Ausgabe Oktober 2011

Kapitalismus versus Demokratie

Vom Widerspruch der bürgerlichen Gesellschaft

Dass die ökonomische Krise des Jahres 2008 nicht die definitiv letzte kapitalistische Krise sein würde, war bereits im Augenblicke ihres Aufbrechens klar. Wie dramatisch sie sich aber binnen nur dreier Jahre entwickeln würde, sahen nur die Wenigsten voraus. Denn damals, immerhin, demonstrierten die kapitalistischen Akteure Lernbereitschaft. Plötzlich priesen sie als Heilmittel, was ihnen noch Monate zuvor als linksextremistische Einfälle erschienen wäre. Schlagartig war der Staat wieder gefragt und Neokeynesianer, zuvor regelrecht geächtet, wurden wieder am Tisch der Bescheidwisser geduldet. Anerkennung wurde dem zuteil, der auf frühe Warnungen verweisen konnte oder sich rechtzeitig von den Spekulationsgeschäften zurückgezogen hatte. Und die Vorstellung eines sich selbst regulierenden Marktes schien zunächst regelrecht konterkariert – durch all die Billionen, die die Staaten zur Rettung der Finanzinstitutionen und mancher Industriezweige aufbringen mussten.

Heute aber wissen wir: In den Grundzügen blieb alles beim Alten, auch der Trend der Vermögensverteilung von unten nach oben.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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