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Kurzgefasst

von Blätter-Redaktion

Peter Finke: Die süße Täuschung der Oberflächlichkeit. Über die Verdrängung unserer kulturellen Krise

Die Bundesrepublik befindet sich im Bildungsnotstand. Peter Finke, Professor em. für Wissenschaftstheorie an der Universität Bielefeld, verortet dessen Wurzeln in einer viel zu lange verdrängten kulturellen Krise. Finke wendet sich gegen die mangelnde ethische Fundierung der Hochschulbildung, den Tunnelblick der Fachidioten und die Paradigmahörigkeit der Wissenschaft. Seine Schlussfolgerung: Nicht nur das Bildungssystem, sondern auch Wirtschaft, Politik und Wissenschaft bedürfen dringend einer radikalen Reform.

Richard Münch: Bologna oder Die Kapitalisierung der Bildung

Die Studentenproteste richten sich gegen die Folgen der Bologna-Reform, insbesondere gegen die Verschulung des Studiums und die fortschreitende Ökonomisierung der Hochschulen. Richard Münch, Professor für Soziologie an der Universität Bamberg, konstatiert, dass Bildung immer weniger als Kollektivgut der Gesellschaft und stattdessen immer mehr als Individualgut und Ware gilt. Die Konsequenz: Im „Überbietungswettbewerb“ der Hochschulen bleiben die Studienbedingungen auf der Strecke.

Thomas Gerlinger und Hans-Jürgen Urban: Auf dem Weg zum Systemwechsel: Gesundheitspolitik schwarz-gelb

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP kündigt in der Gesundheitspolitik offen einen Systemwechsel an. Der Professor für Medizinische Soziologie Thomas Gerlinger und das Vorstandsmitglied der IG Metall Hans-Jürgen Urban zeigen, auf welche Weise die niedrigen und mittleren Einkommensklassen künftig noch stärker belastet werden. Ihr Fazit: Entgegen ihrer sozialen Rhetorik betreibt die neue Bundesregierung nackte Klientelpolitik im Interesse der Pharmakonzerne, Apotheker und Ärzte.

Charlotte Wiedemann: Der vierte Versuch der Emanzipation. Wie westlich ist die iranische Opposition?

Die iranische Demokratiebewegung wurde vom Westen begeistert begrüßt. Doch entspricht das medial gezeichnete Bild auch den politischen Verhältnissen im Iran? Die Journalistin Charlotte Wiedemann analysiert den gegenwärtigen „vierten Versuch der Emanzipation“ des iranischen Volkes. Ihre These: Während der Widerspruch im Lande selbst weiter wächst, hat der Westen seine Hoffnung auf die Bewegung bereits wieder ad acta gelegt.

Thomas Schmidinger: Das Ende Nubiens? Eine Grenzregion zwischen Umsiedlung und Arabisierung

Die am Nil gelegene, traditionsreiche Grenzregion Nubien wird von Ägypten wie vom Sudan als Fremdkörper in der arabischen Welt betrachtet. Der Politologe Thomas Schmidinger zeigt auf, welche Folgen die dortigen Staudammprojekte haben. Seine Prognose: Die Beteiligung ausländischer Konzerne droht die Entrechtung und Vertreibung der Nubier noch zu forcieren.

Samir Amin: Überwindet den Krisenkapitalismus. Für eine schöpferische Erneuerung des Marxismus

Das Wesen des Kapitalismus beruht auf dem Verelendung erzeugenden Prinzip permanenter Akkumulation. Im Kontext dieser These Samir Amins, der soeben in Berlin mit dem Ibn-Rushd-Preis ausgezeichnet wurde, erweist sich die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise als jüngste Etappe einer langen Systemkrise. Um den „Oligopol-Kapitalismus“ zu überwinden, ist Amin zufolge theoretisch eine schöpferische Erneuerung des Marxismus und praktisch die Hinwendung zu mehr globaler Gerechtigkeit geboten.

Dieter Senghaas: Zeitdiagnostik und kreative Utopie. Laudatio auf Samir Amin

Dieter Senghaas, Professor em. für internationale Politik und Gesellschaft an der Universität Bremen, würdigt Samir Amin, den Direktor des „Dritte-Welt-Forums“ in Dakar/Senegal, als Wissenschaftler und Aktivisten, der sich stets für die benachteiligten Bevölkerungsgruppen eingesetzt hat.

Christoph Lammers: Mit der Bibel gegen Darwin. Der Aufstieg des Kreationismus

Mit seinem großen Werk über „Die Entstehung der Arten“ revolutionierte Charles Darwin nicht nur das Selbstverständnis der Naturforschung, sondern auch das Welt- und Selbstbild der Moderne. Das stößt bis heute auf Widerspruch. Der Biologiedidaktiker Christoph Lammers geht dem christlich-fundamentalistischen Widerstand gegen die Lehre der Evolution auf den Grund. Dabei zeigt er die Gefahren, die von dieser antiaufklärerischen Strömung vor allem für die schulische Erziehung ausgehen.

(aus: »Blätter« 1/2010, Seite 37-38)

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