Ausgabe März 2012

Krise und Konvergenz: Europa im Widerstreit

Bisher war Andreas Wirsching, der im letzten Jahr zum Direktor des renommierten Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin berufen wurde, vor allem Fachkollegen und Studierenden ein Begriff. Nun legt der Autor auch für Leser jenseits der Seminare und Konferenzen eine faktengesättigte, vielschichtige Gegenwartsdarstellung Europas vor, die ebenbürtig Tony Judts Geschichte des Kontinents nach 1945 fortsetzt. Auch wenn er gewissen Klischees nicht immer entgeht und beispielsweise jeden Widerspruch, jedes Problem, jeden Konflikt oder jede Katastrophe pauschal als „Herausforderung“ wertet, avanciert Wirsching damit zu einem öffentlichen Intellektuellen – allerdings, durchaus in Absetzung von seinem Vorgänger Horst Möller, weniger konservativer als liberaler Provenienz: Denn der Schlüsselbegriff unserer Zeit ist für Andreas Wirsching die Freiheit. Wie sich Liberalisierung und Risiko zueinander verhalten, dem spürt der Autor in der ersten Gesamtdarstellung des Europas unserer Epoche nach, wobei der Optimismus in Wirschings dialektischem Zugriff überwiegt: Durch Krise zur Konvergenz lautet das Leitmotiv seines Buches.

Tatsächlich vollzogen sich speziell in Europa seit den 1980er Jahren Befreiungen in mehrfacher, widersprüchlicher Weise, von der Auflösung des sich real nennenden Sozialismus bis zur Entfesselung der Finanzmärkte.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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