Peter Bender betitelte Anfang der 80er Jahre ein Buch „Das Ende des ideologischen Zeitalters“.1 Es handelt von der Pragmatisierung der Außenpolitik der Großmächte und des Verhältnisses zwischen den Blöcken in den beiden voraufgegangenen Jahrzehnten. Diese Zeit der „normalen Politik“ (Dahrendorf) ist vorbei. Das definitive Ende der Bipolarität und der Aufstieg der USA zur „Hypermacht“ mit globaler power projection hat nicht nur der ökonomischen Globalisierung einen neuen Schub versetzt, sondern eine neue Phase der „außergewöhnlichen Politik“ (ders.) eingeleitet, in der die Verfasstheit und die Spielregeln einer neuen Ordnung erst noch festgeschrieben werden. Ein Merkmal dieser Transformation ist eine partielle Reideologisierung der Konzepte, der Akteure und ihrer Handlungen. Zeiten des Untergangs einer alten und des Ringens um eine neue Ordnung – zusammen mit dem Verlust alter Sicherheiten und dem Auftauchen realer und scheinbarer Möglichkeiten – sind wie schon nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg die Stunde ebenso der „Kassandristen“ wie der „Architekten der Zukunft“. Neu ist auch nicht die konzeptionelle Anspruchslosigkeit einiger erstaunlich einflussreicher Interpretationen und Zukunftspläne.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.