Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

von Blätter Verlag

Gert Krell: Grass und die Bombe. Worüber wir eigentlich reden sollten

„Was gesagt werden muss“, das „Gedicht“ von Günter Grass, hat außer vereinzelter Zustimmung eine Welle der Empörung ausgelöst. Gerd Krell, emeritierter Politikprofessor der Universität Frankfurt am Main, analysiert in seinem Beitrag sowohl die Trugschlüsse und Verzerrungen des Grassschen Textes als auch die realexistierende geopolitische Gefahrenlage im Nahen Osten.

Jonathan Schell: Israel, USA vs. Iran oder: Das Undenkbare denken

Seit Ende des Kalten Krieges verfolgen die USA eine Strategie militärischer Gewaltanwendung, um die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Doch ist ein Abrüstungskrieg gegen den Iran tatsächlich die einzige verbleibende Option für Israel und die USA? Der amerikanische Publizist und Friedensaktivist Jonathan Schell sieht in der Wiederbelebung der Nichtverbreitungspolitik die einzige taugliche Alternative. Logisches Ziel einer solchen Strategie kann nur eine atomwaffenfreie Welt sein.

Oliver Meier, Götz Neuneck und Wolfgang Zellner: Vor dem Nato-Gipfel: Dilemmata europäischer Rüstungskontrolle

Während im Nahen Osten Krieg droht, steht der diesjährige Nato-Gipfel ganz im Zeichen der zunehmenden Krise zwischen der Nato und Russland. Vom einstigen Rüstungskontrollregime sind heute nur noch Bruchstücke vorhanden. Oliver Meier, Götz Neuneck und Wolfgang Zellner vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg analysieren die Lage. Ihr Plädoyer: Ohne eine wirksame Verschränkung von atomarer und konventioneller (Ab-)Rüstung gibt es keinen Ausweg aus der Krise.

Ingo Schmidt: Schade Deinem Nachbarn. Europa und das Recht des Stärkeren

Nachdem das Kapitel Griechenland durch kostspielige Rettungsmaßnahmen kurzfristig ad acta gelegt worden ist, drohen nun zunehmend Spanien, Portugal und Italien in finanzielle Schieflage zu geraten. Für den Politikwissenschaftler Ingo Schmidt von der University of Northern British Columbia/Kanada ist dies die logische Folge einer ganz primär auf die Exporte ausgerichteten europäischen Wettbewerbsstrategie. An ihrem Ende steht das Scheitern der Schwachen und ihr Verlust souveräner nationaler Haushaltspolitik.

Jean Drèze und und Amartya Sen: Der indische Wachstumsrausch

Den einen gilt Indien als Wirtschaftswunder, den anderen als Entwicklungsland. Tatsächlich durchlebt Indien eine Periode raschen Wachstums und dramatischer Ungleichheit. Der Entwicklungsökonom Jean Drèze und der Sozialphilosoph Amartya Sen analysieren Chancen und Spaltungen des Milliarde-Menschen-Landes. Ihr Fazit: Ohne eine neue, phantasievolle demokratische Praxis wird die fatale mediale und ökonomische Konzentration auf das Leben einer Minderheit von Alt- und Neureichen nicht zu überwinden sein.

Miguel Abensour: Die rebellierende Demokratie  

Über das Verhältnis von Staat und Demokratie wird spätestens seit Hegel und Marx immer wieder kritisch nachgedacht. Anknüpfend an diese theoretischen Vorarbeiten entwirft Miguel Abensour, Professor em. für politische Philosophie in Paris, sein Konzept der „rebellierenden Demokratie“. Demnach steht der Staat in einem ständigen Konfliktverhältnis zur Demokratie. Wahre Demokratie verlangt somit stets nach Rebellion und einer Politisierung der Zivilgesellschaft.

Christoph Kappes: Netz ohne Vertrauen: Die neue Mega-Öffentlichkeit

Soziale Netzwerke wie Facebook nehmen im Leben vieler Menschen inzwischen einen festen Platz ein. Nicht zuletzt der bevorstehende Börsengang dieses global player für Kommunikation und Datenhandel wirft die Frage nach dem Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit auf. Der Jurist und Publizist Christoph Kappes verfolgt die radikalen gesellschaftlichen Wandlungen infolge medialer Umbrüche. Im Ergebnis plädiert er für eine neue Trennlinie zwischen öffentlichem und privatem Raum.

Hans-Peter Waldrich: Projekt Gemeinschaftsschule. Antwort auf eine erodierende Gesellschaft

Seit Jahrzehnten fordern zahlreiche Pädagogen die Gemeinschaftsschule als Alternativkonzept zum dreigliedrigen Schulsystem. Politisch durchgesetzt wurde sie bisher jedoch nur vereinzelt. Der Politik- und Erziehungswissenschaftler Hans-Peter Waldrich plädiert in seinem Beitrag nachdrücklich für diese gemeinschaftliche Schulform – aufgrund pädagogischer Erfahrung und mittels demokratischer Erwägungen.

(aus: »Blätter« 5/2012, Seite 37-38)

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