Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Wolfram Wette: 1914: Der deutsche Wille zum Zukunftskrieg, S. 41-53

Seit der Fischer-Kontroverse vor 50 Jahren galt die Frage der Schuld am Ersten Weltkrieg als geklärt – zu Lasten Deutschlands. Doch „Die Schlafwandler“, das neue Buch von Christopher Clark, weckt daran Zweifel. Der Historiker und Friedensforscher Wolfram Wette wehrt sich gegen die nicht nur von ihm befürchtete Geschichtsumdeutung. Er weist nach, dass der deutsche Wille zum Krieg bereits vor 1914 stark ausgeprägt war – und speziell die militärischen Eliten am Frieden kein Interesse hatten.

Jeremy Scahill: Geheim und schmutzig: Obamas »intelligenter Feldzug«, S. 55-65

Als Barack Obama 2009 den Friedensnobelpreis erhielt, geschah dies auch in Erwartung eines entschiedenen Bruchs mit der Kriegspolitik seines Vorgängers. Vier Jahre später sind wir eines Schlechteren belehrt. Der investigative Journalist Jeremy Scahill belegt, wie unter Obama ein System von Spezialeinheiten institutionalisiert wurde, dessen Hauptaufgabe darin besteht, gezielte Tötungen zu ermöglichen. All das geschieht außerhalb des Rechts und unter dem Geheimhaltungsprivileg der US-Regierung.

Manfred Quiring: Kaukasische Risse: Die Olympiade in Sotschi, S. 67-75

Seit der Antike sollen die Olympischen Ringe für Völkerbegegnung und -verständigung stehen, doch die Winterspiele im russischen Sotschi lassen das Gegenteil befürchten. Nach Ansicht des langjährigen Russland-Korrespondenten Manfred Quiring droht die Olympiade die regionalen Konflikte weiter anzuheizen. Bereits im Vorfeld kam es zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, die vor allem Putins Großmachtstreben geschuldet seien.

Thomas Moser: Der NSU-Komplex: Wer ermittelt gegen den Verfassungsschutz?, S. 77-84

Bis heute haben wir zum Nationalsozialistischen Untergrund weit mehr Fragen als Antworten. Doch die Anzeichen mehren sich, dass wir das Unmögliche denken müssen: den NSU-Komplex als Kooperation von Neonazis und deutschen Sicherheitsorganen. Der investigative Journalist Thomas Moser analysiert die massiven Verstrickungen und Vertuschungen der Geheimdienste. Seine Folgerung: Nur fortgesetzte parlamentarische und juristische Aufarbeitung können das Schweigen der Dienste aufbrechen.

Tim Engartner: Der große Postraub. Die Privatisierung der Post und ihre Folgen, S. 84-92

Vor mehr als 20 Jahren ging die deutsche Bundespost an die Börse – mit gravierenden Folgen, vor allem für die Angestellten. Der Bahnexperte Tim Engartner, Sozialwissenschaftler an der Universität Frankfurt am Main, unternimmt eine Bestandsaufnahme: Während die Gewinne des Unternehmens weiter steigen, leiden die Arbeitnehmer immer mehr unter Arbeitsplatzabbau, Lohnsenkungen und prekären Arbeitsverhältnissen.

Jürgen Reuß und Cosima Dannoritzer: Kaufen, wegwerfen, neu kaufen. Wie wir unsere Welt zugrunde konsumieren, S. 93-102

Weihnachten, das „Fest der Liebe“, ist längst zu einem Fest des Konsums mutiert. Doch die Geschenkberge sind nur ein Symbol für die Auswüchse der westlichen Wachstumsgesellschaften. Die Journalisten Jürgen Reuß und Cosima Dannoritzer zeigen, wie Produkte gezielt fehlerhaft entworfen werden, um vorzeitig kaputtzugehen. Das erschöpft die Ressourcen und schichtet gigantische Müllberge auf – zu Lasten der zukünftigen Generationen und all jener, die durch Armut vom Konsum ausgeschlossen sind.

Christoph Fleischmann: Wem gehört die Zeit? Der Mensch im Takt des Kapitalismus, S. 103-111

Jeden Tag erleben wir technologische Innovationen, die das Leben des Menschen erleichtern sollen. Dennoch scheint die Zeit für den Einzelnen immer knapper, scheinen die Menschen immer gehetzter zu werden. Christoph Fleischmann, Theologe und Journalist, sucht nach Erklärungen für dieses scheinbare Paradox. Er findet sie in der Entwicklung des Kapitalismus seit dem Spätmittelalter – in der forcierten Fremdbestimmung durch das Geld und in der Veränderung des Zeitempfindens. Der „Geist des Kapitalismus“ wird zum Produzenten des permanenten Burnouts.

Joachim Perels: Die negierte Schuld. Wie Theodor Eschenburg die NS-Beamtenschaft rechtfertigt, S. 113-120

Der Streit über die Rolle des Politikwissenschaftlers Theodor Eschenburg in und nach der NS-Zeit hat auch in den „Blättern“ eine leidenschaftliche Debatte ausgelöst. Der Jurist Joachim Perels zeichnet nach, wie Eschenburg in der „Zeit“ diverse NS-Schreibtischtäter – von Globke über Krosigk bis Weizsäcker – völlig unkritisch in Schutz genommen hat. So offenbart sich am Beispiel Eschenburgs ein Geist der Ära Adenauer, der offensichtlich noch immer der Aufarbeitung bedarf.

(aus: »Blätter« 1/2014, Seite 39-40)

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