Ausgabe September 2003

Blairs Nemesis

Vergegenwärtigen wir uns die Situation im Herbst 2001. So paradox es heute klingen mag: Die Konstellation politischer Kräfte erschien damals günstig, sowohl auf der britischen Insel als auch in der internationalen Arena. Zwar kriselte die Konjunktur weltweit, zwar herrschte Bestürzung über die fürchterlichen Vorkommnisse in den USA am 11. September, zwar rumorten die regionalen Konflikte auf dem Balkan, im Kaukasus, in Afrika. Aber …

In Großbritannien hatte sich die Labour Party durch die Wahl im Frühjahr ein sattes parlamentarisches Polster für die nächsten fünf Jahre zugelegt und so die Hoffnungen der Stamm-Wähler – kurzfristig enttäuscht durch die fiskale Knauserigkeit der ersten Labour-Legislaturperiode – wiederbelebt. Rupert Murdoch und dessen Medienimperium ("The Times", "The Sun", "The Sunday Times", Sky TV) zu umwerben, hatte sich eindeutig ausgezahlt.1 Und das Massaker in Manhattan hatte weltweit eine Welle der Solidarität mit den Angegriffenen ausgelöst, was eine einmütige und gemeinsame Kampagne gegen den Terrorismus versprach.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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