100 Jahre internationaler Frauentag am 8.3.2011 | Blätter für deutsche und internationale Politik

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100 Jahre internationaler Frauentag am 8.3.2011

Dokumentation des DGB zur Geschichte des Weltfrauentages

Der Internationale Frauentag hat eine lange Tradition. Er geht auf die Arbeiterinnenbewegung von Mitte des 19. bis zum 20. Jahrhundert zurück. Erste entscheidende Momente waren Demonstrationen und Streiks von Textilarbeiterinnen in den USA seit 1858.

Auch wenn verschiedene historische Ereignisse als die Geburtsstunde des Internationalen Frauenta- ges angeführt werden - eines steht fest: Immer sind es Textilarbeiterinnen, von denen die Rede ist. Seit Beginn der Industrialisierung stieg der Anteil der Fabrikarbeiterinnen. Sie verdienten für die glei- che Arbeit nur einen Bruchteil des Lohnes der Männer. Sie streikten mehrfach für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, für kürzere Arbeitszeiten und gegen unzumutbare Wohn- und Lebens- bedingungen und wehrten sich damit gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung.
1909 streikten 20.000 Näherinnen in New York. Tausende wurden verhaftet, doch die Unternehmer mussten ihren Forderungen nach 2-monatigem entschlossenem Streik nachgeben. Im Ergebnis be- gingen nordamerikanische Arbeiterinnen bereits am 20. Februar 1909 einen nationalen Frauentag.

1910
In Europa beschloss die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz, an der mehr als 100 Dele- gierte aus 17 Ländern teilnahmen, auf Initiative der deutschen Sozialistin Clara Zetkin am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages.

1912
schlossen sich Frauen in Frankreich, Schweden und den Niederlanden, 1913 Frauen in Russ- land der Idee an und gingen auf die Strasse.

1917
Am 8. März 1917 demonstrierten Frauen anlässlich des Internationalen Frauentages in St. Petersburg. In Textilfabriken traten Arbeiterinnen in den Streik und forderten andere Betriebe auf, sich anzuschlie- ßen, so dass schließlich 90 000 Menschen streikten. Am 12.03.19171 mündete diese Unzufriedenheit in einen Aufstand - die Februarrevolution - in Folge derer der Zar abdankte und eine provisorische bürgerliche Regierung die Staatsführung übernahm. Aufgrund der epochalen Bedeutung dieses Ereignisses wurde der Internationale Frauentag zukünftig auf den 8. März festgelegt.

1911
Der erste internationale Frauentag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Ös- terreich, der Schweiz und den USA statt. Die politische Forderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Mehr als eine Million Frauen gingen auf die Strasse, eine bis dahin bei- spielslose Massenbewegung.

1921-1922
Zur Ehre der Rolle der Frauen in der Februar-Revolution wurde auf der Zweiten Internationalen Konfe- renz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt. 1922 wurde der Internationale Frauentag erstmals in ver- schiedenen Ländern einheitlich begangen.

Vom Frauenwahlrecht zur gleichberechtigten Teilhabe

Die zentrale politische Forderung des ersten Internationalen Frauentages 1911 war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen.
Im Jahr 2009 schauen wir auf wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Gleichberechtigung zurück: 90 Jahre Frauenwahlrecht, 60 Jahre Gleichstellungsartikel im Grundgesetz, 50 Jahre Gleichberechti- gungsgesetz. Wir haben viel erreicht. Dennoch: echte Gleichstellung in Politik, Wirtschaft und Gesell- schaft sieht anders aus. Heute geht es um die Verwirklichung der Chancengleichheit, um gleichbe- rechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben und an politischen Entscheidungsprozessen und ge- sellschaftlichen Ressourcen. In Deutschland verdienen Frauen noch immer bis zu 23 Prozent weniger als Männer. Viele von ihnen bemühen sich täglich um eine Balance zwischen Familie und Beruf. Und viele Frauen wollen einen beruflichen Aufstieg wie ihre männlichen Kollegen in vielen Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag stellen Gewerkschafterinnen mit anderen frauenpolitischen Akteurinnen ihre Forderungen in den Mittelpunkt. Sie engagieren sich für Entgelt- gleichheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie gleiche Karrierechancen. Frauen sind aber we- sentlich stärker mit niedrig(st)en Löhnen und unsicherer Beschäftigung konfrontiert. Dass Frauen im Alter von ihrer Rente leben können, setzt gute Beschäftigungschancen mit guter Bezahlung voraus. Wir fordern heute:

- gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit
- bedarfsgerechte und qualifizierte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für alle Kinder
- flexible Arbeitzeitmodelle
- bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege
- gleiche Karrierechancen für Männer und Frauen
- mehr Frauen in Führungspositionen
- Eindämmung von Niedriglöhnen und prekärer Beschäftigung
- gesetzlicher Mindestlohn
- eigenständige Existenzsicherung für Frauen und sichere Rente

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