Ausgabe Mai 2009

Monopoly-Kapitalismus - Reservat der Männlichkeit

In der Perspektive feministischer Patriarchatskritik reiht sich die ökonomische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ein in die lange Tradition der Metamorphosen patriarchaler Herrschaft. War im Kontext des Strukturwandels von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft noch vielfach erwartet worden, dass dies gerade Frauen und einem Abbau der Geschlechterhierarchien im Erwerbssektor zugute kommen würde, bewirkte die explosionsartige Expansion des Finanzsektors die gegenteilige Tendenz: So beanspruchte die Finanzökonomie mit einem weit überproportionalen Männeranteil nicht nur die Dominanz in der neuen Dienstleistungsökonomie, sondern auch einen unverhältnismäßig hohen Anteil am Gesamteinkommen. Parallel dazu gingen die Einkommen in den vorwiegend von Frauen besetzten Segmenten der Dienstleistungsökonomie erheblich zurück, bei gleichzeitiger Prekarisierung der Arbeitsbedingungen und -verhältnisse. Außerdem bewirkte der Siegeszug der Finanzökonomie einen deutlichen Macht- und Bedeutungsverlust der Politik an die Ökonomie und konterkarierte damit auch höchst wirkungsvoll die Zugewinne an Repräsentation und Partizipation, die sich Frauen mühsam in der politischen Sphäre errungen hatten.

Gleichzeitig kreierte das neue Leitsegment der Ökonomie mit dem cool-heroischen Investmentbanker auch eine neue Leitfigur des 21.

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