Neue Dokumente des U.S. State Department zum Putsch gegen Sukarno und zum antikommunistischen Blutbad in Indonesien 1965 | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Neue Dokumente des U.S. State Department zum Putsch gegen Sukarno und zum antikommunistischen Blutbad in Indonesien 1965

Eine Rückrufaktion des amerikanischen Außenministeriums und der CIA erinnert die Indonesier an das düsterste Kapitel ihrer jüngeren Geschichte: das Massaker zwischen 1965 und 1966, bei dem eine halbe Million oder mehr angebliche Kommunisten von der indonesischen Armee und fanatischen Muslimorganisationen getötet wurden.“ (FAZ, 30.7.2001) Das amerikanische Engagement gegen die KP und gegen den damaligen Präsidenten des Landes, den Staatsgründer Achmed Sukarno, solle offenbar nicht gerade in dem Augenblick öffentlich dokumentiert werden, in dem dessen Tochter Megawati Sukarnoputri mit Unterstützung der Armee das Präsidentenamt übernommen hat. Deshalb der Versuch, die Auslieferung des 24. Bandes der „Foreign Relations of the United States“ zu stoppen. Er betrifft die US-Beziehungen zu Indonesien, Malaysia-Singapur und den Philippinen 1964 bis 68. Dem National Security Archive an der George Washington Universität in der amerikanischen Hauptstadt gelang es jedoch, den Text des Bandes im vollen Wortlaut auf seine Website zu stellen: www.nsarchive.org. Wir dokumentieren Auszüge daraus in eigener Übersetzung. – D. Red. Anmerkung des Herausgebers[i] […]

 

 

Ende Oktober 1965 gingen bei der Botschaft erste Berichte über Massaker und Greueltaten an PKI-Mitgliedern ein, zu denen es nach übereinstimmenden Meldungen im Zusammenhang mit dem fortgesetzten bewaffneten Widerstand der PKI kam. Am 29. Oktober berichtete die Botschaft: „Muslimische Eiferer in Aceh haben offenkundig die PKI bis auf wenige Ausnahmen außer Gefecht gesetzt. Bewohner von Aceh haben PKI-Leute enthauptet und ihre Köpfe auf Stangen entlang der Straße zur Schau gestellt. Leichen von Opfern aus der PKI wurden angeblich in Flüsse oder ins Meer geworfen, da die Bewohner von Aceh sich weigern, ‚die Erde von Aceh zu beschmutzen’“ (Telegramm 1269 aus Jakarta; 29. Oktober; ebd., RG 84, Botschaftsakten Jakarta: Lot 69 F 42, POL 23-9). Am 8. November meldete die Botschaft, die Armee habe in Nordsumatra und Aceh „mit Unterstützung von IP-KI-Jugendorganisationen und anderen antikommunistischen Elementen den systematischen Vorstoß zur Vernichtung der PKI im nördlichen Sumatra fortgesetzt, wobei es zu Massentötungen gekommen sein soll“. Am 13. November erhielt die Botschaft einen Bericht des örtlichen Polizeichefs, der besagte, daß „jede Nacht zwischen 50 und 100 PKI-Mitglieder in Ost- und Zentraljava von zivilen antikommunistischen Trupps mit dem Segen der Armee getötet werden“. […]

Nach und nach wurde der Botschaft klar, daß in Indonesien eine großangelegte Säuberungsaktion zur Zerschlagung des PKI-Einflusses stattfand und daß dieses Morden überlagert wurde von alten und tiefverwurzelten ethnischen und religiösen Konflikten. Der Umstand, daß viele der Massaker in entlegenen Gegenden stattfanden, trug dazu bei, das Ausmaß des Tötens zu verbergen. Die Botschaft vermochte noch immer nicht zuverlässig einzuschätzen, wie viele Indonesier bisher umgekommen waren. In Airgram A-641 vom 15. April 1966 an das Außenministerium erklärte die Botschaft, die Schwierigkeit bestehe darin, daß es unmöglich sei abzuschätzen, „was Übertreibung ist (in Indonesien besonders weitverbreitet) und was von beteiligten Personen, in deren Interesse es liegt, einige der Verbrechen zu vertuschen, lanciert wurde. Die Wahrheit läßt sich nicht feststellen. Selbst die indonesische Regierung hat nur eine vage Vorstellung von der Wahrheit.“ Die Botschaft räumt ein: „Wir wissen, offen gesagt, nicht, ob die tatsächliche Zahl näher bei 100 000 oder bei 1 000 000 liegt, glauben aber, es ist klüger, sich an die niedrigere Zahl zu halten, vor allem, wenn es gilt, Anfragen der Presse zu beantworten“ (ebd., POL 2 INDON). […]

