Ausgabe Dezember 2009

Die Neuvermessung der SPD

Gegenwärtig erleben wir die dritte grundlegende Orientierungskrise der politischen Linken seit dem Bestehen der Bundesrepublik. Zwei Mal wurde sie mit einem Weg in die „Mitte“ der Gesellschaft beantwortet. Dieses Mal besteht im Weg zur „Mitte“ das Problem, nicht die Lösung.

Die Öffnung zur „Mitte“ als sozialdemokratische Antwort auf verheerende Wahlniederlagen, die hochfliegende politische Hoffnungen bitter enttäuschten, begann 1958 auf dem Stuttgarter Parteitag mit der Abschaffung des besoldeten engeren Parteivorstandes und der Stärkung der Bundestagsfraktion. Ein Jahr später folgte die Verabschiedung eines neuen Grundsatzprogramms auf dem Parteitag in Godesberg. Mit ihm kam die SPD in der Wirklichkeit der Bundesrepublik an. Die Umwandlung der klassischen Arbeiterpartei in eine linke Volkspartei enthielt ein Versprechen an die aufsteigenden Mittelschichten der modernen Industriegesellschaft: Wir vereinbaren erfolgreich soziale Sicherheit mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit; wir geben dem Wettbewerbsgedanken mehr Raum neben einem demokratischen, aktiven, vorausplanenden Staat; wir befreien das Individuum von einengenden Traditionalismen und ermöglichen ihm sozialen Aufstieg auf der Basis einer größeren und gerechteren Bildungsbeteiligung.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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