Ausgabe Januar 2010

Obama in Ostasien

Er sei der erste pazifische Präsident der Vereinigten Staaten, sagte Präsident Barack Obama mit gewohnter Emphase in seiner Rede am 14. November in Tokio – vor seinem Abflug nach Singapur, zum Gipfel der APEC, der Asia Pacific Economic Cooperation, welcher Staaten beiderseits des Pazifik angehören. Obama wollte damit deutlich machen, dass die Zeiten der Bush-Administration, in der die Welt östlich von Pakistan für die USA zeitweilig nicht zu existieren schien, endgültig vorbei sind.

Auf der anderen Seite hatten in den Monaten zuvor die protektionistischen Töne aus dem Kapitol und die Beschränkungen für chinesische Einfuhren in die USA unter den asiatischen Gipfelteilnehmern doch einige Besorgnis ausgelöst. So bedeutete die erste große Asien-Reise Obamas immerhin ein Stück jener Versöhnung Amerikas mit Asien, das von asiatischer Seite erwartet worden war.

Ein echtes Zeichen des Aufbruchs und der Erneuerung wie etwa bei seinen Reden in Kairo und Prag ging von den Begegnungen trotzdem nicht aus. Die zählbaren Resultate seiner einwöchigen Reise, bei der er außer beim APEC-Gipfel in Singapur noch in Japan, China und Südkorea Station machte, waren durchweg mager.

In Japan, der ersten Reisestation, gab es hinsichtlich der Verlegung eines Truppenstandortes innerhalb Okinawas keinen Fortschritt.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (0.90€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.