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Kapitalismus in der Krise

Thomas Piketty und das Märchen vom Gleichheitskapitalismus

von Rainer Rilling

Endlich ist Thomas Pikettys „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ auch auf Deutsch erschienen. Bereits im Vorfeld hatte das neue „Kapital“ für großes Aufsehen gesorgt. Dabei handelt es sich um ein Buch, das im „Niemandsland“ zwischen Ökonomie und Geschichte wandert. Der Autor rechnet es der „politischen Ökonomie“ zu. Die Assoziation zu Marx‘ „Kapital“ hinterlässt viele Spuren in Pikettys Text. Sie ist symbolisch, trendy, fragwürdig, zuweilen wirklichkeitsnah – mehr aber auch nicht. Und dennoch handelt es sich zweifellos um ein bedeutendes Werk.

Worum also geht es nicht? Der Text ist keine „einheitliche Feldtheorie der Ungleichheit“, wie der Nobelpreisträger Paul Krugman begeistert behauptete. Erst recht geht es nicht um eine „allgemeine Theorie“ des „Kapitals“ oder gar des „Kapitalismus“ (so der Weltbankökonom Branko Milanovic), auch nicht um einen aktuellen Text über Neoliberalismus oder einen „Kapitalismus des 21. Jahrhunderts“.[1]

Letztlich behandelt das Buch einen einzigen Aspekt von Ungleichheit: In „Das Kapital des 21. Jahrhunderts“ werden ungleiche Einkommens- und Vermögensverhältnisse in europäischen und amerikanischen Staaten, einigen BRIC-Staaten und weiteren Ländern untersucht. Die historisch-empirische Analyse holt aus bis zur Frage der Ungleichheit im Altertum. Sie baut auf zahlreichen Ergebnissen der Arbeit einer von Piketty mitbegründeten internationalen Forschungsgruppe auf, die mit der World Top Income Database die aktuell weltweit umfangreichste Datensammlung zur historischen Einkommens- und Reichtumsforschung erstellt hat. Die Analysen greifen überwiegend auf Steuerdaten zurück, da sie als einzige relativ konsistente lange Reihen ermöglichen. Von diesen schließen sie auf Einkommen (Dividenden, Zinsen, Vermietung etc.) aus Kapital und bewerten es nach Marktpreisen, so dass Aussagen über die Einkommens- und Reichtumsentwicklung getroffen werden können. Immer mehr hat sich dieses Programm auf die Frage nach Vermögen oder Reichtum (wealth) verschoben, was keineswegs selbstverständlich ist – und doch auch für liberale Ökonomen wie Paul Krugman naheliegt: „Im Laufe der Zeit führt extreme Einkommensungleichheit zu extremer Vermögensungleichheit.“[2]

Durch diesen Fokus bricht „Das Kapital des 21. Jahrhunderts“ mit der klassischen und bis heute herrschenden Tradition, mit der Eigentumsfrage auch gleich die Reichtumsfrage verschwinden zu lassen. Piketty sieht zwar in der Verteilung des Reichtums „eine durch und durch politische Geschichte“ (39), verficht aber keineswegs radikalegalitäre Politiken, in deren Ergebnis Unternehmer mitsamt Privateigentum abgeschafft würden („Die Unternehmer hätten dann allerdings keine Zeit mehr, sich in Rentiers zu verwandeln, weil es sie nicht mehr gäbe.“ (787)), sondern plädiert sehr konventionell für Umverteilung durch Steuerpolitik. In einem FAZ-Gespräch Ende Mai 2014 waren von ihm sogar explizit kapitalismusenthusiastische Töne zu hören: „Ich bewundere den Kapitalismus, ich bewundere das Privateigentum und ich bewundere die Marktwirtschaft. Natürlich sehe ich, dass Wirtschaftswachstum vornehmlich im Kapitalismus entsteht. Natürlich hänge ich am Privateigentum, weil es eine Grundlage unserer Freiheit darstellt. Es gab noch niemals so viel Kapital wie heute.“[3] Was also ist, gerade aus linker Sicht, bemerkenswert an der Analyse eines Kapitalismusbewunderers?

Der neue Blick: Big Data über die Superreichen

„Das Kapital des 21. Jahrhunderts“ ist öffentliche Wissenschaft. Ungleichheit hat eine essentiell quantitative Seite und Piketty hat keinerlei Verständnis für Sozialwissenschaftler, die entsetzt die Flucht ergreifen, sobald eine Zahl ihr schreckliches Haupt erhebt: „Von den Zahlen nichts wissen zu wollen, dient selten der Sache der Ärmsten“ (793). Piketty liefert Big Data. Pikettys Werk ist ein Fall fulminanter ökonomischer Großforschung und öffentliche Wissenschaft zugleich: Alle Studien wie auch die Datenbasis und empirischen Bearbeitungen sind im Internet offen zugänglich, und das Datenkonvolut aus den letzten 250 Jahren durchkreuzt die ständigen Bestrebungen der Reichen und „ihrer“ Wissenschaften, ihren Reichtum möglichst unsichtbar zu machen.

