Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Jürgen Habermas: Das utopische Gefälle. Das Konzept der Menschenwürde und die realistische Utopie der Menschenrechte

Die Menschenwürde ist die zentrale Quelle der Grundrechte: Unter diesem Leitmotiv diskutiert Jürgen Habermas, Professor em. für Philosophie und Mitherausgeber der „Blätter“, die Genealogie und den Gehalt des Konzepts der Menschenwürde. Im Mittelpunkt steht dabei dessen Verhältnis zur „realistischen Utopie“ der Menschenrechte. An zentralen Beispielen demonstriert Habermas in seinem Beitrags das produktive Gefälle zwischen Utopie und Realität und insistiert dabei stets auf der Verwirklichung der Menschenrechte als der zentralen politischen Aufgabe in Gegenwart und Zukunft.

 

Katajun Amirpur: Sprengsatz Philosophie. Die Legitimationskrise der iranischen Theokratie

Seit Sommer 2009 steckt die Islamische Republik Iran in ihrer größten Legitimationskrise. Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur zeigt, welche Bedeutung das philosophische Denken westlicher Provenienz – von Hannah Arendt bis Jürgen Habermas – für die iranischen Dissidenten besitzt. Gerade die massenhafte Verbreitung des Internet als Medium der Aufklärung habe die „Macht der Ideen“ freigesetzt, mit potentiell revolutionären Folgen für die Theokratie: Bereits heute wolle eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger, dass Geistliche künftig keine Rolle in der Politik mehr spielen.

 

Dirk Rochtus: Ankara auf Ostkurs? Zu den aktuellen Spannungen zwischen der Türkei und Israel

Ende Mai wurden bei der Aufbringung der Free-Gaza-Flotille durch die israelische Armee neun türkische Staatsbürger getötet. Infolgedessen haben sich die türkisch-israelischen Beziehungen rasant verschlechtert. Dirk Rochtus, Dozent für internationale Politik an der Lessius-Hochschule Antwerpen, untersucht die Ursachen und Formen der neuen türkischen Israelpolitik. Seine These: Die islamfreundliche AKP-Regierung hat die politischen Koordinaten Ankaras schrittweise in Richtung Osten verschoben – mit der Konsequenz, dass die Zukunft der „strategischen Partnerschaft“ zwischen Ankara und dem Westen akut gefährdet ist.

 

Werner Rügemer: Bankster vor Gericht. Kollektive Unschuld und systemische Kriminalität

Die Schädigung fremden Vermögens ist eine Straftat, doch für die Raubritter der Finanzwelt wird sie zum lukrativen Geschäft. Der Publizist Werner Rügemer zeigt, wie die kriminelle Energie der Finanzjongleure in die Krise geführt hat – und warum viel zu wenig geschieht, um eine grundlegende Kurskorrektur einzuleiten. Sein Fazit: Der erpresste Staat bleibt untätig, und die Bürgerinnen und Bürger werden zur Kasse gebeten.

 

James K. Galbraith: Das G 20-Debakel: Warum wir einen grünen New Deal brauchen

Das Gipfeltreffen der 20 größten Industrie- und Schwellenländer in Toronto stand jüngst ganz im Zeichen des staatlichen Defizit- und Schuldenabbaus. Doch ist dieser Kurs auch das richtige Rezept, um die Staatshaushalte zu konsolidieren und die Wirtschaftskrise zu überwinden? James K. Galbraith, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Texas, stellt dieser Strategie Roosevelts Politik eines New Deal entgegen. Dabei zeigt sich: Soll die Wirtschaft tatsächlich aus der tiefen Talsohle herauskommen, ist ein ähnliches Antikrisenprogramm wie vor 75 Jahren dringend vonnöten.

 

Norbert Seitz: Intellektuellenpartei a.D. Die geistige Krise der SPD

Während die SPD dereinst als „Intellektuellenpartei“ galt, gehen der Partei heute die Intellektuellen aus. Norbert Seitz, Publizist und Redakteur des Deutschlandsfunks, blickt zurück auf die zentrale Rolle, die Parteiintellektuelle in der SPD der Nachkriegszeit gespielt haben. Seine Porträts von Carlo Schmid, Willi Eichler, Peter von Oertzen, Richard Löwenthal, Erhard Eppler und Peter Glotz zeigen auf, woran es der Partei heute gebricht: an einer engagierten intellektuellen Debatte über die Aufgaben und die Zukunft von Partei und Gesellschaft.

 

Micha Brumlik: Neoleninismus in der Postdemokratie

Was haben die Kandidatur Joachim Gaucks und der Kommunismuskongress in der Berliner Volksbühne gemeinsam? Beide repräsentieren die Sehnsucht nach Alternativen in der „Postdemokratie“. Micha Brumlik, Professor für Pädagogik an der Universität Frankfurt a. M. und Mitherausgeber der „Blätter“, kritisiert den mangelnden demokratischen Gehalt des „Neoleninismus“ insbesondere am Beispiel der Philosophen Alain Badiou und Slavoj Žižek.

(aus: »Blätter« 8/2010, Seite 41-42)

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