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Kurzgefasst

Hans Küng: Die todkranke Kirche

Im September besucht Papst Benedikt XVI. die Bundesrepublik. Der Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng analysiert aus diesem Anlass die aktuelle Politik der katholischen Kirche – und konstatiert eine tiefgreifende moralische Auszehrung. Die anhaltende kirchenpolitische Restauration illustriert: Der Vatikan hat sich längst einem römisch-katholischen Fundamentalismus verschrieben. Was aber bedeutet das für die Kirche von unten?

 

USA im Sturzflug? Beiträge von William Pfaff, Noam Chomsky und Joseph Stiglitz

Obwohl Anfang August die drohende Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten gerade noch einmal abgewendet werden konnte, befindet sich die amerikanische Wirtschaft, und mit ihr die Weltwirtschaft, im freien Fall. Zugleich blockiert sich die US-Politik weitgehend selbst. „Blätter“-Kolumnist William Pfaff fragt, warum Barack Obama ausgerechnet in dieser Lage nicht wirklich Präsident sein und das Land führen will. Der Publizist Noam Chomsky verortet die Ursachen des „American decline“ in der neoliberalen Vorherrschaft der letzten Jahrzehnte. Abschließend plädiert Nobelpreisträger Joseph Stiglitz für ein wirtschaftspolitisches Umsteuern hin zu einem nachhaltigen Wachstum, von dem alle Bürgerinnen und Bürger profitieren.

 

Rudolf Hickel: Nach der Rettung ist vor der Rettung. Europa in der
Krisenschleife

Trotz massiver Sparmaßnahmen und milliardenschwerer Rettungspakete halten die Turbulenzen um die europäische Gemeinschaftswährung an. Rudolf Hickel, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Bremen und Mitherausgeber der „Blätter“, untersucht die Ursachen der Euro-Krise. Da die Rettungsschirme die Märkte nicht zu beruhigen vermochten, optiert er für einen radikalen Schuldenschnitt und die Einführung von „Eurobonds“.

 

Christoph Butterwegge: Schwarz-gelbes Elend. Eine Halbzeitbilanz der christlich-liberalen Sozialpolitik

Zur Halbzeit der bürgerlichen „Wunschkoalition“ (Guido Westerwelle) stellt sich die Frage, ob die Regierung ihre sozialpolitischen Ankündigungen eingelöst hat. Christoph Butterwegge, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Köln, zieht ein ernüchterndes Fazit: Die Politik der Koalition habe den Sozialstaat weiter ausgehöhlt und die soziale Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben.

 

Ulrich Schneckener: Von Westfalia zu Westfailure. Krise und Zukunft globaler Ordnungspolitik

Die Krise der globalen Ordnungspolitik stellt das traditionelle westfälische Staatensystem vor neue Herausforderungen. Ulrich Schneckener, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Osnabrück, analysiert, warum es dem Westen – gerade nach den Anschlägen vom 11. September 2001 – nicht gelungen ist, dieses Staatensystem zu einer „post-westfälischen“ Ordnung weiterzuentwickeln.

 

Stefan Weidner: Epochenjahr mit Fallstricken. Was die Arabellion dem Westen abverlangt – und was sie ihm eröffnet

Lange haben die führenden westlichen Staaten gebraucht, bis sie sich zu einer Unterstützung der arabischen Freiheitsbewegung entschlossen. Stefan Weidner, Redakteur der vom Goethe-Institut herausgegebenen Kulturzeitschrift „Fikrun wa Fann“, diskutiert die europäische Politik gegenüber den neuen Machthabern der Region. Hat der Westen aus den Fehlern der „verlorenen Dekade“ nach 9/11 gelernt?

 

Tony Klug: Wendemonat September: Palästina vor der Unabhängigkeit ?

Mit dem Beginn des arabischen Frühlings geriet der Nahostkonflikt aus dem Fokus der internationalen Politik. Doch durch die von der Palästinensischen Autonomiebehörde für diesen Monat geplante Ausrufung eines eigenen Staates rückt das Dauerthema wieder ins Rampenlicht. Tony Klug, Nahost-Experte und Vizepräsident des britischen „Arab-Jewish Forum“, untersucht die Chancen und Risiken dieses Unterfangens und fragt nach möglichen Alternativen.

 

Evgeny Morozov: Back to the roots: Cyberspace als öffentlicher Raum

Für viele Nutzer des Internet haben sich dessen Verheißungen als Illusion erwiesen, durch die Kommerzialisierung wandelt sich das Netz immer mehr zu einem individualisierten Club-Projekt. Der bekannte weißrussische Blogger Evgeny Morozov lenkt den Blick auf die Ursprünge des Cyberspace und plädiert für eine Rückbesinnung auf das Internet als öffentlicher Raum.

(aus: »Blätter« 9/2011, Seite 36-37)