Ausgabe Juli 2001

Das Kyoto-Protokoll: Lohnt sich eine Rettung?

Es ist das Liebenswürdige an Amerika, dass dort alles und auch das Gegenteil davon zu finden ist. Mit George W. Bush zum Beispiel haben die Initiatoren der „Stiftung des Langen Jetzt“ wenig gemein. Sie planen nichts weniger als ein Monument an die Zukunft. Ein Monument an die Zukunft? Denkmale an die Vergangenheit gibt es ja zur Genüge, aber worin könnte eine Gedenkstätte für die Zukunft bestehen? Danny Hillis, ihr Erfinder, erklärt dazu: „Ich glaube, es ist an der Zeit ein langfristiges Projekt zu starten, das die Leute dazu bringt, über die mentale Barriere der Jahrtausendwende hinauszudenken. Ich stelle mir eine große (Stichwort Stonehenge) mechanische Uhr vor, die von jahreszeitlichen Temperaturschwankungen angetrieben wird. Sie tickt einmal im Jahr, schlägt einmal im Jahrhundert, und der Kuckuck kommt nur zum Millenium zum Vorschein.“  

So eine Uhr, sie ist Mechanismus und Mythos zugleich.1 Vom Mechanismus hat Hillis bereits einen Prototyp fertig gestellt. Um sie zu konstruieren, stellen sich den Ingenieuren bislang unbekannte Aufgaben. Wie soll man die Zuverlässigkeit des Materials, die Präzision der Laufwerke, ja auch die Kenntnis über Sinn und Zweck des Baus über Jahrtausende hinweg sicherstellen? Und schon enthüllt sich in solchen Fragen auch der Mythos der Uhr.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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