Sisyphos der Demokratie | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Sisyphos der Demokratie

Laudatio auf Seymour Hersh

von Hans Leyendecker

„Wir haben es hier mit einem Gegner zu tun, der schlimmer ist als die Kommunisten. [...] Die wollen uns drankriegen. [...] Was ich, ehrlich gesagt, nie bedacht habe, war, wie weit diese Bastarde gehen würden. [...] Es ist mir wurscht, wie es gemacht wird. Tut nur, was getan werden muss, um diese undichten Stellen zu stopfen. Ich will nicht hören, warum es nicht möglich ist. [...] Ich will keine Ausreden. Ich will Ergebnisse. Ich will, dass es gemacht wird. Um jeden Preis. [...] Haltet die heiße Ware unter Verschluss.“

Diesen Auftrag gab Anfang der 70er Jahre der 37. Präsident der Vereinigten Staaten, Richard Nixon, seinen engsten Mitarbeitern; darunter Robert Haldeman und John Ehrlichman. Auch seinen Mann fürs Grobe in der feinen Welt der Diplomatie, Henry Kissinger, schaltete er ein.

Gemeint mit dem Wort Bastard war, neben den Washington-Post-Reportern Carl Bernstein und Bob Woodward, auch Seymour Hersh, der damals für die „New York Times“ arbeitete. Im August 1974 wurde Nixon zum Rückzug aus dem Präsidentenamt gezwungen. Der Fall ist längst zum Stoff für Historiker geworden – Original-Polizeiaufnahmen von Haldeman und Ehrlichman sowie ein gerahmtes Foto von Kissinger hängen in Hershs Washingtoner Büro.

Wir sind heute zusammengekommen, um Seymour Hersh zu ehren, der in diesem Jahr den Demokratiepreis bekommt. Er hat sich die Anerkennung nimmermüde erarbeitet.

Die Furcht vor dem Bastard, der die heiße Ware der Regierenden an die Öffentlichkeit bringt, ist der beste Schutz der Demokratie. Vor Parlamenten fürchten sich manche der Regierenden weit weniger als vor Leuten wie ihm. Als er Mitte der 70er Jahre aufdeckte, dass amerikanische U-Boote Spionagefahrten innerhalb der russischen Dreimeilenzone unternahmen, bestand die Gefahr, dass der Kalte Krieg heiß wurde. Dennoch wollten Rumsfeld und Cheney, die damals im Stab des Präsidenten Ford arbeiteten, das FBI auf ihn ansetzen.

Hersh komme „im amerikanischen Journalismus dem am nächsten, was man einen Terroristen nennt“, hat der Bush-Berater Richard Perle vor ein paar Jahren gesagt. Kann es einen besseren Laudator als Perle geben? Mit seiner offenen Feindschaft adelte Perle den Journalisten. Hersh hatte im „New Yorker“ aufgedeckt, dass Kriegs-Befürworter Perle mit Firmen verbändelt war, die am Irakkrieg gut verdienen konnten. Und der Boss, George W. Bush? Auch er hat Hersh geehrt. Er hat ihn einen „Lügner“ genannt.

„Sein Wort zählt, weil es Deckung hat“

Ich bin geehrt, heute an diesem Platz zu stehen und den Journalisten Hersh würdigen zu dürfen. Das Wort Kollege verwende ich nicht. Es würde wie eine Anmaßung klingen. Der Sohn jüdischer Immigranten aus Osteuropa, ein gelernter Historiker, fing als Polizeireporter an. Er war später freier Journalist, Agenturjournalist, Hauptstadtkorrespondent, arbeitet seit 1992 beim „New Yorker“ und schreibt Bücher.

Hersh hat in all diesen Jahren Geschichte und Geschichten gemacht wie kein anderer lebender Reporter: Als junger Nachrichtenredakteur schon deckte er 1969 das Massaker von My Lai auf, 35 Jahre später enthüllte er den Abu-Ghraib-Skandal. Dazwischen lagen Enthüllungen über die Rolle der CIA im Putsch von Chile, die Rolle Kissingers beim Bombenkrieg gegen Kambodscha, die amerikanische Unterstützung von Atomprogrammen in Israel und Pakistan, die Massaker im ersten Golfkrieg, die Manipulationen des Office of Special Plans vor dem Irakkrieg, die Desinformationen der CIA.