Telegramm aus dem Außenministerium an die Botschaft in Indonesien[1]

Washington, 29. Oktober 1965, 15.48 545.

1. Folgend unsere sondierende Analyse von Entwicklung in Indonesien und Implikationen für USA. Uns durchaus bewußt, daß Sie an das meiste oder alles von dem, was folgt, denken, hätten aber gern Ihre Kommentare und Bemerkungen, um Politikempfehlungen zu entwickeln.[2]

2. [General A. H.] Nasutions Rede 25. Oktober und offen erklärter Feldzug gegen [den „ersten Minister“ Sukarnos] Subandrio sind erste überzeugende Hinweise, daß Armeeführung entschlossen ist, umfassenden Kampf gegen PKI und ihre Gesinnungsgenossen zu führen, und sich von diesem Ziel durch Sukarnos Widerstand nicht abbringen lassen wird.

3. Armeeführer setzen sich in zunehmendem Maße gegen Sukarno durch. Sie scheinen darauf abzuzielen, einen Keil zwischen ihn und seine gegen die Armee agierenden Berater zu treiben, ihn zu isolieren und dann zu benutzen oder sich auch seiner zu entledigen, je nachdem, wie Situation es verlangt. Scheint im Moment unvorstellbar, daß sie sich leisten können, Initiative wieder aus den Händen zu geben und Sukarno zu überlassen.

4. Überstürzter PKI-Rückzug angesichts zahlreicher, von Armee unterstützter Angriffe. Irgendwann wird PKI jedoch einen Teil ihrer Kräfte wieder sammeln und – mit Streiks, Sabotage oder Guerillaaktionen – zurückschlagen, vor Hintergrund ihrer Propaganda, Armee sei reaktionäres Werkzeug imperialistischer Mächte und der CIA. Armee bleibt nichts anderes übrig, als diesem Gegenangriff entgegenzutreten; sie wird mehr oder weniger kohärente Regierung brauchen, die ihre Bemühungen unterstützt.

5. Armee hat seit jeher behauptet, ihre Rolle sei nicht politisch, und ist vor dem Gedanken, die Macht oder direkte Regierungsverantwortung zu übernehmen, zurückgescheut. Erschreckende Tatsache ist jedoch, daß es, nach Scheitern des NASAKOM-Konzepts [Einheit von Nationalismus, Religion und Kommunismus], in Indonesien außer der Armee keine organisierte oder disziplinierte Kraft gibt, die Führungsrolle übernehmen und Nachfolgeregierung Richtung weisen könnte. Sofern Armee, so sehr es ihr auch widerstreben mag, nicht Verantwortung übernimmt, in neuer Regierung die Führungsrolle zu spielen, wird in Regierung Anarchie sowie weiter wirtschaftliches Chaos herrschen, und Armee wird im Kampf gegen PKI gehandicapt sein. Früher oder später – wahrscheinlich früher – wird es Armeeführung klarwerden, daß sie einzige Kraft ist, die in der Lage, Ordnung in Indonesien herzustellen, und daß sie Initiative zur Bildung einer Militärregierung oder einer Übergangsregierung aus Zivilisten und Militärs ergreifen muß, mit oder ohne Sukarno. Die Armee trifft bereits hochgradig politische Einscheidungen unabhängig von Sukarno und agiert immer mehr als De-facto-Regierung.