Der besondere Wert seines „Geschichtsbuchs“[4] (Piketty) aber liegt in dem grundlegenden Wandel des Blicks auf die Geschichte der Ungleichheit des Kapitalismus, den der Autor im Ergebnis seiner Datenanalyse vorschlägt. Er formuliert eine empirisch grundierte Gegenthese zu dem einschlägigen großen „Märchen“ (25) der US-Wirtschaftswissenschaften, das 1953/54 der einflussreiche damalige Präsident der American Economic Association, Simon Kuznets, in mehreren Studien formulierte, wonach die wachsende Ungleichheit in der Entstehungsphase des Kapitalismus mit der zunehmenden Industrialisierung von einer gleichsam ewigen Ära zunehmender Gleichheit abgelöst worden sei. Eine Erzählung mit Happy End, die gut in die kalte Zeit der Systemkonkurrenz gepasst hat.[5]

Piketty setzt dagegen, dass die Vergrößerung der Einkommens- und Vermögensungleichheit im Kapitalismus nicht die Ausnahme, sondern die Norm sei. Zwar gäbe es Regionen und Zeiträume, in denen die Ungleichheiten zurückgingen – so grosso modo in Europa zwischen 1914 und Anfang der 70er Jahre –, wovon dann das Alltagsbewusstsein wie die wissenschaftlichen Konzepte geprägt wurden. Es dominierten die zwei großen Erzählungen wachsender Gleichheit im „Zeitalter der Katastrophen“ (bis 1945) und dem folgenden „goldenen Zeitalter“ (Hobsbawm). Generationen wurden von dieser großen integrativen Sozialerzählung vom Gleichheitsversprechen des Kapitalismus geprägt. Für Piketty sind dies jedoch Abweichungen und Ausnahmen aufgrund „seltener Umstände“.[6] Trotz allen Gewichts und historischer Dauer stehen sie für keine systemische Normalität. „Ungleichheit ist ein Charakterzug kapitalistischer Wirtschaften, kein Fehler.“[7] Damit stellt Piketty sich in die Tradition anderer Ökonomen wie Hyman Minsky. Als Beleg ruft er nicht die Daten und Bilder anhaltender oder wachsender absoluter Verelendung auf, sondern verweist auf die Nachhaltigkeit der Akkumulation und Konzentration des Reichtums. Der Kapitalismus ist eine expandierende Ungleichheitsmaschine, die gezähmt und letztlich gestoppt werden müsse. Eine radikale Revision des einst so fest verankerten optimistischen Gleichheits- und Aufstiegsversprechens des Kapitalismus also. Allerdings zugleich auch ein Reichtumsversprechen für die Seite des Kapitals – vorausgesetzt, dass alles so weitergeht wie bisher.

Präzedenzfall Vereinigte Staaten

Die politische Motivation Pikettys ist an ein Forschungsinteresse gekoppelt, das sich definitiv von den gängigen Herangehensweisen in seiner Zunft unterscheidet: „Ich wollte verstehen, wie Reichtum oder Super-Reichtum dazu beiträgt, die Kluft der Ungleichheit zu vertiefen. Was ich herausfand, ist [...], dass das Tempo, mit dem diese Kluft wächst, immer schneller und schneller wird. Man muss sich fragen, was dies für normale Menschen bedeutet, die keine Milliardäre sind und es nie sein werden. Ich denke, das bedeutet in erster Linie eine Verschlechterung des allgemeinen wirtschaftlichen Wohlstands, mit anderen Worten die Verschlechterung des öffentlichen Sektors […]. Kapitalisten glauben ganz grundsätzlich daran, dass das Kapital die Welt rettet. Und das ist einfach nicht der Fall.“[8] Vor allem am Beispiel der USA (mittlerweile aber auch anhand von zwei Dutzend weiteren Ländern) diagnostizieren Piketty, Anthony Atkinson, Emmanuel Saez, Gabriel Zucman und andere Autoren eine massiv beschleunigte Konzentration des Einkommens und Vermögens (Primäreinkommen, vor Steuern und Transfers).[9] Allgemein gilt, dass auch in den USA die Reichtumskonzentration durchgängig wesentlich höher ist als die Konzentration der Einkommen (2010 bei 70 Prozent bzw. bei 35 Prozent). Der Anteil der unteren Hälfte liegt bei 2 Prozent des Vermögens (in den meisten europäischen Staaten bei weniger als 5 Prozent) und bei 20-30 Prozent des Einkommens (326, 338). Der Anteil der oberen 10 Prozent am Vermögen in den USA lag zwischen 1917 und 2012 nach Saez/Zucman nie unter 60 Prozent. Seit 1987 ist dieser Anteil um rund 10 Prozentpunkte auf rund 75 Prozent kontinuierlich angestiegen, in den meisten Staaten Europas liegt er bei knapp 65 Prozent. Noch ist in einigen Ländern Nordeuropas, aber auch etwa in Japan die Konzentration des Reichtums etwas geringer.

