Ausgabe November 2002

Transatlantische Interessen

Die Irakfrage war nicht der erste Streitpunkt zwischen Europa und den USA. Von den Debatten um das Kyoto-Protokoll, den Internationalen Strafgerichtshof und die Todesstrafe bis zu den gegenseitigen Strafzöllen und diplomatischen Rüffeln war das Klima zwischen den beiden Kontinenten nach dem Kalten Krieg von einer schleichenden Uneinigkeit bestimmt, die nun auf beiden Seiten als Kluft empfunden wird. Sicherlich unterscheiden sich die Weltbilder trotz gemeinsamer Wurzeln und gleicher Grundwerte. Spätestens mit dem Ende des Kalten Krieges wurden diese Unterschiede immer deutlicher. Das kann auch eine globalisierte Konsumkultur nicht ausgleichen.

Doch nicht um transatlantische Kulturen geht es hier, sondern um Interessen. Denn mit dem Ende des Kalten Krieges zerfiel eine bilaterale Welt in vier ungleich große Teile - in die Wirtschaftsmächte Nordamerikas, Europas und Asiens sowie die Masse der Schwellen- und Entwicklungsländer. In einer zunehmend globalisierten Weltwirtschaft mussten die geostrategischen Interessen zwangsläufig aufeinander prallen. Weder Europa noch die USA können es sich leisten, diesen Konflikt über längere Zeit auszutragen. Zu verflochten sind sie in der so genannten Neuen Weltordnung. Zu ähnlich sind die Interessen. Dabei erscheint die Forderung, den Konflikt klar zu definieren, fast unerfüllbar.

Sie haben etwa 26% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 74% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.