in Deutschland haben nichts besseres zu tun, als von all den neuen Medienangeboten ausgerechnet die Angebote ihres Herkunftslandes auszuwählen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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