Päpstin Petra | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Päpstin Petra

von Uli Gellermann

Wir waren Papst. Wir werden Päpstin. So kurz lässt sich die frohe Botschaft zusammenfassen, die nach dem Rücktritt Papst Benedikts die Welt retten wird. Denn dass die Welt gerettet werden muss, daran kann kein Zweifel bestehen. Schon die bedrohliche Vision, dass der nächste Papst kein Deutscher sein könnte, jagt der Menschheit tiefe Schrecken ein.

Immer noch ist es das deutsche Wesen, jene Mischung aus schwäbischer Sparsamkeit und preußischem Großkotz, an dem die Welt genesen kann. Das zeigt die Lage in Europa: Hatten die Südländer nicht eindeutig über ihre Verhältnisse gelebt, haben nicht griechische Bauern zuweilen vom eigenen Öl genascht, statt es dem weltläufigen deutschen Oberstudienrat für seine Salat-Saucen zu überlassen? Wurden galizische Weißweine nicht viel zu häufig in spanische Kehlen gegossen, statt sie auf dem Altar deutscher Spitzenrestaurants zu opfern? Schließlich hat das deutsche Volk, geführt von Angela Merkel, über Jahre gedarbt, um den diversen Ausländern ein Leben in Saus und Braus zu ermöglichen. Seit Jahr und Tag verzichten Arbeitnehmer auf Lohnerhöhungen, und nicht wenige sind gar zu den Quellen menschlicher Existenz zurückgekehrt, um Deutschlands Sozialkosten niedrig zu halten: Als Jäger jagen sie dem Dosenpfand nach, als Sammler schichten sie 25 Cent auf 25 Cent Pfandgeld auf, um an Sonntagen dicke Zeitungen zu kaufen, die ihre Blößen auf den Parkbänken bedecken können.

Es war der heilige Malachias, der irische Erzbischof von Armagh (1094-1148), der in seinen Prophezeiungen nicht nur voraussagte, dass es 267 Päpste geben würde. Johannes Paul II. war der 265. Die Prophezeiung besagte auch, dass dieser Papst außergewöhnlich lange im Amt bleiben wird, wie es denn auch kam. Zu Ratzinger, dem 266. Papst, prophezeite Malachias, dass er nur eine kurze Amtszeit haben würde. Und für den letzten Papst sagt die Prophezeiung, dass er sich Petrus nennen wird und mit ihm die Welt untergeht.

Nun wird sich Angela Merkel ganz gewiss nicht Petrus nennen, Petra wäre eher denkbar. Und vom Weltuntergang hält sie sicher auch nichts. Gerade noch hat sie das Existenzrecht Israels zur Staatsräson erklärt, da wird sie doch nicht die Existenz der Welt infrage stellen lassen. Nein, kühn wird die immer heiligere Angela den Hosenanzug aus- und den Rock der Päpstin anziehen. Und wenn zu Ostern demnächst der Segen „Urbi und Orbi“ verkündet wird, kann die Welt mit Merkel-Weisheiten wie dieser rechnen: „Vor lauter Globalisierung und Computerisierung dürfen die schönen Dinge des Lebens wie Kartoffeln oder Eintopf kochen nicht zu kurz kommen.“

Kurzum, wenn im März die Kardinäle zusammentreten, kann es nur eine geben: Angela. Gewiss, es wird nicht einfach werden, aber die künftige Päpstin weiß schon heute zu sagen: „Ein Politiker muss machtbewusst sein. Er muss ehrgeizig sein. Er muss sich selber etwas abverlangen können.“ Es gibt mehr als eine Milliarde Katholiken auf der Welt. Fast so viele, wie es Chinesen gibt. Mit Angelas, beziehungsweise Petras Machtbewusstsein kann diese große Zahl zu großen Taten führen. Zumindest aber zu einem besseren Fernsehprogramm. Stammt doch von der künftigen Päpstin der Satz: „Jede Woche mutet uns das Fernsehen bis zu 4000 Leichen zu [...] So was verengt das Weltbild. Und dann wird‘s gefährlich.“ So dürfen wir in Päpstin Petras Pontifikat gewiss auf weniger Leichen hoffen. Virtuell jedenfalls...

(aus: »Blätter« 3/2013, Seite 52-52)
Themen: Religion und Kultur

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