Vor 40 Jahren, am 28. Januar 1972, wurden die "Grundsätze zur Frage der verfassungsfeindlichen Kräfte im öffentlichen Dienst" erlassen, die sehr bald nur noch unter dem Namen Radikalenerlass firmierten und vor allem gegen Mitglieder der neugegründeten Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) gerichtet waren. "Blätter"-Mitherausgeber Gerhard Stuby, Professor em. für Rechtswissenschaften an der Universität Bremen, setzte sich damit in seinem ersten Aufsatz für die "Blätter" auseinander.
Vor 20 Jahren setzten sich die „Blätter“ in ihrer Januarausgabe anlässlich der 500. Wiederkehr der Entdeckung der „Neuen Welt“ mit der Zukunft des globalen Südens auseinander, u.a. mit Beiträgen von Eduardo Galeano, Noam Chomsky, Heinz Dieterich, Dorothee Sölle und William Reuben Soto.
Eduardo Galeano, Noam Chomsky, Heinz Dieterich, Dorothee Sölle und William Reuben Soto Die Entdeckung der "Neuen Welt" (zip-Datei)
„Blätter“, 1/1992
12/2011: Die formierte Gesellschaft
Angesichts der Merkelschen Neuformierung der CDU erinnern wir an die großen Texte zur „Formierten Gesellschaft“ des bekannten Linksintellektuellen Reinhard Opitz, der 1986 im Alter von nur 51 Jahren gestorben ist.
In seinem „Brief aus Amerika“ schilderte vor zehn Jahren „Blätter“-Mitherausgeber Norman Birnbaum die aufgeladene Lage in den Vereinigten Staaten unmittelbar nach den Anschlägen des 11. September: ein Land im Ausnahmezustand, zwischen Patriotismus und Nationalismus, ohne echte Opposition und öffentliche Debatte.
Norman Birnbaum Brief aus Amerika
In: „Blätter“, 11/2001, S. 1305-1318
9/2011: Demokratie in der Demokratur
Angesichts der revolutionären Erhebungen in Lateinamerika vor zwanzig Jahren warnte die feministische Theologin Dorothee Sölle vor einer bloß formalen Demokratie ohne ideellen und materiellen Unterbau.
Im September besucht Papst Benedikt XVI. die Bundesrepublik – vor 15 Jahren analysierte der Politikwissenschaftler Franz Walter die wechselhafte Entwicklung des deutschen Katholizismus der letzten 100 Jahre, von der „katholischen Sonderkultur“ bis zur „Cafeteria-Religion“.
Die Regierung Obama stellte soeben die kompletten „Pentagon Papers“ frei. Vor genau 40 Jahren hatte der US-Botschaftsmitarbeiter Daniel Ellsberg diese US-Geheimdokumente über den Vietnamkrieg veröffentlicht, was maßgeblich zum Ende des Krieges beitrug. Zehn Jahre später schrieb Ellsberg über „Die Rolle von Wissenschaftlern und Intellektuellen bei der Vorbereitung oder Verhütung des Atomkriegs“
Während des Eichmann-Prozesses in Jerusalem räsonierte Bundespräsident Heinrich Lübke darüber, wie „Mitglieder unseres Volkes sich an solchen Verbrechen beteiligen (sic!) konnten“. Dagegen erhob der bekannte Berliner Propst und Gegner des Nationalsozialismus Heinrich Grüber Einspruch.
Nach langer schwerer Krankheit starb am 22. März im Alter von 69 Jahren Frank Niess, langjähriger Redakteur des SDR (später SWR) und Autor zahlreicher Bücher und geschliffener Artikel, darunter so mancher für die „Blätter“. Nicht nur als Amerikaexperte und überzeugter Europäer, sondern auch als großer Stilist wird er uns stets in Erinnerung bleiben
Bereits vor 30 Jahren setzte die Atomwirtschaft alles daran, das teurer werdende Öl sukzessive zu ersetzen. Der Biologe Dieter Teufel, heute Leiter des Umwelt- und Prognose-Institits (UPI) in Heidelberg, wies dagegen nach, dass die Atomwirtschaft damit vor allem eines betreibt: die Ausweitung der Energieveschwendung
3/2011: Reagans „amerikanischer Traum“ – ein Alptraum für Europa
Vor dreißig Jahren analysierte „Blätter“-Herausgeber Rudolf Hickel die verheerende neoliberale Wirtschaftsagenda Ronald Reagans, dessen 100. Geburtstag dieser Tage weithin gefeiert wird
Vor 20 Jahren, gut ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer, stand die Welt vor einem neuen Golfkrieg, und es drohte ein kriegerisches Auseinanderbrechen der Sowjetunion. Das veranlasste „Blätter“-Redakteur Arthur Heinrich zu der Frage: „Das Ende vom Anfang einer besseren Welt?“
Vor zehn Jahren, am 20. Januar 2001, wurde mit George W. Bush ein US-Präsident vereidigt, der nicht vom Volk gewählt, sondern vom
Obersten Gericht ernannt worden war. Die Ära Clinton war beendet – und Frank Unger zog „Ein subjektives Resümee der Clinton-Jahre“.