Wir leben heutzutage in einer schnellen Zeit und von Journalisten wird schnelle Ware erwartet. Ob diese leicht verderblich oder haltbar ist – darauf kommt es oft nicht mehr an. Was heute geschieht, verdrängt oder löscht aus, was vor kurzem noch so wichtig schien. Auch leben wir in einer Zeit, in der Distanz zu einem seltenen Gut geworden ist.

Der Leser ist mit dem Lesen fertig und weiß nicht, was er gelesen hat. Es ist auch nicht wichtig. Hersh hingegen ist altmodisch und damit zeitgemäßer als viele andere Journalisten. Seine Arbeit zeigt: Erkennbare Linien, langer Atem zahlen sich doch aus. Wenn er die Iran-Abenteuer der Regierenden in Washington enthüllt, macht er weltweit Nachrichten und regt manche zur Nachdenklichkeit an. Was er über Syrien oder den Libanon sagt, hat Gewicht. Sein Wort zählt, weil es Deckung hat in einem Leben der Glaubwürdigkeit.

Wer mit einer seiner ersten großen Geschichten (das war bei dem Mann, der heute den Demokratiepreis bekommt, die Enthüllung von My Lai) den wohl wichtigsten Journalisten-Preis, nämlich den Pulitzer-Preis, gewinnt, ist normalerweise gefährdet: Eine frühe Geschichte, die in die Haut der Nation gewachsen ist, hinterlässt gewöhnlich Spuren in den eigenen Jahresringen. Man muss stark sein, um keine Starallüren zu entwickeln.

Hersh mimt nicht den Star. Siebzig Jahre alt ist er mittlerweile, und er ist noch immer eine Gefahr für diejenigen in der Regierung, die sich über die Gesetze stellen. Er kämpft unverdrossen dagegen, dass demokratisch gewählte Politiker zu Machthabern mutieren.

Es ist ein arbeitsreiches Leben. Oft ist er samstags, sonntags unterwegs – immer auf Recherche. Er trifft sich heimlich mit Informanten. Mit seinen Quellen kann er neuerdings nicht mehr unbesorgt am Telefon sprechen.

Das Wort „Wirken“ umschreibt die Tätigkeit des Mannes, der den Preis erhält, im doppelten Wortsinn. Aber warum arbeitet so einer mit allen Fasern seiner Existenz? Warum wird er niemals müde? Er ist doch durch seine Arbeit einigermaßen vermögend geworden, hat reichlich Preise bekommen, ist sogar eine Person der Zeitgeschichte. Warum also wird er nicht müde? Auf eine solche Frage hat er mal geantwortet: „Die Mächtigen sollen wissen, dass sie da draußen von jemandem kontrolliert werden.“ Hinter dieser Antwort steckt die unausgesprochene Feststellung, dass sie da drinnen unzureichend kontrolliert werden.

„Wir leben in einer Demokratie, die sich vor der Wahrheit fürchtet“

Hersh ist eine Art Sisyphos der Demokratie. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat darauf hingewiesen, dass jener Sisyphos mehr war als ein Outsider, der in übergroßer Tragik unablässig einen Felsblock einen Berg hinaufwälzte. Enzensberger nennt Sisyphos eine „Figur des Alltags“ – sehr klug, ein bisschen trickreich, kein Philosoph. So sei Sisyphos gewesen.

Hersh ist kein Philosoph. Er schreibt sorgfältig, vergleichsweise spröde, ist auch sonst von ziemlicher Kargheit, und die lebt er vor. Den Kontakt in die Redaktion pflegt er über die Faktenprüfer des New Yorker, die seine Quellen kennen. Auch mit dem Chefredakteur redet er über seine Quellen, die im Blatt meist anonym vorkommen.

