Ausgabe August 2005

Illegal, doch legitim

Eine dubiose Doktrin unserer Zeit

An historischen wie zeitgenössischen Standards gemessen haben wir das Glück, ein hohes Maß an Freiheit genießen zu können. Freiheit eröffnet Chancen, und Chancen bringen Verantwortung mit sich – die Verantwortung, von seiner Freiheit weise, aufrichtig und human Gebrauch zu machen. Und wir leben in Zentren enormer Macht. Wie wir uns jeweils entscheiden, unserer Verantwortung gerecht zu werden, hat deshalb mit Sicherheit weit reichende Konsequenzen.

Ich möchte mich hier auf ein Thema konzentrieren, das buchstäblich Überlebensfragen berührt: den Rückgriff auf Gewalt in den internationalen Beziehungen und wie dessen Legitimität im Laufe der Zeiten beurteilt wurde.

Die entsetzlichen Verbrechen des 20. Jahrhunderts haben große Anstrengungen bewirkt, Menschen vor dem Fluch des Krieges zu retten – und das Wort "retten" ist gewiss keine Übertreibung, seit 1945 klar wurde, dass die "ultimative Katastrophe" weitaus wahrscheinlicher ist, als irgendein denkender Mensch hinnehmen darf. Der Ausdruck "ultimative Katastrophe" stammt nicht von mir.

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