Vor 20 Jahren schrieb der spätere Demokratiepreisträger der „Blätter“, der Theologe und Bürgerrechtler Wolfgang Ullmann, einen brillianten Text über die deutsche Verfassungsgeschichte und das ungelöste Problem der Einheit.
Am 2. Oktober starb der Germanist und „Blätter“-Autor Georg Bollenbeck. In seinem Beitrag „Nation, Volk, Staat“ („Blätter“, 7/1994, S. 823-833) prophezeite er eine neue „Allianz zwischen Armutsnationalismus und Arroganznationalismus“ – eine Prognose, die im Gefolge der Sarrazin-Debatte nicht an Bedeutung verloren hat.
10/2010: Plädoyer wider die Selbstaufgabe der Bundesrepublik
Vor 20 Jahren, zum Monat der deutschen Vereinigung, schrieb Thomas Schmid, heute Herausgeber von Springers „Welt“, ein bemerkenswertes „Plädoyer wider die Selbstaufgabe der Bundesrepublik“ und die grassierende „Berlin-Meierei“ (vgl. „Blätter“ 10/1990, S. 1182-1189).
9/2010: „Die Deutschen – auf dem Weg in die Zivilgesellschaft?“
Schon vor der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR am 3. Oktober 1990 stellte Arno Klönne in einem bemerkenswerten Artikel die bis heute aktuelle Frage: „Die Deutschen – auf dem Weg in die Zivilgesellschaft?“.
8/2010: Brent Spar oder der vergessene Alltag der Nordseeverschmutzung
Dass es sich bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko keinesfalls um einen erst- oder gar einmaligen Fall handelt, zeigt die Debatte um die geplante Versenkung der Ölplattform Brent Spar vor genau 15 Jahren:
Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung führte „Blätter“-Mitherausgeber Günter Gaus ein großes Gespräch mit Egon Bahr über die Brandtsche Entspannungspolitik und ihre Folgen – sowie ihre unabgegoltenen Forderungen, bis in die Gegenwart der „pax americana“ („Blätter“, 7/2000, S. 791-802).
Exakt vor 20 Jahren, in den Juni-„Blättern“ 1990, erschien ebenfalls ein pointiertes Portrait von Oskar Lafontaine auf seinem Weg zur Bundestagswahl: Heinz Thüer, Der Herausforderer. Ein Portrait des Kandidaten Lafontaine, S. 687-692.
Am 3. Oktober 1990 endete die DDR; bereits in der Mai-Ausgabe desselben Jahres fragten die „Blätter“, was von ihr bleiben werde. Darauf gaben bis heute beeindruckende Antworten Bärbel Bohley, Gerd und Ulrike Poppe, Jens Reich, Wolfgang Ullmann, Konrad Weiß und Rosemarie Will (siehe „Blätter“ 5/1990).
Angesichts der grassierenden schwarz-grünen Spekulationen empfehlen wir den Blick zurück auf die heiß umkämpfte Gründungsphase der Grünen vor und nach ihrem ersten Parteitag: Reinhold Billstein, „Die Grünen“ nach Saarbrücken, in: „Blätter“ 4/1980.
Ausnahmsweise in „Zurückgeblättert“ diesmal keinen Hinweis auf einen Artikel, sondern auf einen Brief an die „Blätter“, geschrieben im März 1960 von dem 82jährigen Dichter und Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse.
2/2010: Der Schriftsteller, Ökologe und Friedenskämpfer Hans Henny Jahn
Aus Anlass des unlängst begangenen Todestages des weit vorausschauenden Schriftstellers, Ökologen und Friedenskämpfers Hans Henny Jahn erinnern wir an dessen große Beiträge in den „Blättern“: Der Mensch im veränderten Weltbild (12/1957); Zwölf Jahre Warnungen vor der Atombombe (5/1958); Haben wir das neue Weltbild im Geiste bewältigt? (9/1958) und der Mensch im Atomzeitalter (12/1959).