„Es gibt Leute an entscheidenden Stellen, die die Wahrheit sagen wollen. Aber sie wollen auch ihre Jobs nicht verlieren. Sie wollen sagen, was los ist, aber sie haben eine Frau, ein Kind, eine Hypothek“, hat Hersh den Umgang mit den Quellen umschrieben. Wir leben manchmal in einer Demokratie, die sich vor der Wahrheit fürchtet.

Die Glaubwürdigkeit des Reporters ist sein Markenzeichen, und deshalb hassen ihn Bush und die anderen. Hersh ist ein unnaiver Romantiker, der noch an die Wahrheit glaubt. An seinem Schreibtisch, in dem engen Nest aus Papieren, Büchern und Zeitungen sitzt er wie ein Alchemist in seiner Bude, mit nie erlahmender Passion. Nicht er sei wichtig, seine Arbeit sei wichtig, sagt er gern. Nicht einmal einer seiner Gegner, und die hat er reichlich, kann ihn nachweisbar der Oberflächlichkeit zeihen.

Profit zu machen ist auch im Zeitungsgewerbe legitim. Hershs Arbeit lohnt sich für die anderen. Vielleicht bringt er keine Werbekunden, aber er wirbt für die Demokratie und das Recht. Wenn Journalismus mehr ist als ein Geschäft, wenn Journalisten mehr sind als harmlose Narren, müssen sie brennen. Ludwig Börne hat Jean Paul nachgerühmt, mit dem Blut seines Herzens und dem Saft seiner Nerven zu schreiben. Das klingt in unserer Zeit vielleicht altmodisch, aber Hersh, der kein rasender Verfolger, sondern ein verantwortungsbewusster Journalist ist, ist altmodisch.

Wirklich gefährlich sind die rasenden Mitläufer. Der „embedded journalism“, ganz gleich ob vom Militär oder im Regierungsflugzeug eingebettet, stellt eine ganz neue Klasse dar. Sogenannte Chronisten lassen sich in Inszenierungen einbauen; sie sitzen bei den Mächtigen am Katzentisch und schreiben die Brocken auf, die man ihnen zuwirft. Sie würden sich vermutlich sogar in ein Kinderstühlchen zwängen, nur um dazuzugehören.

Es gibt in allen Demokratien die Idee einer Kräfteverteilung zwischen Bürgern, Machtinhabern und Kontrolleuren. Den Politikern und Wirtschaftsführern stehen, jedenfalls in der Theorie, völlig unabhängige Journalisten gegenüber, die wirtschaftliche und politische Prozesse transparent machen und den Mächtigen auf die Finger gucken, sie kontrollieren. In diesem Sinne sollen sie auch Anwälte der Bürger sein. Keine Richter, aber doch Zeitzeugen im Dienste derjenigen, die Zeitungen kaufen und den Fernsehapparat einschalten. Demokratie basiert auf öffentlichen Prozessen der Willens- und Entscheidungsbildung. Die zentrale Frage ist dabei, wie Medien mit ihrer Rolle als Vermittler zwischen Wirtschaft, Politik und Publikum und mit ihrer Rolle als Kritiker und Kontrolleur tatsächlich umgehen. Die Antwort darauf lautet seit Jahren: eben nicht so autonom und kompetent wie es dem Ideal der politischen Kommunikation in unserer Gesellschaftsordnung entsprechen würde.

„Hersh ist kein Lautverstärker, er heult nicht mit den Wölfen“

Der große liberale Journalist Russel Baker hat neulich in der „New York Review of Books“ über die Zukunft oder Nicht-Zukunft der Zeitungen geschrieben und beklagt, dass sich viele Journalisten nur noch am Mainstream orientierten. Er hat beim Lob des guten Journalismus das schöne Bild von dem pferdebespannten Wagen verwendet, der auf einer achtspurigen Autobahn fahre.

In der neuen Flüchtigkeit, die oft so wichtigtuerisch in dicken Limousinen daher kommt, fällt ein Kutscher wie Hersh auf. Er ist kein Lautverstärker. Er heult nicht mit den Wölfen. Er ist keiner jener spätbürgerlichen Neojournalisten, die der Neoliberalismus und der Neokonservatismus hervorgebracht haben. Er ist überhaupt nicht anfällig für rasche Moden und Beliebigkeit.