Doch mittlerweile sind die Einkommensunterschiede zwischen den obersten „1 Prozent“ und dem Rest der oberen 10 Prozent weitaus größer geworden als die zwischen den obersten 10 Prozent und dem Durchschnittseinkommen. Betrachtet man die „Top 1 Prozent“ isoliert, dann zeigt sich, dass deren Anteil zwischen 1978 und 2013 von knapp 25 Prozent auf rund 40 Prozent angestiegen ist, also stark zugenommen hat. Der Anteil der sogenannten middle rich (Top 10 bis Top 1 Prozent) dagegen ist seit Mitte der 70er Jahre um fast 10 Prozent auf 35 Prozent gefallen. Nach aktuellen Daten zogen in den Vereinigten Staaten die „Top 1 Prozent“-Haushalte in der Periode der großen Krise unter Obama 2009-2012 95 Prozent des gesamten Einkommenszuwachses an sich; das waren in der Bush-Zeit (2001-2007) 75 Prozent und unter Clinton 1991-2000 „nur“ 47 Prozent. Mit anderen Worten: Im Zeitraum 1977 bis 2007 hatten sich die „Top 1 Prozent“ fast 60 Prozent des Gesamtwachstums des US-amerikanischen Nationaleinkommens angeeignet.[10] Im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte wurde damit ein Anteil von mehr als 15 Prozent des Nationaleinkommens in den USA von den unteren 90 Prozent auf das oberste Zehntel verlagert.

Nicht nur in den USA setzt sich dieser Trend ungestört vom medialen und politischen Rauschen über die Regulierung der Finanzmärkte fort. Wer zu den reichsten 1 Prozent Europas gehört, besitzt im Schnitt 5 Mio. Euro, wer zur unteren Hälfte der Bevölkerung Europas gehört, besitzt im Schnitt 20 000 Euro Vermögen (339, 341). Zwei aktuelle Beispiele: Die 1000 reichsten Briten konnten 2013 ihr Vermögen von 637 Milliarden Euro um 15,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern – und damit gegenüber 2009 verdoppeln. „Ich habe noch nie einen so sagenhaften Anstieg von Privatvermögen gesehen wie bei den reichsten 1000 Briten im vergangenen Jahr“, zitiert die „Sunday Times“ den Autor des Reichen-Rankings der Zeitung. Der aktuelle „Wealth Report“ der Boston Consulting Group vermerkt für 2013 einen Anstieg des globalen Privatvermögens um 14,6 Prozent auf 152 Billionen Dollar (2012: plus 8,7 Prozent), die Zahl der Millionärshaushalte wuchs in 2013 auf 16,3 Mio. US-Dollar (2012: 13,7). Das sind 1,1 Prozent der Haushalte der Welt. Die in diesem Bericht erfasste Spitzengruppe der „Ultra-high-net-worth-Haushalte“ (mehr als 100 Mio. Dollar) hielt in 2013 5,5 Prozent des gesamten privaten Reichtums (8,4 Billionen Dollar), ein Anstieg um 19,7 Prozent gegenüber 2012; die Verfasser rechnen mit einem Zuwachs auf 13 Billionen Dollar (6,5 Prozent) bis Ende 2018. Forbes zählt für die weltweit 1646 Milliardäre des Jahres 2014 ein Vermögen von 6,4 Billionen Dollar zusammen.[11] Der verbreitete Hinweis auf den Aufstieg der Mittelklassen in den BRIC-Staaten oder auf globale Angleichungen der Durchschnittseinkommen ist kein Argument gegen das zunehmende Auseinanderklaffen der Vermögen. „Die Vermögen der weltweit reichsten Menschen wachsen dreimal so schnell wie die Durchschnittseinkommen.“[12]

Die obersten 0,1 Prozent

Die Untersuchung der Konzentration der Einkommen und des Vermögens in den USA führte mittlerweile zu einer Relativierung der Formel von den „1 Prozent“ (mehr als 4 Mio. Dollar), denn die Musik spielt bei der Verteilung innerhalb der 1 Prozent.[13] Während der Anteil der „1 Prozent“ am Vermögen zwischen 1978 und 2012 von knapp 25 Prozent auf 40 Prozent angestiegen ist, haben die reichsten 0,1 Prozent der US-Haushalte (mehr als 20 Mio. Dollar) zwischen 1960 und 2012 ihren Anteil an Vermögen von weniger als 10 Prozent auf über 20 Prozent verdoppelt. Dass die „Top 1 Prozent“ ihren Anteil am Vermögen in dieser Zeit steigern konnten, geht also überwiegend auf die Zunahme des Anteils der obersten 0,1 Prozent zurück. Gerade für sie gelten die Zeilen Heinrich Heines aus seinem Gedicht „Weltlauf“: „Hat man viel, so wird man bald noch viel mehr dazubekommen.“ Aber mehr noch: Während der Anteil der 1-0,1-Prozent-Gruppe (die mereley rich mit zwischen 4 und 20 Mio. Dollar) seit den 1980ern praktisch stagnierte, ist der Anteil der 0,1-0,01-Prozent-Gruppe zwischen 1960 und 2012 von über 6 Prozent auf fast 11 Prozent des Vermögens angestiegen. Und endlich: Der Anteil der obersten 0,01 Prozent (rund 16 000 Haushalte mit mehr als 100 Mio. Dollar) am Reichtum in den USA hat sich in dieser Zeit von gut 3 auf über 11 Prozent (2013) fast vervierfacht. Die Top 400 der „rich list“ der Zeitschrift „Forbes“ (das entspricht 0,00025 Prozent) verdreifachten ihren Anteil am Vermögen zwischen 1983 und 2013 von gut 1 Prozent auf über 3 Prozent. Der Anteil des Finanzsektors in den „Top 0,1 Prozent“ der Einkommensbezieher in den USA ist mittlerweile auf 20 Prozent angestiegen.