Anlässlich des Todes unseres langjährigen Mitherausgebers Jörg Huffschmid erinnern wir – stellvertretend für seine zahlreichen „Blätter“-Analysen – an den Aufsatz über „Die neoliberale Deformation Europas“ („Blätter“, 3/2007) und den Finanzcrash-Kommentar über „Die Rückkehr des Staates“ („Blätter“, 11/2008).
Vor 50 Jahren forderte Robert Scholl, der Vater der Geschwister Scholl und langjährige Mitherausgeber der „Blätter“, eine „Abkehr vom Kalten Krieg“ – ein Gedanke, der später durch die Brandtsche Ostpolitik verwirklicht werden sollte („Blätter“, 12/1959, S. 1011-1015).
Aus Anlass des 80. Geburtstags von Günter Gaus, des 2004 verstorbenen großen Publizisten, Politikers und langjährigen Herausgebers der „Blätter“, erinnern wir dieses Mal an das „Blätter“-Gespräch mit Egon Bahr vom November 1999 über „Ein Deutschland, das Nein sagen kann“, welches Günter Gaus zu dessen 70. Geburtstag gewidmet war.
10/2009: Fünf Möglichkeiten, die Geschichte der Bundesrepublik zu erzählen
Bereits vor zehn Jahren analysierte der Historiker Axel Schildt „Fünf Möglichkeiten, die Geschichte der Bundesrepublik zu erzählen“: als Erfolgs-, Misserfolgs-, Modernisierungs-, Belastungs- und Verwestlichungsgeschichte (in: „Blätter“ 10/1999, S. 1234-1244). Fünf Möglichkeiten, die Geschichte der Bundesrepublik zu erzählen
Axel Schildt
Ausgabe 10/1999 – Seite 1234 bis 1244
9/2009: Die Krisenanfälligkeit des westdeutschen Konsumkapitalismus
Dieses Mal verweisen wir auf den hellsichtigen Artikel von Achim von Borries, „Zehn Jahre Provisorium und sein Preis“, aus dem Septmeber-Heft 1959, der die Krisenanfälligkeit des westdeutschen Konsumkapitalismus (das „eigentliche Grundgesetz der Bundesrepublik“) diagnostiziert – und eine neue Entspannungspolitik gegenüber DDR und Sowjetunion fordert, die zehn Jahre später Wirklichkeit werden sollte.
Intellektuelles Studentenfutter für den Bildungsstreik: Vor zehn Jahren verfasste Ekkehart Krippendorff vor dem Hintergrund seiner vierzigjährigen Erfahrung eine Bilanz der deutschen Politikwissenschaft – und diagnostiziert die „Mitverantwortung der Wissenschaft für die fatale Zuschauermentalität in Studium und Lehre“.
Zweimal „zurück“ ins Juli-Heft des Jahres 1989 aus aktuell gebliebenem Anlass: Unter dem Pseudonym Guan Jian analysiert ein chinesischer Dissident die Lage in China angesichts der brutal niedergeschlagenen Protestbewegung. Und im vierzigsten Jahr des Bestehens der Bundesrepublik macht sich Birgit Meyer kritische Gedanken zur Lage der Frauen: Viel bewegt – auch viel erreicht?
Ausgabe: 07/1989 Das Scheitern einer Reform ohne Demokratie
Hintergründe der chinesischen Protestbewegung
Guan Jian
Ausgabe 7/1989 – Seite 812 bis 824
6/2009: Europäische Identität und universalistisches Handeln
Anlässlich der Europawahlen am 6. Juni und des 80. Geburtstags von Jürgen Habermas weisen wir auf dessen große Europa-Artikel in den „Blättern“ hin: Der europäische Nationalstaat unter dem Druck der Globalisierung (4/1999), Europäische Identität und universalistisches Handeln (7/2003), die Bewährung Europas (12/2006) sowie Europa: Vision und Votum (5/2007).
Vor 30 Jahren zog Martin Niemöller in den „Blättern“ eine friedenspolitische und mit Blick auf die frühen Jahre der Naziherrschaft zugleich aufwühlend selbstkritische Bilanz der ersten „Dreißig Jahre Bundesrepublik“.
(„Blätter“, 1/1979, S. 13-26.)
Eine kritische Bilanz des damals noch jungen westlichen Militärbündnisses zogen die „Blätter“ vor 50 Jahren: Zehn Jahr Nato, zehn Jahre Unsicherheit, von Major a.D. Hans-Moritz von Frankenberg und Proschlitz, in: „Blätter“, 4/1959, S.318-324.