6. Beziehungen mit Rotchina sind zunehmend gespannt, und angesichts des Verdachts von Armeeführern, chinesische Kommunisten stünden hinter dem Putsch, sowie angesichts des Kurses, den Armee einschlagen muß – nämlich Zerschlagung der PKI –, kann ein Bruch mit China nicht ausgeschlossen werden. Die Sowjetunion hat begonnen, Druck auf Armee auszuüben, damit diese ihren Feldzug gegen die Linke beendet, wobei sie sogar eine mögliche Einstellung der Hilfe andeutet. Armee kann diesem Druck nicht nachgeben, ohne ihre gesamte Position zu gefährden.

7. Trifft vorstehende Analyse zu, lassen sich Umrisse einiger Probleme erkennen, mit denen wir konfrontiert sein könnten:

a. Beginnt die Armee über die Möglichkeit einer neuen Regierung nachzudenken, können diese Gedanken in Richtung Militärjunta, zivile Regierung oder eine Koalition aus Militärs und Zivilisten gehen. Werden wir um unsere Meinung gefragt, sollten wir alle möglicherweise vorhandenen Zweifel beseitigen, indem wir sie ermutigen, eine Koalition aus Zivilisten und Militärs zu bilden, mit der Begründung, daß ihre Anwesenheit in der Regierung als einige und disziplinierte Kraft zumindest in der ersten Zeit für die Stabilität einer solchen Regierung, für den Feldzug gegen die PKI, für Wirtschaftsreformen und für das von äußeren Einflüssen unabhängige Abstecken von Indonesiens neuem Kurs von grundlegender Bedeutung ist.

b. Die offene Feindseligkeit chinesischer Kommunisten gegenüber indonesischer Armee muß mit dem Vorgehen der Armee gegen PKI zwangsläufig weiter zunehmen. Sowjets befinden sich in etwas anderer Situation, da sie Peking für den gescheiterten Putsch verantwortlich machen, doch auch sie werden in Verlegenheit geraten, wenn die Armee die PKI angreift. Unterstützen sie die PKI gegen die Armee, stellt dies Belastung ihrer Beziehungen dar, doch Unterstützung der Armee ist unmöglich. Wahrscheinlich werden sie unklare, opportunistische Position beziehen. China und Rußland hoffen vermutlich gleichermaßen darauf, daß Sukarno die Kontrolle doch noch zurückgewinnt und Armee zwingen kann, eine „gesäuberte“ Linkspartei in neu gebildeter NASAKOM zu akzeptieren.

c. Trifft unsere Annahme zu, daß Armee ihren Feldzug gegen PKI fortsetzen muß, daß PKI reagieren wird und daß China und Rußland Zerschlagung der PKI durch Armee nicht ignorieren können und sie vielleicht kritisieren – was sie in der Tat schon tun –, dann wird Armee gezwungen sein, ihre Haltung zu China und Rußland zu überprüfen.

d. Von hier aus ist es nur ein Schritt zu der Schlußfolgerung auf Armeeseite, daß sie sich anderswo nach Freunden und Unterstützung umsehen muß. Es ist zu erwarten, daß sie sich an die Japaner, andere Mächte und zweifellos an uns wenden wird. Die Militärs werden wenig Nachhilfe brauchen, um zu begreifen, daß die extreme Außen- und Innenpolitik Sukarnos[ii] und der PKI Indonesien isoliert und das Land an den Rand wirtschaftlichen, politischen und sozialen Chaos geführt haben. Angesichts des parteiischen Denkens Sukarnos, dem sie so lange Zeit ausgesetzt waren, werden sie allerdings weniger genau wissen, was sie nun tun sollen, und unserem Rat und unserer Hilfe mit Bedenken und Argwohn begegnen. Die engen Beziehungen indonesischer Armeeführer zu unseren Militärs in den verschiedenen Waffengattungen bieten wichtigen Kanal für Einflußnahme.