Die 0,1 Prozent wurden von der großen Krise kaum betroffen. Ganz im Gegenteil: „Einige wenige Reiche könnten“, so Piketty, „rein theoretisch in 30 bis 40 Jahren fast das komplette weltweite Vermögen besitzen.“[14] Dies allein bietet Anlass genug, die berechtigte Skepsis gegenüber historisch-politisch problematisch aufgeladenen und analytisch wenig vertieften Begriffen wie „Oligarchie“ oder „Plutokratie“ zu überdenken. Reichtum wirkt als Macht und begründet Souveränität, die Staatsmacht oft weit überschreitet und kaum benötigt.

Patrimonialer Kapitalismus

Auch die wachsende Bedeutung des vererbten Vermögens bringt Piketty wieder neu ins Spiel. Allein die vier Mitglieder der Familie Walton (Wal Mart) belegen aktuell die Plätze 9, 10, 11 und 12 der Bloombergschen Milliardärsliste der „Global Rich“[15]. Sie besitzen mittlerweile mehr ererbtes Vermögen als die unteren 50 Mio. Haushalte in den USA zusammengenommen. Gegenwärtig machen vererbte Vermögen rund ein Drittel der „Forbes 400“ aus.

In Ländern wie vor allem Frankreich, aber auch Deutschland, etwas weniger auch England und den USA ist im letzten Vierteljahrhundert der Anstieg der Hocheinkommen und des Reichtums durch Vererbung erneut zu einer Schlüsselfrage geworden. Bereits 2010 machte vererbtes Kapital in Frankreich zwei Drittel des privaten Kapitals aus. Erbschaftspolitik und die Entwicklung der Erbschaftsteuern werden in den nächsten Jahrzehnten ein zentrales Feld der Verteilungs- und Gerechtigkeitspolitik werden, denn in einer Reihe von Ländern wird Kapital aus Erbschaften oder unter Familien- und Clankontrolle zu einem noch weit zentraleren politischen Akteur werden, als es heute schon der Fall ist.

Allerdings sind der krasse Anstieg der Hocheinkommen, die Reichtumskonzentration und das Ansteigen der Erbschaften in den USA und einigen anderen Ländern (Piketty nennt dies „plutokratischen Extremismus“) offenbar auch dadurch entstanden, dass ein großer und wachsender Teil der Unternehmensgewinne an die „Supermanager“ (wie auch die Aktionäre) weitergegeben worden ist, während beispielsweise in der Bundesrepublik diese im Unternehmen verblieben und insofern die Vermögen – das Kapital – der reichen Haushalte vergrößern, ohne als Einkommen aus Arbeit gerechnet zu werden. Freilich fällt auch in Deutschland dem „1 Prozent“ mit dem höchsten Einkommen rund 13 Prozent der Einkommen zu – mehr als in Schweden, Frankreich oder England. Nicht berücksichtigt wird bei solchen Angaben zur Reichtumsverteilung, dass die Superreichen sich den offiziellen, aber freiwilligen Haushaltsumfragen entziehen – weshalb dort Milliardäre in aller Regel erst gar nicht vorkommen (Vermeulen) – und alle hier genannten Daten nicht berücksichtigen, dass rund 8 Prozent des globalen Reichtums in Steueroasen gebunkert sind.[16] Die Ungleichverteilung ist krass unterzeichnet, wenn die „unsichtbaren Reichen“ (Krugman) in den Wolken verschwinden.

Dass die „Supermanager“ der Finanzindustrie, die „Supergehälter“ beziehen, zu einer neuen, dauerhaften Sozialkategorie der Rentiers werden, deutet Piketty an (398 f.). Dieses massive Auftreten des vererbten Reichtums und der Supermanager nicht zuletzt aus der neuen Top-Gruppe der Hedgefonds bedeutet eine soziale und kulturelle Verfestigung der ökonomischen Macht. Der patrimoniale Kapitalismus wirft einen langen Schatten.

Das Kapital ist zurück: r > g

Was ist der Hintergrund all dieser Entwicklungen?

Das Top-Medium des Marktradikalismus – der britische „Economist“ – hat Pikettys Kernthese in dem Satz zusammengefasst: „Reichtum wächst schneller als die gesamte Wirtschaft.“ Piketty sieht hier „die grundlegende divergenzfördernde Kraft“ (44), ja die „mächtigste destablisierende Kraft“, gar den „zentrale[n] Widerspruch des Kapitalismus“ (785). Dass „die Vermögensrendite größer als die Rendite aus Arbeit“ sei, ist für ihn eine „historische Norm“, die „für die meiste Zeit der menschlichen Geschichte“ gelte.[17] Auf lange Zeit – also im Kapitalismus (und davor) – wachse die Rendite (r wie return) auf Kapital[18] tendenziell schneller als die Wachstumsrate des jährlich verfügbaren Einkommens aus Arbeit und Kapital bzw. die Wirtschaftsleistung (g für growth), und es konzentrierten sich Einkommen und Vermögen immer mehr an der Spitze der Gesellschaftspyramide.