Sowohl angesichts der kommenden Jubiläumsfeiern als auch aufgrund des infamen „literarischen Vatermords“ (Die Welt, 17.2.2009) an unserem Mitherausgeber Walter Jens, erinnern wir an dessen großen Beitrag zum 40. Jubiläum der Bundesrepublik „Das Land der Sieger“, in „Blätter“, 2/89, S. 156-170. Das Land der Sieger
Walter Jens
Ausgabe 2/1989 – Seite 156 bis 170
1/2009: Europa gegen die Bombe
Die atomare Abrüstung der 80er Jahre hatte einen langen Vorlauf: Vor 50 Jahren bilanzierte Hans Magnus Enzensberger in den „Blättern“ den Stand der Abrüstungsbemühungen europäischer Intellektueller, von Günter Anders bis Lord Russell, auf dem Ersten Europäischen Kongress gegen Atomrüstung (vgl. Europa gegen die Bombe, in: „Blätter“, 1/1959).
1/2009: Der Studentenkongreß gegen Atomrüstung in Berlin
In der Januar-Ausgabe 1959 findet sich ein Bericht der 24jährigen Ulrike Meinhof über den Anti-Atomkongress in Berlin, bei dem die angehende Journalistin und spätere RAF-Terroristin durch ihren rhetorischen Schlagabtausch mit dem damaligen Bundestagsabgeordneten und SPD-Hoffnungsträger Helmut Schmidt („Schnauze“) erstmals bundesweit in Erscheinung trat. Der Studentenkongreß gegen Atomrüstung in Berlin
Ulrike Meinhof
Ausgabe 1/1959 – Seite 57 bis 61
12/2008: Der Publizist Peter Bender
Am 11. Oktober starb der große Publizist und maßgebliche Vordenker der Brandtschen Entspannungspolitik, Peter Bender, im Alter von 85 Jahren. Die „Blätter“ verdanken ihm einige seiner wichtigsten Texte der letzten Jahre. Erinnert sei an dieser Stelle nur an „Imperium als Mission“ („Blätter“, 7/2005) und seine Analysen des Kalten Krieges (10/2005, 4 und 9/2007). Noch wenige Tage vor seinem plötzlichen Tode bat Peter Bender – bis zum Ende unermüdlich politisch denkend – darum, seinen letzten Artikel zum Georgienkrieg („Schildknappe Europa“, 10/2008), zu verbreiten. Sein politischer Scharfsinn wird uns fehlen.
Intensive Geschichtsdebatten gab es auch in den „November“-Blättern 1988: Hitler-Biograph Ian Kershaw beschäftigte sich 50 Jahre nach den Judenpogromen vom 9.11.1938 mit der Haltung der deutschen Bevölkerung, und der bekannte Soziologe Todd Gitlin blickt am Ende der Reagan-Ära zurück auf die amerikanischen 68er und ihre Wirkung. Indifferenz des Gewissens Die deutsche Bevölkerung und die „Reichskristallnacht"
Ian Kershaw
Ausgabe 11/1988 – Seite 1319 bis 1330
10/2008: Wie aus Mitläufern freie Menschen werden können
Am 26. August 2008 starb, fast 80jährig, der Schriftsteller und Publizist Christian Geissler. Aus diesem Anlass erinnern wir an seinen bemerkenswerten Artikel "Wie aus Mitläufern freie Menschen werden können" ("Blätter", 5/1965, S. 417-426). Darin beschreibt er, wie nach 1945 aus einer "geschlagenen Generation" eine gebrochene wurde - und wie diesem Zustand durch deren Kinder Abhilfe zu schaffen wäre.
Die militärische Niederschlagung des "Prager Frühlings" fand auch in den "Blättern" umgehend ihren Niederschlag. Insbesondere drei junge Studenten der FU Berlin (Hartmut Häußermann sowie Niels und Ulf Kadritzke) widersprechen in ihrem Beitrag der Annahme einer tschechoslowakischen "Konterrevolution" (vgl "Blätter", 9/1968; siehe auch den klugen Beitrag von Arno Klönne, CSSR-Intervention und die Linke).
Parallelen allerorten: Auch im Jubliäumsjahr 1988 (20 Jahre '68) eilte der Blick voraus. Klaus Naumann, damals "Blätter"- Redakteur und heute Mitherausgeber, nahm die kommenden Feiern zu "40 Jahren Bundesrepublik" zum Anlass einer Ortsbestimmung - unter dem Leitmotiv der "Selbstanerkennung" (8/1988, S. 915-927, und 9/1988, S. 1046-1060).
