Präsident Eduard Schewardnadse zeigte sich zufrieden, als die USA ihre Pläne bekannt gaben, bis zu 200 Militärexperten nach Georgien zu schicken, um das Land, so die offizielle Begründung, bei der Bekämpfung des Terrorismus zu unterstützen. "Wir haben darauf acht Jahre hingearbeitet", verriet er der Presse. In der Tat bemüht sich die georgische Regierung seit einigen Jahren um eine institutionelle Einbindung in das westliche Lager. Öffentlich hat Schewardnadse in der Vergangenheit mehrfach erklärt, er wolle Georgien bis 2005 in die NATO führen. Dieser Wunsch erscheint zwar unrealistisch, ist aber verständlich. Seit die Kaukasusrepublik sich im Dezember 1991 von der Sowjetunion losgesagt hat, ist Moskau darum bemüht, den südlichen Nachbarn nicht aus seiner Einflusssphäre zu entlassen. Im Bürgerkrieg nach dem Abfall der Republik Abchasien 1993 unterstützte die russische Armee die Rebellen mit Waffen. Auch die Süd-Osseten, die den Anschluss an Russland suchen, genießen die Sympathien Moskaus. Immer wieder fand man dort Gründe, den Abzug der russischen Truppen, die nach der Unabhängigkeit Georgiens auf fremden Territorium standen, hinauszuzögern. Im letzten Jahr führte die Putin-Regierung eine Visumspflicht für Georgier ein, nahm aber die Süd-Osseten und die Abchasen von dieser Regelung aus.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.