Ausgabe September 2003

Vegetarier und Ranger

"Klein und dünn, und noch dazu Vegetarier. Hat keine Aussichten." So die linksliberale Kolumnistin Molly Ivins, eine Texanerin mit Witz und scharfer Zunge, über den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Dennis Kucinich. Dabei wäre Kucinich, Kongessabgeordneter aus Ohio, eigentlich geradezu der Wunschkandidat einer Autorin, die liebend gerne "W" und dessen Crew auf die Schippe nimmt: Von Anfang an war er gegen den Einmarsch im Irak, gegen das NAFTA-Freihandelsabkommen, schärfstens gegen George W. Bushs Steuerpolitik und für eine staatliche Krankenversicherung. Trotz Ivins’ vermutlich zutreffender Sticheleien (Image zählt!) dürfte es Kucinichs Politik sein, die ihn de facto unwählbar macht. Mögen die Amerikaner mit wachsenden Wirtschaftsproblemen kämpfen, und mag etwa die Hälfte inzwischen der Ansicht sein, George W. Bush habe die Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen übertrieben: Wahlpolitik findet in den USA auf einem sehr kleinen Spielfeld statt. Schon allein des Geldes wegen. Wer Fernsehwerbung bezahlen will, muss Sponsoren nach dem Mund reden. Regierungsangaben zufolge kostete der Präsidentschaftswahlkampf 2000 insgesamt 529 Mio. Dollar, verglichen mit 171 Mio. im Jahr 1976, als Jimmy Carter gewann.

Gewählt wird der nächste Präsident im November 2004.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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