Plötzlich und unerwartet starb am 19. Mai im Alter von 63 Jahren der Amerikanist, Politikwissenschaftler und langjährige Freund und Autor der "Blätter" Frank Unger. Ihm zu Ehren - und aus gegebenem politischen Anlass - dokumentieren wir "Der Reaganismus ist ausgereizt", geschrieben zur US-Präsidentschaftswahl 1988 (4/1988, S. 438-450), sowie einen seiner letzten großen "Blätter"-Artikel: "Freihandelsimperialismus. Von der Pax Britannica zur Pax Americana" (10/2004, S. 1186-1196).
Während im Jahr 1968 der Kampf gegen die Notstandsgesetze mit deren Verabschiedung am 30. Mai jäh endete, wurde 1958 der Kampf gegen den „Atomtod“ über den Sommer hinweg fortgesetzt – und in den „Blättern“ unterbreitete Hans Magnus Enzensberger „Einige Vorschläge zur Methode des Kampfes gegen die atomare Aufrüstung“ (vgl. 6/1958, S. 410-414).
Auch im Jahr 1988 diskutierte die Republik unter dem Motto „Was bleibt von 68?“ Das Mai-Heft der „Blätter“ fragte nach dem „Aufbruch in die andere Republik?“ – mit Beiträgen u.a. von Detlev Albers, Frank Deppe, Mechtild Jansen, Hubert Kleinert, Arno Klönne, Klaus Vack, Wolfgang Kraushaar, Claus Leggewie, Anke Martiny, Jürgen Holtmann und Jürgen Seifert.
Aufbruch in die andere Republik?
Wie sich die Zeiten ähneln – und doch unterscheiden: Im April 1968 diskutierte die Republik über die Einführung des Mehrheitswahlrechts und die Zukunft der SPD. „Nach guter sozialdemokratischer Tradition folgt auf die Vielfalt der Diskussion die Einheit der Aktion“, postulierte der damalige stellvertretende Parteivorsitzende Helmut Schmidt – mehr dazu in den Artikeln von Wolfgang Abendroth, Horst Heiden und Dietrich Kittner in der April-Ausgabe der "Blätter" von 1968.
Im März 1958 schlägt die Geburtsstunde der Ostermarschbewegung. Die Bundesrepublik steht im Bann der Debatte um die atomare Bewaffnung der Bundeswehr. Professorin Renate Riemeck, Mitgründerin der Deutschen Friedensunion (DFU) und Mentorin von Ulrike Meinhof, hält „Die Stunde des nationalen Notstands“ für gekommen; und der berühmte Theologie-Professor Hans Iwand analysiert den Protest der evangelischen Kirche (vgl. „Blätter“ 3/1958, S. 149-158 sowie S. 185-187).
Derweil sich dieser Tage die nostalgischen Rückblicke auf 1968 häufen, erinnern wir an die Anfänge literarischer Aufarbeitung des annus mirabilis. Zum ersten runden Jubiläum im Jahr 1978 diskutierte Jutta Menschik zeitgenössische „Romane über die Studentenbewegung“ – verfasst von Autoren wie Uwe Timm, Gerd Fuchs oder Bernd Gäbler („Blätter“, 3/1978, S. 362-368).
1/2008: Der Entwurf des "Berliner Programms" der CDU
Das turbulente Jahr 1968 beginnt furios – und anhaltend aktuell – in der „Blätter“-Januarnummer: mit Beiträgen zu den Programmdebatten in CDU (Friedhelm Baukloh) und der damals noch jungen NPD (Reinhard Kühnl) sowie zu „Axel Springer als Erzieher der Jugend“ (Ulrich Sander).
Im Dezember 1967 näherte sich der Vietnamkrieg der entscheidenden Wende und der Philosoph Günther Anders schrieb in seiner Vietnam-Reihe in den „Blättern“ „Neue Vietnam Glossen“ (12/1967, die Fortsetzung folgte in Heft 7/1968) – sein dritter Beitrag nach seinen „Bemerkungen zu Vietnam“ (6/1967) und nach „Vietnam – immer wieder Vietnam“ (8/1967).
Vor 40 Jahren, am 28. Januar 1972, wurden die "Grundsätze zur Frage der verfassungsfeindlichen Kräfte im öffentlichen Dienst" erlassen, die sehr bald nur noch unter dem Namen Radikalenerlass firmierten und vor allem gegen Mitglieder der neugegründeten Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) gerichtet waren. "Blätter"-Mitherausgeber Gerhard Stuby, Professor em. für Rechtswissenschaften an der Universität Bremen, setzte sich damit in seinem ersten Aufsatz für die "Blätter" auseinander.