Der Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan im November 2001 bot der internationalen Gemeinschaft eine präzedenzlose Chance, in einem ständigen Unruheherd Frieden und Sicherheit wiederherzustellen. Zehn Monate später hat sie allem Anschein nach versagt. Die zunehmende Unsicherheit in Afghanistan, die durch eine Reihe von Anschlägen gegen hochrangige Mitglieder der Zentralregierung und gelegentliche Kämpfe zwischen ethnischen Gruppen gekennzeichnet ist, bringt die Zukunft der neuen Regierung in Gefahr. Die Einsetzung der afghanischen Übergangsregierung unter Präsident Hamid Karsai verband sich mit der Hoffnung und dem Versprechen, dass die Unsicherheit abnehmen würde. Doch obwohl die afghanische Übergangsregierung große Schritte getan hat, sind die Gesetzlosigkeit und Zersplitterung, an denen viele Vorgängerregierungen scheiterten, wieder hervorgetreten. Die Verschlechterung der Sicherheitslage wurde zum Teil dadurch hervorgerufen, dass die größeren Geberstaaten ihre in Afghanistan eingegangenen Verpflichtungen nicht eingehalten haben.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.