8. Die nächsten Tage, Wochen oder Monate eröffnen uns möglicherweise noch nie dagewesene Gelegenheiten, Einfluß auf Menschen und Ereignisse zu nehmen, wenn Militärs nach und nach die Probleme und Dilemmata begreifen, vor denen sie stehen.

a. Wir sollten sie darin zu bestärken suchen, daß Indonesien vor dem Chaos gerettet werden kann und daß Armee wichtigstes Instrument zu seiner Rettung ist.

b. Wir sollten vermitteln, daß Indonesien und Armee wahre Freunde haben, die bereit sind zu helfen.

c. Ersucht uns Nasution um Unterstützung, sollten wir antworten, daß wir bereit sind zu helfen, sobald sie beginnen, ihre Probleme auf vernünftige Weise anzugehen.

d. Sie werden Nahrungsmittel brauchen, und wir können darauf hinweisen, daß das Internationale Rote Kreuz sie ihnen liefern kann, falls ihnen direkte Hilfe von uns oder anderen unangenehm ist. (Japan, Brasilien, Malaysia, Thailand, Taiwan und selbst die Republik Korea haben Reis.) Rohstoffe und Maschinenersatzteile werden wahrscheinlich schon bald gebraucht werden.

e. Das Währungs- und Kreditchaos Indonesiens bedarf sofortiger Hinzuziehung von Experten. Wir können darauf hinweisen, daß IWF beraten kann und daß IWF und Indonesiens wahre Freunde Hilfe zur Verfügung stellen können. Allerdings setzt dies einen Wandel in der bisherigen Haltung IWF und Freunden gegenüber voraus.

f. Für die Auseinandersetzung mit PKI könnten Handfeuerwaffen und militärische Ausrüstung gebraucht werden. (Würde die Sowjetunion Armee militärische Ausrüstung liefern, solange diese PKI angreift?)

g. Entwicklung kann dazu führen, daß Armee größeren militärischen Feldzug gegen PKI führen muß; wir müssen auf diese Möglichkeit vorbereitet sein.

h. Politische Erfordernisse eröffnen uns vielleicht die Gelegenheit, ein De-facto-Moratorium für die Nationalisierung der Ölindustrie vorzuschlagen, damit die Ölgesellschaften umfassend für die Bedürfnisse der Armee und des Landes sorgen können.

9. Es kann gut sein, daß Armee sich zunächst an Japaner wendet. Japan kann wichtige Rolle in dieser Entwicklung hin zu einem vernünftigeren Indonesien spielen. Japaner haben ein grundlegendes nationales Interesse am Erfolg des Armeefeldzugs gegen PKI und an einem stabilen, unabhängigen Indonesien. Die Japaner ergreifen bereits die Initiative. (Siehe Jakarta 1238)[3]

10. Augenblicklich sehen die Japaner noch in Sukarno den „entscheidenden“ Mann und sind bemüht, ihn sich nicht zum Feind zu machen. Wenn sich jedoch die Ereignisse in die von uns angedeutete Richtung bewegen und Sukarno isoliert oder beseitigt ist, wird sich Japanern Situation ganz anders darstellen. Irgendwann müssen wir in aller Ruhe Gespräche mit Japanern führen, Aufzeichnungen über Entwicklungen vergleichen und uns mit ihnen auf eine Vorgehensweise verständigen. Der geeignete Zeitpunkt dafür dürfte bald nach Subandrios Entmachtung sein. Uns wird natürlich auch daran gelegen sein, Briten, Australier und andere zu konsultieren.

