Ausgabe April 2004

Hochschulpolitik auf Abwegen

Die gegenwärtigen Hochschulreformbemühungen in Bund und Ländern sind gekennzeichnet von dem Versuch, Globalisierung in den Strukturen der Hochschulen, in der Arbeitsorientierung ihres wissenschaftlichen Personals und in den Formen der Studiengänge zu verankern. Globalisierung steht da- bei für die weltweite kommunikative Vernetzung und Angleichung sowie für Standards in Forschung und Ausbildung, die vor allem die wirtschaftliche Produktivität fördern. Wir müssen wieder Spitze werden, verkündet Schröder für Deutschland wie andere Regierende für ihr Land, und was die Wissenschaft anbelangt, soll das in Deutschland gleich mehrfach geschehen: Zehn vom Bund finanzierte Elite-Universitäten sind geplant, während die Länder noch dabei sind, an ihren Hochschulen das Finanzierungswerte vom Nichtfinanzierungswerten zu scheiden. In solchen nationalen Größenphantasien von zehn Harvards reduziert sich Globalisierung auf die Arena, in der die technologischökonomischen Weltmeisterschaften der Nationen ausgetragen werden.

Wer Forschung und Lehre in den Dienst dieser Art Globalisierung stellen will, muss per "Reform" drei Momente beseitigen oder marginalisieren, die seit den 70er Jahren, dem Anstoß der Studentenbewegung folgend, sich an den Hochschulen herausgebildet hatten: die Enthierarchisierung, die Verpflichtung auf Aufklärung und die Öffnung der Hochschulen im Sinne eines sozialen Bürgerrechts für alle.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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Am Morgen des 24. März hängten unbekannte Aktivisten eine Schaufensterpuppe, die die antike römische Göttin Minerva darstellt, am Denkmal des Grafen Uwarow in der Nähe des Hauptgebäudes der Staatlichen Universität St. Petersburg auf. In der Hand der antiken Schutzherrin der Wissenschaften befand sich ein Zettel mit der Aufschrift „Die Wissenschaft ist tot“.