Piketty folgt hier der verbreiteten Annahme aus der neoklassischen Schule, dass steigende Produktivität durch technologischen Fortschritt und zunehmendes Bevölkerungswachstum die eigentlichen Treiber des Wirtschaftswachstums seien. Bei stark wachsenden Renditen auf Kapital oder sinkendem (auch Bevölkerungs-)Wachstum erhöhe sich die Ungleichheit. Rund die Hälfte des Wachstums des Bruttosozialprodukts ging im letzten Jahrhundert auf das Bevölkerungswachstum zurück – ein Trend der für Piketty/Zucman beendet ist: „Das Kapital ist zurück, weil das langsame Wachstum zurück ist.“[19] Wie diese Ungleichheit in die Welt kommt und inwieweit sie mit Eigentumsverhältnissen zusammenhängt, interessiert ihn allerdings nicht.

Die wachsende Ungleichheit resultiere weiter aus der Zunahme des Einkommens, das in Form von Profiten, Mieteinkommen oder Zinsen in das Kapital fließt und dort nur zu einem geringen Anteil konsumiert wird, sondern nach Neuanlage als Kapital sucht. Nehme die allgemeine Wachstumsrate ab, dann müsse irgendwann auch das Wachstum des Einkommens aus Kapital fallen – aber im Zweifel langsamer. Nicht die Bewegung des Einkommens aus Arbeit, sondern das Einkommen aus Kapital ist der große Treiber der Ungleichheit. Großer Reichtum wird also nicht als Arbeitseinkommen erarbeitet, sondern entsteht als Einkommen aus Vermögen und zunehmend aus vererbtem Vermögen.

Die Rendite auf Kapital (r), also die Ertragsrate auf Sach- und Finanzvermögen – letztlich nur eine empirische Messgröße –, lag nach Piketty in den letzten 250-300 Jahren bei etwa 4 bis 5 Prozent pro Jahr gegenüber dem Wachstum aus dem gesamten Einkommen, also des Bruttoinlandsprodukts (g), das in den reichen Ländern zwischen 1 und 2 Prozent im Jahr zunahm. Jedediah Purdy hat in der „Los Angeles Review of Books“ die Konsequenz veranschaulicht: „Reichtum zeugt Reichtum: Bei einer Ertragsrate von fünf Prozent verdoppelt sich der Wert des Kapitals alle 14 Jahre, während bei einem Wachstum von zwei Prozent die Wirtschaft 35 Jahre benötigt, um sich zu verdoppeln. Das bedeutet, dass im Laufe eines Jahrhunderts sich der zusätzliche Reichtum sieben Mal verdoppelt hat und 128 Mal größer als zu Beginn ist, während die Wirtschaft nur um das Achtfache gewachsen wäre.“[20] Die Ertragsrate auf Sach- und Finanzvermögen ist also auf lange Sicht deutlich höher als die Ertragsrate auf den Besitz der Arbeitskraft bzw. die Wachstumsrate.

Nicht Gesetz, sondern Wahrscheinlichkeit

Was Piketty in einer Formel r > g ausdrückt, wird von ihm – anders als seine Kritiker häufig unterstellen – nicht als Gesetz, sondern vorsichtig als „Wahrscheinlichkeit“ oder „Tendenz“ beschrieben. In einem Interview Ende Juni 2014 formulierte er: „Ich behaupte nicht, dass es genau so und nicht anders kommen wird. Eine Prognose über die kommenden Jahrzehnte ist mit vielen Unsicherheiten behaftet. Die Kapitalrenditen müssen nicht so hoch bleiben und das Wirtschaftswachstum kann wieder zulegen und damit die Ungleichheit reduzieren. Aber es gibt ein Risiko, dass sie weiter steigt, dessen müssen wir uns bewusst sein.“[21]

Und er schließt Ausnahmen nicht aus – im Gegenteil: Die zentrale Ausnahme war die Zeit zwischen dem Beginn des Ersten Weltkriegs und der zweiten Hälfte der 70er Jahre, als Kapital in großem Maßstab durch Kriege zerstört, Finanzvermögen durch Inflation und Krisen entwertet oder enteignet wurde und die hohen Steuerquoten die Renditen aus Kapital beträchtlich schmälerten. Nach dem Krieg wurden hohe Wachstumsraten erzielt, die eine korporative Aufteilung des Einkommens einschlossen, Einkommen aus Kapital und das Erwerbseinkommen also ungefähr die gleichen Steigerungsraten hatten und das Durchschnittseinkommen stieg. Vor allem entfalteten sich Mittelschichten, die aus eigenem Einkommen ein gewisses Vermögen bilden konnten. Es war dann die Zeit, die in Frankreich „les trente glorieuses“ (1945-75) und hierzulande in den 50ern und frühen 60ern das „Wirtschaftswunder“ genannt wurde. Mit Branko Milanovic könnte man sie auch eine „spezielle Periode“ in der Geschichte des Kapitalismus nennen – eine Periode, in der aus r < g nunmehr g > r wurde. Die Erklärungen für die über ein halbes Jahrhundert (!) andauernde lange Ausnahme der U-Kurve des Kapital-Einkommen-Verhältnisses, die Piketty bietet, sind freilich unzureichend.[22]