Rusk[iii]

 

Anmerkung des Herausgebers[iv]

 

Die Frage nach der Rolle, die die US-Botschaft in Indonesien spielte, indem sie Listen mit den Namen von Mitgliedern der Partai Komunis Indonesia (PKI) zusammenstellte und diese an Antikommunisten und indonesische Militärbehörden weitergab, wurde kontrovers diskutiert. 1990 interviewte ein Journalist Robert J. Martens, den Leiter der politischen Abteilung der Botschaft, und veröffentlichte dann einen Artikel mit dem Titel „Liste von US-Beamten trug zum Blutbad in Indonesien in den 60er Jahren bei“ (The Washington Post, 21. Mai 1990). Am 2. Juni 1990 schickte Martens einen Brief an den Herausgeber der Washington Post, in dem er feststellte: „Es stimmt, daß ich während der sechs Monate des Chaos zwischen dem sog. Putsch und der endgültigen Entmachtung Sukarnos Namen der PKI-Führer und höheren Kader an nichtkommunistische Kräfte weitergegeben habe.“ Martens fuhr fort: „Der eigentliche Punkt ist aber, daß die Namen, die ich aufgeführt habe, ausschließlich – ich wiederhole: ausschließlich – der kommunistischen indonesischen Presse entnommen und jedermann zugänglich waren. Es ging um höhere PKI-Kader – höchstens ein paar tausend der 3,5 Millionen Mitglieder, die die Partei angeblich hatte.“ Martens betonte, diese Listen hätten keine Namen von „einfachen Parteimitgliedern“ enthalten. Martens hob in seinem Brief auch nachdrücklich hervor, „ich, und ich allein, habe beschlossen, diese ‚Listen’ an die nichtkommunistsichen Kräfte weiterzugeben. Ich habe weder bei Botschafter Marshall Green noch irgendeinem anderen Beamten der Botschaft um die Erlaubnis dazu nachgesucht noch von diesen eine Erlaubnis erhalten.“ Abschließend erklärte Martens, er habe keine geheimen Informationen weitergeben und auch nicht an der Spitze einer Arbeitsgruppe der Botschaft gestanden, die zwei Jahre mit der Zusammenstellung der Listen beschäftigt gewesen sei, wie es in dem Artikel in der Washington Post geheißen hatte. Er erklärte, eine solche Arbeitsgruppe habe es nicht gegeben. Zwischen dem 17. Dezember 1965 und dem 10. August 1966 schickte die Botschaft drei Airgrams mit Namen von PKI-Mitgliedern an das Außenministerium. Am 17. Dezember 1965 übermittelte die US-Botschaft in Jakarta dem Außenministerium Airgram A-398, das als Anlagen Listen mit den Namen der PKI-Führung und Informationen über das Schicksal von PKIFührern enthielt. Das Airgram war von Martens verfaßt, der das Ministerium davon in Kenntnis setzte, daß die Botschaft eine Reihe von Berichten über die Verhaftung prominenter PKI-Führer erhalten habe, die häufig auf fragwürdigen Aussagen basierten. Martens wies auch darauf hin, daß eine weitverbreitete Fälschung von Dokumenten festzustellen sei, so etwa von „angeblichen Geständnissen, von denen einige leicht zu entlarven sind und andere nicht“. Dann erklärte er, dem Airgram seien zwei Listen beigefügt. Das erste sei eine nichtgeheime Liste der PKI-Führungsgremien (Politbüro, Zentralkomitee, Zentrale Kontrollkommission, Zentrale Schiedskommission und Sekretariat des Zentralkomitees-PKI) mit den Namen der Mitglieder, aus denen sie sich im Mai 1965 zusammensetzten. Die zweite Anlage war eine „fragmentarische Auflistung der gegenwärtigen Aufenthaltsorte von PKI-Führern, basierend auf den beschränkten Informationen, die zu erhalten waren“. Die Liste vom Mai 1965 enthielt 95 PKI-Positionen (aber nur die Namen von 67 Personen, da PKI-Mitglieder häufig mehrere Positionen gleichzeitig innehatten, und ein Funktionär war unter zwei verschiedenen Namen erwähnt). Die zweite Liste benannte die Aufenthaltsorte von 18 PKI-Führern, von den außer zweien alle tot, in Haft oder vermutlich in Haft waren (National Archives and Records Administration, RG 59, Central Files 1964-66, POL 12 INDON). Am 11. März 1966 schickte die Botschaft dem Außenministerium Airgram A-564. Es war von Martens verfaßt, von Edward Masters unterschrieben und enthielt als Anlage eine auf den neuesten Stand gebrachte Version der Liste über das Schicksal der PKI-Funktionäre aus dem Zentralkomitee, der Zentralen Kontrollkommission und der Zentralen Schiedskommission sowie von Funktionären von PKI-Provinzorganisationen, die nicht Mitglieder des Zentralkomitees waren. Das Airgram weist darauf hin, daß die Informationen über PKI-Funktionäre „weiterhin sehr bruchstückhaft sind, doch gab es genügend zusätzliche Informationen, so daß eine neue Zusammenstellung zweckmäßig schien.“ Die Anlage bestand aus einer Liste mit Namen und Status von 80 PKI-Führern. (Ebd., RG 84, Akten der Botschaft in Jakarta: Lot 69 F 42, POL 12 PKI) Am 10. August 1966 sandte Botschafter Green das von Marten verfasste und von Masters gebilligte Airgram A-74 an das Außenministerium, das als Anlage eine abermals auf den neuesten Stand gebrachte Zusammenstellung über das Schicksal von PKI-Funktionären enthielt. Airgram A-74 lieferte neue Informationen, die seit März 1966 über 15 höhere PKI-Funktionäre zugänglich waren, und führte 4 höhere PKI-Funktionäre als tot und 20 als inhaftiert auf. In diesem Airgram, das von Green unterzeichnet war, heißt es: „Eine gereinigte Version [d. h. eine, aus der alle Hinweise auf die Botschaft getilgt waren] der Listen in A-398 wurde im letzten Dezember [1965] der indonesischen Regierung zugänglich gemacht und wird anscheinend von indonesischen Sicherheitsbehörden benutzt, die offensichtlich nicht einmal über die einfachsten offen zugänglichen Informationen über die PKI-Führung verfügen (Listen mit Namen von Funktionären der PKI-Zweigorganisationen Partindo und Baperki wurden indonesischen Regierungsbeamten auf ihr Ersuchen hin ebenfalls übergeben)“ (ebd., RG 59, Central Files 1964-66, POL 12 INDON). Partindo war eine kleine Linkspartei, die in engem Bündnis mit der größeren und einflußreicheren Baperki stand, einer Vereinigung von Indonesiern chinesischer Abstammung.

