Ausgabe Dezember 2009

Netzfernsehen made in USA

In der bundesdeutschen Medienwelt sorgte unlängst das Ende der „Netzeitung“ für Aufregung. Nachdem die britische Mecom Group die „Netzeitung“ 2007 gekauft hatte, um sie mit der „Berliner Zeitung“ zu verbinden, übernahm der Kölner Verlag DuMont Schauberg mit dem Kauf des Berliner Verlages Anfang 2009 dieses Projekt. Nun gab der Verlag in knappen Worten die Einstellung bekannt: „In der derzeitigen Form ist die Internetzeitung wirtschaftlich [...] nicht zu betreiben.“ Nach exakt acht Jahren redaktioneller Produktion soll anstelle der „Netzeitung“ nun ein automatisiertes Nachrichtenportal entstehen.

Warum die Zeitung scheitern musste, wird deutlich, wenn man Entwicklungen berücksichtigt, die zurzeit in der amerikanischen Gesellschaft stattfinden. In den letzten Jahren haben dort Internet-basierte Medienprojekte einen demokratischen Aufbruch erzeugt. Leider wird hierzulande darüber fast gar nicht berichtet. Ein schon etwas älteres Beispiel hierfür bietet „Democracy Now!“, ein von Amy Goodman und Juan Gonzalez geleitetes Fernseh- und Radioprogramm im Netz, das sich über Spenden finanziert und als alternative Nachrichtenquelle große Resonanz gerade in progressiven Kreisen findet. Ein zweites, jüngeres Beispiel ist der neue unabhängige Fernsehsender „The Real News“, der in den USA und Kanada aufgebaut wird und zu tagesaktuellen Themen kritische Kurzfilme anbietet.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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