Ausgabe Juni 2005

Die Errichtung Europas auf den Trümmern der Demokratie?

Zur Verteidigung der Verfassungsprinzipien des alten Europa (I)

*Der Vertrag über eine Verfassung für Europa wird den europäischen BürgerInnen von ihren jeweils herrschenden Regierungen mit dem Argument empfohlen, er bewirke eine Stärkung der Demokratie. Jede ernsthafte Prüfung des Textes kommt jedoch zum umgekehrten Ergebnis.

*Der Vertrag über eine Verfassung für Europa wird den europäischen BürgerInnen von ihren jeweils herrschenden Regierungen mit dem Argument empfohlen, er bewirke eine Stärkung der Demokratie. Jede ernsthafte Prüfung des Textes kommt jedoch zum umgekehrten Ergebnis. Dieser Entwurf ist nicht nur weit davon entfernt, das Prinzip der Volkssouveränität ernst zu nehmen, sondern wird auch minimalisierten demokratischen Anforderungen nicht gerecht.

Diese Feststellung gälte auch dann, wenn der Entwurf mehr enthielte als erstens: ein Parlament, das – in Kooperation mit dem Ministerrat – in der Regel nur auf Vorschlag der Kommission, also der EU-"Regierung", seine gesetzgebende Tätigkeit ausüben kann (Art. I-26 Abs. 2) und zweitens: ein Gesetzesinitiativrecht der Bürgerinnen und Bürger, dessen aufwändiges Verfahren sich mit dem Ziel einer Aufforderung an die Kommission, ihrerseits eine Gesetzesinitiative zu ergreifen, begnügen muss (Art. I-47 Abs. 4).

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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