Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Rebecca Solnit: Ihr Name war Schweigen, seiner war Macht. Der Fall Strauss-Kahn und die Geschichte des IWF

Was sich im Fall Dominique Strauss-Kahn in einer New Yorker Hotelsuite abgespielt haben soll, spiegele die Politik des Internationalen Währungsfonds wider – dies ist die These der US-amerikanischen Publizistin Rebecca Solnit. Denn der feministische Blick auf den Fall zeige: Es besteht ein Zusammenhang zwischen der neoliberalen Politik des IWF und dem privaten Verhalten seines Direktors: der systematische Übergriff auf Schwächere.

 

Ilse Lenz: Der neue Antifeminismus. Der Fall Kachelmann und das Bild vom männlichen Opfer

Der Prozess gegen Jörg Kachelmann ist vorbei – nicht jedoch die durch ihn erzeugte „Geschlechterpanik“. Ilse Lenz, Professorin für Geschlechterforschung an der Universität Bochum, entlarvt den Vorwurf, es gebe zahlreiche Falschbeschuldigungen der Vergewaltigung, als empirisch völlig unhaltbar. In der realen Welt, so Lenz, ist immer noch in den allermeisten Fällen die Frau und nicht der Mann das hilfebedürftige Opfer.

 

Jonas Gabler: Fußball als Männerbund. Die Rolle der Frauen in der Fankultur

Mit dem Anpfiff des offiziellen Auftaktspiels zwischen Deutschland und Kanada am 26. Juni hat die Fußball-WM der Frauen endlich das ihr gebührende mediale Interesse erobert. Und dennoch bleibt viel Raum für Widersprüche: Fan-Forscher Jonas Gabler zeichnet ein ambivalentes Bild der Beteiligung und Ausgrenzung von Frauen bei Ultra-Fangruppen.

  

Klaus Naumann: Ohne Strategie und Leitbild: Die neue deutsche Berufsarmee

Am 1. Juli endet die Wehrpflicht, und der neue Verteidigungsminister, Thomas de Maizière hat alle Hände voll zu tun, das von seinem Vorgänger angeblich „bestellte Haus“ neu zu ordnen. „Blätter“-Mitherausgeber Klaus Naumann fragt: Wie soll sie denn aussehen, die neue Einsatz- und Freiwilligenarmee, wenn sich Deutschland über die eigene sicherheitspolitische Rolle in der Welt gar nicht im Klaren ist.

 

Hans-Jürgen Urban: Stabilitätsgewinn durch Demokratieverzicht? Europas Weg in den Autoritarismus

Die drastischen Reaktionen der Nationalstaaten auf die Finanz- und Schuldenkrise haben in der EU ein Stabilitätsregime begründet, das einer harten Grammatik des Autoritären folgt. Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall und Mitherausgeber der „Blätter“, kritisiert den politischen Umgang mit der wirtschaftlichen Krise als zutiefst undemokratisch. Will Europa der Negativspirale durch Legitimationsverlust entgegenwirken, muss diese Entwicklung dringend korrigiert werden.

 

Johann-Günther König: „Mehr als ein Auto“. Die Diktatur des Automobils

„Alle Straßen nach allen Seiten, nach links und rechts, nach oben und unten, kurz, den ganzen Raum“ sollten automobile Fahrzeuge „beherrschen“: Dieses von Carl Benz formulierte Ziel ist im 20. Jahrhundert Wirklichkeit geworden – mit verheerenden Folgen. Der Publizist Johann-Günther König demonstriert das Unvermögen der Industrie, das Auto zukünftig lebensverträglicher zu gestalten, und dessen Folge: die Diktatur des Automobils.

 

Richard Sennett: Alles furchtbar einfach. Die Krise der Kommunikation im Zeitalter der Ungleichheit

Obwohl der kapitalistischen Wirtschaft nicht die Zusammenarbeit, sondern die Konkurrenz über alles geht, kann kein Unternehmen nur durch aggressiven Wettkampf, ohne Kooperation und Kommunikation, gedeihen. Richard Sennett, Professor für Soziologe und Geschichte an der London School of Economics und an der New York University, illustriert anhand von Beispielen aus der Software-Entwicklung und dem Finanzsektor, warum Kooperation trotz der neuen Kommunikationstechnologien häufig scheitert.

 

Michal Bodemann: Der deutsch-amerikanische Bindestrich. Eine Lektion in Multikulti aus der Geschichte der USA

Im Gefolge der Sarrazin-Debatte beklagen sich viele Deutsche über die angebliche „Integrationsunwilligkeit“ der Einwanderer. Michal Bodemann, Professor für Soziologie an der University of Toronto, richtet den Blick zurück auf die deutschen Immigranten in den USA um 1900. Dort entdeckt er eine hochgradig geschlossene „Parallelgesellschaft“ mit eigener Sprache, eigenen Vereinen, Schulen, Feiertagen und Weltanschauungen. Wie aber wurde aus dieser Parallelgesellschaft ein weitgehend assimilierter Teil der Mehrheitsgesellschaft?

 

 

(aus: »Blätter« 7/2011, Seite 42-43)

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