Ausgabe September 2005

Europas letzte Chance: Kosmopolitismus von unten

Europa steckt in der Krise: institutionell, wirtschaftlich und politisch – und das nicht erst seit den gescheiterten Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden. Europa hatte sich längst zuvor in eine Sackgasse manövriert. Mit dem Maastrichter Vertrag war es zu Beginn der 90er Jahre zwar gelungen, die wirtschaftliche Integration weitgehend zu vollenden, über die gleichzeitig angestrebte politische Integration konnte aber weder in Maastricht (1991), noch mit den Verträgen von Amsterdam (1997) und Nizza (2000) eine Einigung erzielt werden. Seit Maastricht wird die Europapolitik nicht durch politische Projekte und strategische Visionen geprägt, sondern durch die immer unverdaulicheren Überbleibsel der noch immer unvollendeten politischen Integration.

Die Malaise des europäischen Projekts erfolgt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Ökonomien der meisten Mitgliedstaaten stagnieren; die Arbeitslosigkeit ist unverändert und inakzeptabel hoch; die Verschuldung der öffentlichen Haushalte nimmt weiter zu. Inzwischen gelingt es immer weniger Mitgliedstaaten der EU, die Stabilitätskriterien des Maastrichter Vertrages zu erfüllen. Und die politischen Reaktionen auf diese Schwierigkeiten sind durchaus typisch.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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