Ausgabe Dezember 2009

Die Überschreitung der Grenzen

Ernst Bloch und Seyla Benhabib

Das jüdische Pessachfest – in der christlichen Welt als Passah oder Passover bezeichnet – ist zwar nicht der höchste jüdische Feiertag, wohl aber der populärste. Das liegt nicht zuletzt daran, dass in seinem Zentrum ein rituelles, von der ganzen Familie und Gästen gefeiertes abendliches Erinnerungsmahl mit einer Fülle symbolischer Speisen, Liedern und gemeinsam rezitierten Legenden steht. Bei alledem geht es um den Exodus der Kinder Israel aus Ägypten, also um ein Fest der Befreiung und der Freiheit. Es geht um erkämpfte und erzwungene Auswanderung, um die Vision auf eine neue, alte Heimat, also um eine, wenn auch gewaltsame, Einwanderung und den Empfang einer göttlichen, normativen, auf Gerechtigkeit zielenden Weisung. Bekanntlich hat Gott gemäß der Bibel die Ägypter und Pharaonen mit einer eskalierenden Reihe von Plagen gezwungen, die Kinder Israel ziehen zu lassen – die letzte und schwerste Plage, die von Gott selbst vorgenommene Tötung aller ägyptischen Erstgeburten, brachte den Pharao schließlich zum Einlenken. Die im Lauf der Jahrhunderte entstandene Haggadah schel Pessach, der liturgische Text des Pessachmahls, verzeichnet dies mit Dank.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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