Ausgabe Juni 2005

Finanzbullen statt Heuschrecken

Franz Müntefering verdient Anerkennung dafür, dass er eine realistische Kapitalismuskritik wieder hoffähig gemacht hat. Gegenüber den bisher vorherrschenden, die Realität verklärenden Leitbegriffen "freie Marktwirtschaft" und "Stärkung der privaten Marktkräfte" werden die realen Triebkräfte der kapitalistischen Privatwirtschaft endlich wieder in den Mittelpunkt gerückt. Müntefering bleibt jedoch nicht bei einer allgemein gehaltenen Kapitalismuskritik stehen. Vielmehr beschreibt er instinktsicher die jüngste, sich abzeichnende Etappe kapitalistischer (Fehl-)Entwicklung: "Großes Geld kauft sich mit kurzfristigem Profitinteresse hier ein und beutet Unternehmen in kurzatmigen Zyklen aus." Die Folge seien Arbeitsplatzvernichtung und ein einschneidender Verlust staatlicher Handlungskompetenz.

Gegeißelt werden vor allem die gigantischen Finanzfonds aus den USA. Sie versuchen die überschüssige Liquidität, die bei Pensionsfonds und reichen Familien lagert, unter Maximierung der Gewinne auf das eingesetzte Kapital weltweit zu platzieren. Bei der hektischen Suche nach maximalen Renditen für dieses vagabundierende Geldkapital fallen die Börsen nach ihrem Zusammenbruch mangels Kurssteigerungspotenzial aus. Die Märkte für festverzinsliche Wertpapiere sind wegen der historisch niedrigsten Zinssätze völlig unattraktiv.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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