Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Fred Pearce: Der große Raub. Landnahme im 21. Jahrhundert, S. 49-57

Hungersnöte infolge von Landnahmen gehören zu den größten Problemen der Gegenwart. Die NGO Oxfam schätzt, dass Staaten allein 2011 227 Mio. Hektar Land an Konzerne oder andere Staaten verkauften. Der britische Wissenschaftsjournalist Fred Pearce nimmt diese dramatische Entwicklung in den Blick. Seine Prognose: Die explodierende Landnahme wird in den nächsten Jahrzehnten das Problem des Klimawandels noch in den Schatten stellen und Abermillionen von Menschen ihre Lebensgrundlage entziehen. 

Jürgen Habermas: Demokratie oder Kapitalismus? Vom Elend der nationalstaatlichen Fragmentierung in einer kapitalistisch integrierten Weltgesellschaft, S. 59-70

In der April-Ausgabe der „Blätter“ plädierten Wolfgang Streeck und Thilo Bode für die fiskalische Souveränität der EU-Mitgliedstaaten und die Rückkehr zu nationalen Währungen als einzigem Ausweg aus der Eurokrise. „Blätter“-Mitherausgeber Jürgen Habermas hält einen solchen Schritt für politisch hochgefährlich, da er den globalen Akteur Europa auf den Status einflussloser Nationalstaaten zurückstufen würde. Nur ein legitimiertes überstaatliches Gemeinwesen könne den anarchisch-autoritären Tendenzen der Weltgesellschaft wirksam begegnen. 

Elmar Altvater: Der politische Euro. Eine Gemeinschaftswährung ohne Gemeinschaft hat keine Zukunft, S. 71-79

Die ökonomisch umstrittene und zudem politisch dilettantische „Rettung“ Zyperns gab all jenen Aufwind, die für die Rückkehr zu nationalen Währungen plädierten. Elmar Altvater, Professor em. für Politische Ökonomie an der FU Berlin, nennt sechs entscheidende ökonomische Gründe dagegen. Sein Fazit: Der entfesselte globale Kapitalismus ist, wenn überhaupt, nur durch eine sozial und politisch geeinte Europäische Union zu bändigen. 

Hans-Jürgen Urban: Strohfeuer oder Wendepunkt? Gewerkschaftliches Comeback in Zeiten der Krise, S. 83-90

Die Finanzkrise der letzten fünf Jahre hat den Gewerkschaften erstaunliche Erfolge beschert. Die entscheidende Frage ist nur, ob diese auch nachhaltig sind. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und „Blätter“-Mitherausgeber, untersucht die aktuelle Revitalisierung der Gewerkschaften. Damit es sich bei ihren Erfolgen nicht um ein bloßes Strohfeuer handelt, müssten sie ihr bisheriges Strategiedefizit anerkennen und sich vor allem mit der Krise Europas auseinandersetzen. 

Ulrich Brand: Transformation tut Not: Zwölf Jahre Weltsozialforum, S. 91-96

Seit es vor zwölf Jahren gegründet wurde, ist es auffällig ruhig geworden um das Weltsozialforum (WSF). Einzelne Kritiker stellen dessen Daseinsberechtigung sogar ganz in Frage. Ulrich Brand, Professor für Internationale Politik in Wien und „Blätter“-Mitherausgeber, fordert dagegen, genauer hinzusehen. Als Debattenforum in einer hoch komplexen, krisenhaften Welt habe das WSF nichts von seiner Bedeutung eingebüßt. 

Clemens Knobloch: Schirrmachers »Ego«: Was wird hier mit uns gespielt? S. 97-102

In einem waren sich bei Erscheinen von Frank Schirrmachers neuestem Buch alle einig: dass es sich bei „EGO. Das Spiel des Lebens“ um eine grundlegende Kapitalismuskritik handelt. Der Gießener Germanistik-Professor Clemens Knobloch hält es jedoch gerade für das Gegenteil: Wer den Menschen lediglich als kybernetisch fremdgesteuerte „Nummer 2“ begreift, gibt jede Hoffnung auf intervenierende Weltveränderung auf. 

Veit Straßner: Der argentinische Papst. Zur Ambivalenz von Kirche und Macht in Lateinamerika, S. 103-112

Kaum war Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst gewählt, begannen die Medien auch schon über seine Nähe zur argentinischen Militärdiktatur zu spekulieren. Der Theologe Veit Straßner prüft diesen Vorwurf vor dem Hintergrund der Geschichte von Kirche und Staat in Lateinamerika. Sein Fazit: Seit der Kolonialzeit dienten Kirche und Religion immer wieder beidem – der Legitimierung von Herrschaft, aber auch der Herrschaftskritik. 

Olaf Miemiec: Reaktionär, Revolutionär, Neutöner. Zum 200. Geburtstag Richard Wagners, S. 113-120

Bis heute bewegt sich die Rezeption Richard Wagners zwischen Verachtung und Verherrlichung. Anlässlich seines 200. Geburtstags plädiert der Philosoph Olaf Miemiec für eine Auseinandersetzung, die den Komponisten als Gesamtkunstwerk begreift – ohne die eklatanten Widersprüche aufzuheben. Denn trotz der teilweise höchst reaktionären Inhalte seines Werkes kann Wagners Einfluss auf die Musik nur als revolutionär bezeichnet werden. 

(aus: »Blätter« 5/2013, Seite 47-48)

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