Ausgabe Februar 2010

Der Fall Honduras

"No change" in der US-Lateinamerikapolitik?

Vor wenigen Tagen wurde in Honduras der bei der umstrittenen Wahl vom November vorigen Jahres siegreiche Kandidat Porfirio Lobo zum Präsidenten gekürt – und damit zum Nachfolger seines im Juni durch einen militärischen Staatstreich gestürzten Amtsvorgängers Manuel Zelaya. Der erste erfolgreiche Putsch in Lateinamerika seit fast 20 Jahren (der letzte ereignete sich 1990 in Haiti) wurde weltweit zwar zunächst nahezu einmütig verurteilt, nicht zuletzt auch von den USA. Inzwischen scheint es jedoch so, als ob die Weltmacht den Putsch regelrecht verdrängt hat. Offenbar betrachtet sie die angeblich demokratische November-Wahl als einen großen Schritt in Richtung Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung.

Wie aber konnte es zu dieser Änderung in der Bewertung der Vorgänge in Honduras kommen? Immerhin handelt es sich um eine Wende, bei der selbst alte Verbündete der Vereinigten Staaten ihre Schwierigkeiten haben, sie nachzuvollziehen.

Schließlich hatte Obamas Amtseintritt auch in Lateinamerika die Hoffnung geweckt, dass es zu einer Entkrampfung im Verhältnis der USA zu den während der Bush-Ära an die Macht gelangten Mitte-Linksregierungen kommen könnte. Zumindest erhoffte man sich in Lateinamerika eine aktualisierte Neuauflage der „Good Neighbor Policy“, die Obamas demokratischer Vorläufer im Präsidentenamt Franklin D.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

von Ferdinand Muggenthaler

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert.