Ausgabe März 2006

Tschad vs. Sudan: Plündern und Herrschen

In letzter Minute könnte Muammar al- Gaddafi einen Krieg zwischen Sudan und Tschad beigelegt haben. Der libysche Präsident, der sich seit seiner „Entschurkung“ in der Rolle des Friedensstifters gefällt, konnte seine guten Beziehungen zu den Präsidenten des Tschad, Idriss Déby, und des Sudan, Omar al-Bashir, nutzen, um am 9. Februar eine friedliche Beilegung des seit langem schwelenden zwischenstaatlichen Konflikts zu verkünden.

Seit Beginn des Krieges in Darfur, der, von der Weltöffentlichkeit fast unbeachtet, unvermindert weitergeht, hatte der Sudan dem Tschad vorgeworfen, Guerillagruppen zu unterstützen. In den letzten Monaten wurde nun, nach Angriffen sudanesischer Truppen und mit ihnen verbündeter Milizen auf tschadische Städte sowie verstärkten Guerillaaktivitäten im Tschad, der umgekehrte Vorwurf erhoben, der Sudan würde seinerseits die tschadische Guerilla unterstützen. Der von Libyen vermittelte Friedensvertrag verpflichtet jetzt beide Staaten, Angriffe von ihrem Territorium aus zu unterbinden und keine Guerillagruppen gegen die jeweils andere Regierung mehr zu unterstützen. Die Rede ist auch von einer Friedenstruppe, wobei noch nicht klar ist, wer diese stellen solle. „Zur Not“, kündigte Gaddafi an, würde auch Libyen 100000 Soldaten zur Verfügung stellen, um eine „fremde Intervention in afrikanische Angelegenheiten“ zu verhindern.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Krieg im Kongo: Trump und der gordische Knoten

von Simone Schlindwein

Heute gelingt uns das, woran so viele andere gescheitert sind«, prahlte Donald Trump im Dezember 2025, als Kongos Präsident Felix Tshisekedi und dessen ruandischer Amtskollege Paul Kagame zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages im Weißen Haus eintrafen.

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.