Ausgabe Februar 2005

Chinesisches Atomschach

Wie Peking Nordkorea in Stellung bringt

Die wiederkehrenden Sechsparteiengespräche über Nordkoreas (Ent)- Nuklearisierung führten bisher kaum zu greifbaren Ergebnissen. Trotzdem vermag es die chinesische Regierung, sich in bester Gastgebermanier als kooperativer Akteur auf globaler Bühne zu inszenieren – allzeit bereit, ihren nicht unerheblichen Teil zur Beilegung des Konflikts beizutragen. Dabei wäre die Volksrepublik als einziger Staat auch ohne prominent besetzte Verhandlungsrunden in der Lage, die Fundamente des stalinistischen Regimes in Nordkorea – inklusive dessen "Lieben Führer" – zu erschüttern. Verfolgt Peking im Kontext der Sechsparteiengespräche noch weitere, weniger offensichtliche Ziele?

Besonders brisant wurde das Problem Nordkorea, als das Land 2003 öffentlich verkündete, sein seit 1994 eingefrorenes Atomprogramm zu neuem Leben erwecken und den Bau einer eigenen Atombombe in Angriff nehmen zu wollen. Die Frage, wie zukünftig mit dem "Achsen-Staat" Nordkorea zu verfahren sei, spaltet seitdem die Strategen innerhalb der Bush-Regierung. Während manche auf eine Öffnungs- und Reformpolitik im Stile Chinas oder Vietnams setzen, können die US-Amerikaner ihre Ziele aus der Sicht von Hardlinern aus den Reihen des Militärs und der neokonservativen Falken ausschließlich durch Regime Change erreichen. Eine sich nach der Wiederwahl von George W.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.