Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Thilo Bode und Katja Pink: Die Finanzkrise als Demokratiekrise. Der Staat als Dienstleister des Finanzkapitals

Die globale Finanzkrise hat bisher zu keiner stärkeren Regulierung des Finanzsektors geführt, im Gegenteil: Ihre zentrale Ursache – die staatlich abgesegnete Enthaftung der Banken – wurde bislang nicht beseitigt. Thilo Bode, Geschäftsführer von „foodwatch“ und langjähriger Greenpeace-Chef, und die Rechtsanwältin Katja Pink kritisieren die Verquickung von Staat und Wirtschaft. Die Unterordnung der Politik unter die Imperative des Finanzkapitals führe nicht zuletzt auch zu einer Krise der Demokratie.

James K. Galbraith: Der große Betrug

Die zentrale Rolle des Betrugs für die Entstehung der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist aus der öffentlichen Wahrnehmung längst wieder verschwunden. James K. Galbraith, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Texas, fordert, die Machenschaften der Banken juristisch aufzuarbeiten. Ansonsten gelte: Nach der Krise ist vor der Krise.

Harald Welzer: Die Magie des Wachstums. Warum unsere Kinder es einmal schlechter haben werden

In einer endlichen Welt ist unendliches Wachstum unmöglich. Ein halbes Jahr nach dem Scheitern des Weltklimagipfels in Kopenhagen seziert Harald Welzer, Direktor am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen (KWI), die ungebrochene Dominanz der Wachstumsideologie. Angesichts der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen fordert er ein grundlegendes Umdenken und fragt: Wie soll unsere Gesellschaft der Zukunft aussehen?

Ulrich K. Preuß: Kein Ort, nirgends. Die vergebliche Suche nach der deutschen Leitkultur – Eine Replik auf Josef Isensee

In der März-Ausgabe der „Blätter“ forderte Josef Isensee, die „kulturellen Grundlagen der nationalen Einheit“ Deutschlands zu schützen. Ulrich K. Preuß, Professor für Recht und Politik an der Hertie School of Governance, kritisiert, dass Isensees Thesen ein statisches Kulturverständnis zugrunde liegt. Kollektive Identitäten befänden sich in der bundesrepublikanischen Einwanderergesellschaft vielmehr in stetem Wandel. Mehr noch: Das Grundgesetz schütze ebendiese Möglichkeit kultureller Fortentwicklung.

Heribert Prantl: Das tägliche Brot der Demokratie. Was Wissenschaft, Publizistik und Politik miteinander zu tun haben

Die Berufe des Journalisten und des Professors haben heute wenig miteinander zu tun. Das war nicht immer so. In seiner Antrittsvorlesung als Honorarprofessor der Universität Bielefeld zeichnet Heribert Prantl nach, wie eng die beiden Professionen einst verbunden waren und plädiert für eine Wiederannäherung von Wissenschaft und Publizistik, um die Pressefreiheit, „das tägliche Brot der Demokratie“, für die Gegenwart zu sichern.

Oliver Nachtwey: Oskar Lafontaine: Der Unvollendete

Im Zuge der Formierung der Linkspartei kehrte mit Oskar Lafontaine eine der schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten der Bundesrepublik auf die politische Bühne zurück. Der Politikwissenschaftler Oliver Nachtwey analysiert die Metamorphosen des charismatischen Machtpolitikers, der einst als größte Hoffnung der Sozialdemokratie galt, um dann zu ihrem meistgehassten Konkurrenten zu werden.

Paul Schäfer und Jerry Sommer: Zeit für einen Strategiewechsel. Iran und der Streit um die Atombombe

Während sich die Massenproteste der „grünen Bewegung“ im Iran erstmals jähren, gewinnt der internationale Streit über das iranische Atomprogramm an Schärfe. Der Verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Paul Schäfer, und der Mitarbeiter des Bonner Internationalen Konversionszentrums (BICC) Jerry Sommer fordern angesichts der gescheiterten Strategie des Westens den Übergang zu Dialog und Entspannungspolitik.

Dietrich Schulze-Marmeling: Die Emanzipation des afrikanischen Fußballs. Von der Kolonialzeit zur WM 2010

Im Zuge der Kolonialisierung exportierten die Europäer mit ihren Soldaten und Siedlern auch ihre einheimischen Sportarten nach Afrika. Der Fußballhistoriker Dietrich Schulze-Marmeling zeigt den langen Weg des afrikanischen Fußballs von seinen kolonialen Ursprüngen bis zur populärsten Sportart der Gegenwart. Dabei zeigt sich: Fußball ist in Afrika längst aus seinem kolonialen Schatten herausgetreten. Die letzte Hürde aber bleibt: nämlich den früheren Kolonialherren den WM-Titel abzujagen.

(aus: »Blätter« 6/2010, Seite 43-44)

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