Ausgabe Juni 2012

Armenien vs. Aserbaidschan: Auf der Schwelle zum Krieg

Eigentlich wollte sich die aserbaidschanische Regierung mit der Ausrichtung des prestigeträchtigen Eurovision-Song-Contest Ende Mai als modernes, selbstbewusstes Land präsentieren. Doch schon im Vorfeld des Musikwettbewerbs beherrschten vor allem Berichte über die schwierige Menschenrechtslage in der autoritär regierten ehemaligen Sowjetrepublik die Medien. Ein anderer Konflikt geriet dabei schnell wieder aus dem Blick: Über zwei Monate zuvor hatte das Nachbarland Armenien seine Teilnahme am Grand Prix abgesagt. In Baku würden Armenier als Feinde gesehen, begründete die Regierung in Jerewan ihre Entscheidung. Seit mehr als 100 Jahren streiten beide Länder erbittert um die Enklave Berg-Karabach. 

Ein explosiver Konflikt

Der Konflikt um die Region Berg-Karabach gilt als einer von mehreren sogenannten frozen conflicts: Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion drohen diese jederzeit wieder aufzuflackern.

Seit die beiden Kaukasus-Republiken Armenien und Aserbaidschan im Jahr 1918 unabhängig wurden, erheben sie Anspruch auf die Region Berg-Karabach. Völkerrechtlich gehört diese zu Aserbaidschan, etwa 145000 Einwohner leben heute dort. Mit der Annektierung der beiden verfeindeten Nachbarn durch die Sowjetunion wurde der Konflikt vorübergehend befriedet; als die Sowjetunion zerfiel und Armenien und Aserbaidschan wieder zu souveränen Staaten wurden, brach er von Neuem aus.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.