Manchmal verwenden wir in Betrachtungen das Bild vom Geist, der weht, wo er will. Aber sein Wehen setzt Köpfe voraus. Wo soll der Geist in einer Welt der Köpfchen wehen?

Mancher Journalist ist von Berufswegen furchtbar bang. Nicht nur in den USA, aber dort besonders. Die Geschichte über Abu Ghraib beispielsweise lag zunächst beim Fernsehsender CBS. Als Hersh davon Wind bekam, wollte er die Kollegen unterstützen. Dann erkannte er, dass die sich nicht richtig trauten und begann selbst mit einer umfassenden Recherche. Über die Folter im Namen der Freiheit machte er in ein paar Wochen drei, vier große Geschichten, die weltweit Beachtung fanden.

Seine konservativen Feinde wollen ihn gern mit dem Vorwurf treffen, er sei ein Parteigänger der Demokraten und erledige deren Geschäfte. In den späten 60ern hat Hersh tatsächlich eine kurze Karriere bei den Demokraten gemacht, auf deren Seite er auch heute noch steht. Ist er deshalb ein Parteigänger? Er ist ein Parteigänger des Journalismus. Weil er weiß, dass die anderen seine Einstellung kennen, muss er in der Arbeit seine Unabhängigkeit demonstrieren. Wehe den Demokraten, die fehlen. Er hat eine Menge kritischer Berichte über den früheren Präsidenten Clinton geschrieben.

„Hersh ist hemmungslos altmodisch – und damit aktuell“

Die Amerikaner benennen die Wühlerei von Journalisten mit einem Wort ihres ehemaligen Präsidenten Theodore Roosevelt, der von „muckraking“ sprach. Gemeint war der Job jener Journalisten, die, um einer Sache auf den Grund zu gehen, den Schmutz wie ein Schwein umgraben.

Hierzulande nennt man einen wie Hersh einen investigativen Journalisten. Das „Handbuch Journalismus und Medien“ definiert den Begriff so: Investigativer Journalismus bedeutet nicht nur eine systematische und möglichst vollständige, das heißt alle relevanten Möglichkeiten ausschöpfende Informationssuche, die den Dingen auf den Grund gehen möchte. Vielmehr bedeutet investigativer Journalismus vor allem auch Recherchieren und Schreiben gegen Widerstände und Barrieren. Die Themenfelder zeichneten sich durch ein hohes Maß an sozialer Relevanz aus und dem Journalisten komme dabei immer die aktive Rolle zu.

Dennoch wäre es falsch, das weitläufige Werk von Hersh nur auf den widerborstigen Gestus festzulegen. Er ist ein leidenschaftlicher Materialsammler. Der Begriff Material hat im Sinne von Roh- und Werkstoff, aber auch in der ursprünglichen Bedeutung von Stoff und Aufgabe, eine besondere Bedeutung für Hersh: Es ist Material für die Wahrheitssuche, denn die vorgegebene Wahrheit soll und darf nicht einfach akzeptiert werden.

Natürlich ist auch das Richtige an seine Zeit gebunden. Wahrheiten, das hat Hendrik Ibsen gesagt, halten, wenn es gut geht, dreißig Jahre und da müssen es schon schmiedeeiserne Wahrheiten sein, die man nicht oft findet.

Weltweit gibt es einen Wettbewerb um Schlagzeilen und atemraubende Enthüllungen. Wir leben heute in einer permanenten Gegenwart, ohne Vergangenheit, ohne Zukunft. Ständig wird eine neue Sau durchs globale Dorf getrieben, es sind ganze Herden von Schweinen unterwegs und es werden immer mehr. Erstrebenswert scheint manchem nur noch das frühzeitige Besetzen von Themen, das Anzetteln von Aufregungskommunikation, die dafür sorgt, dass das eigene Blatt, der eigene Sender von anderen Blättern, von anderen Sendern erwähnt wird. Laut der Devise: Es gibt uns wirklich! In einigen Ländern werden Statistiken darüber geführt, welches Medium die meisten exklusiven Nachrichten veröffentlicht hat. Statistiken darüber, wie viele dieser Meldungen recycelt oder falsch waren, gibt es allerdings nicht.

