"Wir sind nicht unterentwickelt", pflegt Präsident Fernando Henrique Cardoso, früher als radikaler Soziologe einer der Väter der Dependenztheorie, zu sagen, "sondern wir Brasilianer leiden an Ungleichheit". Hat sich die Situation gebessert? Makroökonomisch deutlich ja. Laut Zensus 2000 des IGBE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística) stieg das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen während der 90er Jahre um 41,8% an. Solch abstrakte Daten müssen im kommenden Oktober den Test der Präsidentschafts- und Kongresswahlen bestehen. Indes, an die Wahlurne glauben viele Bürger infolge der schroffen Ungleichheit kaum mehr.
(aus: »Blätter« 5/2002, Seite 543-546)
Themen: Lateinamerika und Kultur