Ausgabe Oktober 2007

Die Krise des Spekulationskapitalismus

Schon wieder geht sie um, die große Angst vor dem Börsen-Crash. Dabei sollten die Mega-Spekulanten in den Banken und Fonds in ihrer rasenden Jagd nach Rendite eigentlich längst eines „Besseren“ belehrt sein: Keine sieben Jahre ist es nämlich erst her, dass mit der New-Economy-Blase die Illusion von der Börse als einem Roulette mit permanenter Gewinngarantie geplatzt ist. Doch seit Ende Juli wird die Weltwirtschaft durch eine neue, überraschend harte Krise der Finanzmärkte geschockt. Damit geraten die internationalen Finanzmärkte in diesem noch so jungen Jahrhundert schon zum zweiten Mal aus den Fugen – und dies absehbarerweise in immer kürzeren Abständen.

Trotz der vollmundigen Absichtserklärungen nach dem letzten Börsenabsturz fehlt offensichtlich immer noch der Mut zur Regulierung der Finanzmärkte, um auf diese Weise deren durch Spekulationen angetriebene Abkoppelung von der Produktionswirtschaft in Zukunft zu verhindern. Im Gegenteil: Wie die jüngste Immobilienkrise zeigt, sind in letzter Zeit scheinbar seriöse „Finanzinnovationen“ geschaffen worden. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit jedoch um hoch riskante und vor allem unseriöse Finanzierungsinstrumente, die zum Teil gezielt an den Aufsichtsbehörden der Kapitalmärkte vorbei kreiert worden sind.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Dividenden statt Investitionen

von Aurora Li, Michael Peters, Uwe Zöllner

Ob bei der Wasserversorgung, in der Pflege oder im Gesundheitssektor: Bereits seit einigen Jahrzehnten kommt es selbst in systemrelevanten Bereichen immer wieder zu Privatisierungen – bei denen die kurzfristige Gewinnmaximierung zugunsten der Investoren oftmals das Geschäft bestimmt.

Von der Silicon Valley Bank zur Credit Suisse: Finanzmarktkrise 2.0?

von Rudolf Hickel

Fünfzehn Jahre nach der Finanzmarktkrise, die im September 2008 durch die Lehman-Pleite ausgelöst wurde und die Weltwirtschaft beinahe zum Absturz brachte, drohen erneut massive Turbulenzen im Kasinokapitalismus. In den USA erschütterte der Crash eines zuvor ziemlich unbekannten regionalen Spezialinstituts, der Silicon Valley Bank (SVB), die Finanzmärkte.