Während daher Anfang der 70er Jahre in allen reichen Ländern der Wert des Privatvermögens nur noch zwischen 200 Prozent und 350 Prozent des jährlich entstandenen Volksvermögens lag, ist er seit dem Ende dieser „speziellen Periode“ bis Anfang des jetzigen Jahrzehnts auf 400 Prozent bis über 700 Prozent gestiegen. Die fetten Jahre sind somit zurück, und Piketty resümiert: „Die Ungleichung r > g entspricht also, um das zusammenzufassen, unbestreitbar einer historischen Realität, die sich bis zum Ersten Weltkrieg nachweisen lässt und mit der wir es zweifellos im 21. Jahrhundert wieder zu tun bekommen. Aber es handelt sich um eine soziale und politische Realität, die nicht nur in weitem Umfang davon abhängt, welche Schocks die Vermögen heimsuchen, sondern auch davon, welche Politik der öffentlichen Hand und welche Einrichtungen aufgeboten werden, um das Verhältnis Kapital/Arbeit zu regulieren.“ (474) Nach seinem deutlich vorsichtigen Szenario für das laufende Jahrhundert könnte an dessen Ende ungefähr das Niveau erreicht werden, das in Europa vom 18. Jahrhundert bis zur Belle Époque beobachtet wurde. Mit anderen Worten könnte 2100 der gesamte Planet wie Europa an der Wende zum 20. Jahrhundert aussehen (295 f.). Piketty erinnert im Gespräch mit der „tageszeitung“ an diese Zeit am Beispiel des Paris im Jahr 1913: Ein Prozent besaß 70 Prozent des Vermögens und zwei Drittel der Bevölkerung hatten bei ihrem Tod so wenig Besitz, dass ihre Beerdigungskosten davon nicht bezahlt werden konnten. 

Auf dem Weg nach Richistan?

Derlei dystopische Aussichten auf einen patrimonialen Downton-Abbey-Kapitalismus oder das Mark Twainsche vergoldete Zeitalter (Gilded Age) der Zeit nach dem US-Bürgerkrieg bis 1914 laufen auf einen Low-Growth-Capitalism mit hoher Ungleichheit, ein paar Sozialstaatsresten und niedriger sozialer Mobilität hinaus. Einheirat auf hohem Kapitalisierungsniveau empfiehlt sich, und die Aussichten auf eine Domestikenkarriere steigen deutlich: „Sollte der amerikanische Trend sich fortsetzen, so könnten, wiederum bei einem Durchschnittsgehalt von 2000 Euro, die Monatseinkommen um das Jahr 2030 sogar 9000 Euro für die obersten 10 Prozent (davon 34 000 für die obersten 1 Prozent), 1750 Euro für die mittleren 40 Prozent, und nur 800 Euro für die unteren 50 Prozent betragen. Das heißt konkret, dass die obersten 10 Prozent nur einen kleinen Teil ihres Einkommens aufwenden müssten, um große Teile der unteren 50 Prozent als Dienstboten zu beschäftigen.“ (337)

Ist also Richistan das Land der Zukunft, ein Land der Höflinge, Schranzen, Butler, Schmeichler, Familiendynastien und subalternen Dienerschaften? In einem solchen „patrimonialen Kapitalismus“ (Piketty) mit hohem Wachstum und durch politische Eingriffe nicht gemindertem Return auf Kapital würde die Ungleichheit weiter aufblühen und die Zeiten eines fordistisch-keynesianistischen Golden Age (Hobsbawm) wären definitiv vorbei. Tatsächlich wäre ein Richistan 2.0 eher ein Gated Capitalism, wo Märkte, Finanzialisierung und Zäune aller Art eine historisch unerhörte Verallgemeinerung von Ungleichheit, Macht und Subalternität erlauben und erfordern, demgegenüber die viktorianisch-wilhelminische Downton-Abbey-Zeit so betulich erscheint, wie uns dies der britische ITV-Sender in seiner Soap über die zerfallenden Parallelgesellschaften des britischen Niedrigadels ja auch so fabelhaft vorführt. Pikettys Schlussbilanz lässt diese Aussicht kaum ahnen, ist aber deutlich: „Die allgemeine Lehre, die sich aus den untersuchten Daten ziehen lässt, ist die, dass die Dynamik einer auf Privateigentum beruhenden Marktwirtschaft, wenn sie sich selbst überlassen bleibt, [...] machtvolle Divergenzkräfte [freisetzt], die unsere demokratischen Gesellschaften und jene soziale Gerechtigkeit bedrohen, die zu ihren Legitimationsgrundlagen zählt.“ (785)

Aus diesem einfachen, alten und neu begründeten Befund und seiner komfortablen Handlungsoption („Genau darum geht’s: Reichtum besser zu verteilen. Man hält die Steuereinnahmen konstant, aber legt sie so um, dass 90 Prozent der Bevölkerung weniger zahlen – und in Aktien investieren oder ihr Eigenheim erwerben können.“[23]) ergibt sich der Grund für die überwältigende Resonanz, teils noch vor der Lektüre, auf das Buch – primär in den USA, generell im angloamerikanischen Raum, auch in Frankreich und, wenn auch noch deutlich weniger, in Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Am Ende des Märchens von der Gleichheit