An das Ohr dringt eine Geräuschkulisse aus Wörtern und Tönen, die ihre Inhaltslosigkeit durch Aufdringlichkeit ersetzen. Laut geht es zu, unüberhörbar laut. „Jetzt ist es nicht mehr die Geheimpolizei, die bei den Bürgern Gehirnwäsche betreibt, sondern die als Abfolge von Moden dahinwogende Oberflächlichkeit“, hat György Konrad, der frühere ungarische Dissident und spätere Präsident der Akademie der Künste zu Berlin, gesagt.

„Ein guter Journalist ist ein Unzufriedener“

Dahinwogende Oberflächlichkeit – dieses Bild ist zur Lagebeschreibung geworden. Immer weniger Blätter leisten sich festangestellte Redakteure, die über längere Zeit eine Geschichte gründlich recherchieren können. Hersh ist in dieser unübersichtlichen Zeit hemmungslos altmodisch und gerade deshalb aktuell.

Ein guter Journalist ist ein Unzufriedener. Niemand, der zufrieden ist, ist fähig zu schreiben. Niemand, der mit der Wirklichkeit einverstanden, mit ihr versöhnt ist, wird ein guter Journalist werden. Guter Journalismus kann erstickt werden, aber er wird niemals konformistisch sein. Die Wirklichkeit unserer Tage bietet dem Journalisten ein Füllhorn von Gründen, unzufrieden zu sein.

Aber akzeptieren Sie als Leser, Zuschauer, Hörer eigentlich den Zweifel oder wollen Sie nur durch das Geschriebene in Ihrem Verdacht bestätigt werden?

Meine Erfahrung nach fast vier Jahrzehnten im Beruf ist simpel: Es ist nicht leicht, Leute zu finden, die etwas Neues zu sagen haben. Es ist aber noch viel schwieriger, Leute zu finden, die etwas Neues hören wollen. Hersh findet immer wieder Neues und er hat weltweit Leute gefunden, die von ihm Neues hören wollen. Auch das kennzeichnet seine Einzigartigkeit.

Andererseits: Wir sollten, wenn wir über Journalismus reden, nicht allzu häufig über Moral philosophieren. Wenn die Sprache von Moralin trieft, ist Skepsis angebracht. Dostojewski hat, was sicherlich übertrieben war, die Menschheit mal in zwei Gruppen eingeteilt: In Heilige, die sich für Verbrecher halten, und Verbrecher, die sich für Heilige halten. Der recherchierende Journalist ist kein Heiliger. Selbst ein Enthüller vom Format des Seymour Hersh kann nicht die Welt verändern. Was er tut, bewirkt meist – die ignorante Regierung Bush stellt da eine Ausnahme dar – ein Nachdenken, ein Zögern, eine Selbstprüfung. Aber auch das ist schon eine ganze Menge.

Macht hat immer zwei Seiten: Man kann sie zum Guten nutzen und gleichzeitig kann sich der Mächtige an ihr berauschen. Damit wird Macht zum Selbstzweck.

Der recherchierende Journalist hat die Aufgabe, die dunkle Seite der Macht auszuleuchten und den Mächtigen das Gefühl zu geben, dass der Missbrauch nicht völlig gefahrlos ist. Dies macht er in dem Wissen, dass sich die Sudler auf einen langen Zermürbungskrieg einrichten und am Ende sogar mit dem Zynismus des Publikums rechnen dürfen.

Auch dafür, dass Hersh dies alles weiß und dennoch unermüdlich weitermacht, gebührt ihm der Demokratiepreis.

Ihnen danke ich für Ihre Geduld.

(aus: »Blätter« 11/2007, Seite 1346-1352)
Themen: Demokratie, Geschichte und Medien

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