Ich war einer der ersten Studenten von Jürgen Habermas, nachdem er seine Lehrtätigkeit in Heidelberg, ich glaube es war 1961, aufgenommen hatte, und ich werde nie vergessen, wie er durch seine intellektuelle Präsenz, mit der er in Vorlesungen und Seminaren neue Denkräume eröffnete, mich und wohl die meisten seiner damaligen Studenten in seinen Bann zog. In Habermas’ Vorlesungen, so gut vorbereitet sie auch immer waren, hatte man den Eindruck, ihm beim Denken zuzuschauen, Philosophie lebendig werden zu sehen, eine Philosophie, die alles bloß Akademische abgestreift hatte und deren Zeitkern, ihre existenzielle und lebenspraktische Bedeutsamkeit, noch in den komplexesten Argumentationszusammenhängen stets sinnfällig blieb.
(aus: »Blätter« 6/2009, Seite 48-52)
Themen: Wissenschaft