 


[1][Nr. 163 des Bandes. – D. Red.] Quelle: National Archives and Records Administration, RG 59, Central Files 1964-66, POL 23-29 INDON. Geheim; Priorität; Limdis; abgefaßt von Berger, Cuthell und Unterhill und genehmigt von Berger. Gesandt auch an Tokio, und CINPAC auch für POLAD.

[2]In Telegramm 1304 aus Jakarta, 2. November, stimmte die Botschaft mit den allgemeinen Schlußfolgerungen dieser Analyse überein, betonte aber, der Ausgang des andauernden Kampfes zwischen Sukarno und der Armee sei nicht klar. Alles in allem genommen war die Botschaft der Meinung, die Armee werde weiterhin eine wichtige politische Rolle spielen, aber Sukarno gegenüber Konzessionen machen, weil sie ihn brauchte und weil einige Armeeführer ihn noch immer verehrten. Die Botschaft erwartete einen langen, schwierigen politischen Kampf. (Ebd.)

[3]Datiert 28. Oktober (Ebd., AID 1 INDON).

 


[i]Foreign Relations, 1964-1968, Vol. XXVI, Washington D.C. 2001,S.338: Editorial Note (162). – D. Red.

[ii]Als einer der führenden Köpfe der Blockfreien-Bewegung neben Nehru, Tito, Nasser und Nyerere stand Sukarno im Washington des Kalten Krieges unter Generalverdacht. – D. Red.

[iii] Dean Rusk, 1961-69 US-Außenminister unter den Präsidenten Kennedy und Johnson. – D. Red.

[iv]Editorial Note (185). – D. Red.

 

(aus: »Blätter« 9/2001, Seite 1147-1147)

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