Ausgabe Februar 2006

Ostasien: Erweitern oder vertiefen?

Seit dem ersten APEC-Gipfel vor wenig mehr als einem Jahrzehnt, auf dem die Schaffung einer „pazifischen Gemeinschaft“ beschworen wurde, hat kein Spitzentreffen im asiatisch-pazifischen Raum mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen als der erste Ostasien-Gipfel am 14. Dezember 2005 in Kuala Lumpur. Gastgeberland Malaysia hatte im Vorfeld angekündigt, die Zusammenkunft, die im Anschluss an den Gipfel der südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN) und der ASEAN+3 (ASEAN plus Japan, China und Südkorea) stattfand, werde „der erste Meilenstein auf dem Weg zu einer integrierten ostasiatischen Gemeinschaft“, ein „machtvolles Zeichen des Vertrauens und Selbstbewusstseins der Länder der Region, auf das die Welt wartet“. Sogar das zurückhaltende japanische Außenministerium bezeichnete den Ostasien- Gipfel prospektiv als „wichtigen institutionellen Rahmen für die Gemeinschaftsbildung in Ostasien“.

Zahlreiche Staaten, die bislang nicht oder nur wenig am ostasiatischen Regionalismus partizipierten, hatten sich zuvor darum bemüht, eine Einladung zum Ostasien-Gipfel zu erhalten. Die Frage der Teilnahme dominierte auch die Verhandlungen im Vorfeld, während die inhaltlichen Vorbereitungen kaum vom Fleck kamen. Vor allem Australien und Neuseeland vergrößerten ihre diplomatischen Anstrengungen, von Anfang an dabei zu sein.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Asien

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.