Ausgabe Oktober 2006

Die Macht des Ratings

„Meiner Meinung nach gibt es heute zwei Supermächte: die Vereinigten Staaten und Moody’s Investors Service. Die USA können Sie zerstören, indem sie Bomben abwerfen, und Moody’s kann Sie zerstören, indem es Ihre Anleihen herunterstuft. Und glauben Sie mir, es ist keinesfalls sicher, wer der Mächtigere von beiden ist”, schrieb bereits vor zehn Jahren der bekannte Kolumnist der „New York Times“ Thomas Friedman. Parallel zur Expansion der Finanzmärkte ist, von der europäischen Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt, die politische Bedeutung von Ratingagenturen eminent gewachsen. Heute üben sie gewaltigen Einfluss auf Unternehmen und ganze Staaten aus.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit: Mit ihren Ratingcodes, die von AAA (höchste Qualität) bis D (zahlungsunfähig) reichen, schätzen sie ein, inwieweit eine vollständige und pünktliche Bedienung der Zins- und Tilgungsverpflichtungen kreditbezogener Wertpapiere wie Anleihen zu erwarten ist. Im Gegensatz zum Bankkredit, bei welchem das Kreditinstitut eine interne Bonitätsprüfung vornimmt und die Daten ausschließlich für das eigene Bankgeschäft nutzt, geht es beim Rating kreditbezogener Wertpapiere um die breite Veröffentlichung der Ergebnisse für private und institutionelle Investoren. Deshalb üben die Agenturen durch ihre Bewertungen einen immensen Einfluss darauf aus, ob Anleger bereit sind, die Papiere zu halten, und wenn ja, welchen Preis die Unternehmen bzw.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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