In dieser Situation beginnt sich das Gleichheitsversprechen als die eigentliche große, integrative Sozialerzählung des Kapitalismus aufzulösen und die Magie der vielen liberalen Rechtfertigungswörter der Ungleichheit wie Leistung, Lohn, Anerkennung, Chancen, Effizienz, Begabung, Vermögen, Glück, Verdienst, Freiheit etc. gleich dazu. Natürlich ist das große Märchen vom Gleichheitskapitalismus mitsamt den vielen Versprechen – „sozialer Aufstieg“ oder „Generationsversprechen“ – nicht verschwunden, aber seine Wirksamkeit ist nach drei Jahrzehnten Erfahrung wachsender Einkommens- und Vermögensungleichheit deutlich geschwächt. Um 1987 begann sich in den USA die Kritik der ökonomischen Ungleichheit neu zu verbreiten, hatte ihren Höhepunkt 1996 und stieg nach 2007 erneut an. Zwei Drittel der US-Amerikaner gehen mittlerweile davon aus, dass ihre Gesellschaft immer ungleicher wird und die Rede von den undeserving rich (Leslie McCall) breitet sich aus. Die Nennung von „Ungleichheit“ in den Medien vervielfachte sich; Gleichheit wurde immer mehr zum Thema.[24] Ganz ähnlich sieht der Trend in Europa aus.

Auch international diagnostizieren plötzlich der Internationale Währungsfonds IWF („Die wachsende Ungleichheit schadet der Wirtschaft“) oder die OECD als die globale Kernorganisation des Industriestaatenneoliberalismus („Seit den 80er Jahren nimmt in allen Industrieländern die Ungleichverteilung bei Einkommen und Vermögen zu“) das glatte Gegenteil ihrer bisherigen Analysen und Ratschläge. Papst Franziskus meldete sich ebenfalls zu Wort. Das Trickle-down-Versprechen verkehrt sich in eine wohlfeile Trickle-up-Schelte. Präsident Obama ernannte gar vor wenigen Monaten die Ungleichheit zur „wichtigsten Herausforderung unserer Zeit“ – kaum denkbar, einen vergleichbaren Satz von der bundesdeutschen Kanzlerin zu hören. Auch bei einem Teil der kapitalismusbegeisterten, zumeist neoklassischen Ökonomen gelten wie für Piketty „exzessive“ Ungleichheit und Armut plötzlich als Krisenursache und Wachstumsbremse – dem Kapital gingen gleichsam die Kunden und Steuerzahler aus. Anders als bei ihm bleiben hier jedoch frontale Analysen und Wendungen vor allem gegen den neuen Superreichtum aus.

Im für seine Cartoons berühmten „New Yorker“ erschien 1988 eine Zeichnung von Joseph Mirachi. Hier entspannten sich zwei gesetzte Geschäftsleute in der gepflegten Landschaft ihres Clubs. Der eine schaut von seiner Zeitung auf und sagt zu seinem Nachbarn: „Die Armen werden ärmer, aber da die Reichen immer reicher werden, gleicht sich das alles auf lange Sicht hin aus.“ Doch es gibt kein selbstlaufendes „happy end about inequality and capitalism“[25]. Das Zentralmoment des Reichtums bricht mit hoher Dynamik aus den vielen Achsen der Ungleichheitsverhältnisse aus. Die Richtung, in die eine große Intervention gehen muss, ist unausweichlich: Sie muss eine lange historische Periode der Transformation von r>g in r<g einleiten. Im Zentrum steht der radikale Eingriff in die Verteilungs-, Eigentums- und Machtverhältnisse. Und plötzlich wird die Zeit knapp, aber wir wissen nicht, wie knapp.

 


[1] Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert, München 2014. Vgl. Paul Krugman, Thomas Piketty oder Die Vermessung der Ungleichheit, in: „Blätter“, 6/2014, S. 71-81; Heather Boushey, Review of Capital in the Twenty-First Century, in: „Challenge“, 3/2014, S. 84-96, hier: S. 85; Branko Milanovic, The return of „patrimonial capitalism“: review of Thomas Piketty’s Capital in the 21st century, MPRA-Paper 52384, 21.12.2013; John Weeks, Why Is Capital In The 21st Century Such A Success?, www.social-europe.eu, 30.5.2014.

[2] Paul Krugman, Now That’s Rich, in: „The New York Times“, 8.5.2014.

[3] Ökonomen im Gespräch: Thomas Piketty über seine Bewunderung des Kapitalismus, in: „Fazit-Blog“, https://blogs.faz.net, 25.5.2014.

[4] „Wir sollen alle Kapitalisten werden“, Interview mit Thomas Piketty, in: „Die Welt“, 12.5.2014.

[5] Simon Kuznets, Shares of Upper Groups in Income and Savings, New York 1953 sowie ders., Economic Growth and Income Inequality, in: „The American Economic Review“, 1/1955, S.1-30.

[6] Thomas Piketty, „Ich brauche das Geld nicht“ (Interview), in: „die tageszeitung“ (taz), 25.6.2014.

[7] Kathleen Geier, What Piketty’s Conservative Critics Get Wrong, in: „The Baffler“, 28.4.2014, www.thebaffler.com.

[8] Interview mit Thomas Piketty in „The Guardian“, 13.4.2014.

