Ausgabe Juli 2002

Gefährliche Identitätssuche

Pakistan zwischen Orientierungslosigkeit und Indien-Fixierung

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Erlangen der Unabhängigkeit schlägt die Frage, was Pakistan und was pakistanisch sei, immer noch hohe Wellen. In welchem Maße Identität in Pakistan nicht nur eine Frage der Perzeption, sondern auch der konkreten Innen- und Außenpolitik ist, zeigt die tief greifende innere Zerrissenheit des Landes im Gefolge des US-Krieges gegen die Taliban in Afghanistan. Während General Pervez Musharraf in seiner Rede an die Nation 1) Anfang diesen Jahres als Priorität die Schaffung eines modernen und demokratischen islamischen Staates und die Losung "Pakistan first", das heißt, absoluter Vorrang der gesamtstaatlichen Interessen, ausgab, wurden in der paschtunischen Grenzprovinz im Nordwesten die Akzente grundlegend anders gesetzt. Der Präsident der National Awami Party, Ajmal Khattak, propagierte kurze Zeit später "Muslim first, Pakhtun second" - von Pakistan war pikanterweise erst gar nicht die Rede. 2)

In diesen Zusammenhang gehört auch die neu aufgeflammte Diskussion über die regionale Zugehörigkeit Pakistans, die sich seit Jahrzehnten faktisch im Kreis dreht und einerseits die Orientierungslosigkeit des politischen wie des intellektuellen Establishments und andererseits die unzulässige Kopplung der Identitätsfrage mit wechselnden außenpolitischen Ambitionen dokumentiert.

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