Ausgabe Dezember 2007

Global Europe

Der liberale Imperialismus der Europäischen Union

Von Seattle über Cancún bis Heiligendamm – die erfolgreichen Proteste der globalisierungskritischen Bewegung wurden zu Recht gefeiert. Doch das war gestern. Heute markieren das wiederholte Scheitern der WTOVerhandlungen und der Machtverlust von IWF und Weltbank zugleich den Beginn einer neuen Ära in den globalen Handelsbeziehungen zwischen den tonangebenden Ländern der Triade und den Ländern des Südens.1

Die zunehmend aggressive Handelspolitik der Europäischen Union lässt darauf schließen, dass sich die Europäische Kommission von den Perspektiven einer „europäischen Friedensmacht“ verabschiedet hat – jedenfalls setzt die mächtige Generaldirektion Handel alles daran, die EU zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für das US-amerikanische Empire zu machen. Heute geht es der Europäischen Kommission vor allem darum, mit allen ihr zur Verfügung stehenden politischen Instrumenten aktiv in die strategischen Auseinandersetzungen um Marktzugänge, die Sicherung von Marktanteilen und die Schaffung neuer Märkte für global player mit Hauptsitz in Europa einzugreifen – und zwar in ganz bewusster Abkehr von den eigenen Traditionen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Außenwirtschaftsbeziehungen der EU dadurch gekennzeichnet, dass sie als Wirtschaftsblock gemäß GATT-Vertrag, Art.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.