[9] Vgl. Thomas Piketty und Emmanuel Saez, Inequality in the long run, in: „Science“, 23.5.2014, S. 838-843, http://piketty.pse.ens.fr/fichiers/PikettySaez2014Science.pdf; Emmanuel Saz und Gabriel Zucman, The Distribution of US Wealth, Capital Income and Returns since 1913, März 2014; Steven Rattner, The Rich Get Even Richer, in: „The New York Times“, 25.3.2012; Wealth of Britain‘s richest 1,000 people hits new high of £519bn, in: „The Guardian“, 18.5.2014; Top-1000-Ranking: Nie waren Großbritanniens Reiche vermögender, www.spiegel.de, 18.5.2014; BCG, Global Wealth 2014. Riding a Wave of Growth, Boston 2014, http://static.pulso.cl.

[10] Neil Irwin, The Benefits of Economic Expansions Are Increasingly Going to the Richest Americans, in: „The New York Times“, 26.9.2014.

[11] Vgl. www.forbes.com/billionaires.

[12] Thomas Piketty, „Die politische Architektur der EU ist ein Monster“ (Interview), in: „Die Zeit“, 25.6.2014.

[13] Vgl. Saez/Zucman, Distribution; Derek Thompson, How You, I, and Everyone Got the Top 1 Percent All Wrong, in: „The Atlantic“, 30.3.2014; Juncture interview: Thomas Piketty on capital, labour, growth and inequality, www.ippr.org/juncture, 14.5.2014. Das gilt offenbar auch für zahlreiche Länder in Europa, Lateinamerika, Indien, Russland und China – wer einer Mixtur aus Oligarchen, Plutokraten und Milliardären nachgeht, kommt jenen, die dort viel mehr dazubekommen haben, wohl am nächsten.

[14] Vgl. Interview mit Thomas Piketty in: „Die Zeit“, a.a.O.

[15] Vgl. die Auflistung unter: www.bloomberg.com/billionaires/latest/ada.

[16] Gabriel Zucman, Steueroasen – Wo der Wohlstand der Nationen versteckt wird, Frankfurt 2014; Facundo Alvaredo, Anthony Atkinson, Thomas Piketty und Emmanuel Saez, The top 1 percent in international and historical perspective, in: „Journal of Economic Perspectives“, 3/2013, S. 3-20; Philipp Vermeulen, How Fat is the Top Tail of the Wealth Distribution?, in: „Working Paper Series 1692“ der EZB, Frankfurt 2014. Vermeulen bezieht die Daten der Forbes-Milliardärsliste ein und kalkuliert den Anteil der reichsten 1 Prozent in Deutschland auf 32 Prozent des Gesamtvermögens, die reichsten 5 Prozent besitzen die Hälfte. Generell zu den „0,1 Prozent“ Georgina Murray, We are the 1 Prozent: Über globale Finanzeliten, in: „Aus Politik und Zeitgeschichte“, 15/2014, S. 15-22 sowie Hans-Jürgen Krysmanski, 0,1 Prozent. Das Imperium der Milliardäre, Frankfurt 2012.

[17] Thomas Piketty, „Die Mittelklasse schrumpft weiter“ (Interview), in: „Frankfurter Rundschau“, 6.6.2014.

[18] Für Piketty umfasst „Kapital“ Güter und Dienste, die auf Märkten geldwert getauscht werden können und die er unterschiedslos als Kapital, Vermögen oder Reichtum bezeichnet. Für Marx dagegen ist das Kapital ein in sich widersprüchliches, sich krisenhaft reproduzierendes gesellschaftliches Verhältnis zwischen gesellschaftlichen Gruppen, das sich vermittels Produktion, Aneignung, Exklusion und Kommando realisiert. Im Einzelnen dazu: Stephan Kaufmann und Ingo Stützle, Kapitalismus: Die ersten 200 Jahre, Berlin 2014.

[19] Thomas Piketty und Gabriel Zucman, Capital is Back: Wealth-Income Ratios in Rich Countries, 1700-2010, Paris 2013.

[20] Jedediah Purdy, To Have and Have Not, in: „Los Angeles Review of Books“, 24.4.2014, www.la-reviewofbooks.org.

[21] Thomas Piketty, The Market and Private Property Should Be the Slaves of Democracy, www.truth-out.org, 30.5.2014. 

[22] Vgl. zur Kritik: Rainer Rilling, Die Ungleichheitsmaschine, in: „Telepolis“, 6.9.2014, www.heise.de; ders., Pikettys Big Data, in: „LuXemburg“, 2/2014 S.126-131.

[23] Thomas Piketty, „Ich will Reichtum besser verteilen“, in: „Kurier“, 6.10.2014, www.kurier.at.

[24] Dan Ariely, Americans Want to Live in a Much More Equal Country (They Just Don’t Realize It), in: „The Atlantic“, 2.8.2012, www.theatlantic.com; Leslie McCall, The Undeserving Rich. American Beliefs about Inequality, Opportunity, and Redistribution, Cambridge 2013.

[25] Piketty, The Market and Private Property..., a.a.O. 

(aus: »Blätter« 11/2014, Seite 81-91)
Themen: Kapitalismus, Armut und Reichtum und Neoliberalismus

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