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Kurzgefasst

Norman Birnbaum: Nach Obama: Die Welt vor Trump?, S. 39-46

Unerwartet lange gelang es dem Sozialisten Bernie Sanders, Hillary Clinton im US-amerikanischen Vorwahlkampf vor sich her zu treiben. Sie wird sich, so der US-amerikanische Soziologe und „Blätter“-Mitherausgeber Norman Birnbaum, Sanders linken Forderungen öffnen müssen. Denn nur geeinte Demokraten könnten Donald Trump verhindern, der die Ressentiments einer zunehmend aggressiven weißen Wählerschaft anheizt. Birnbaum ist sich sicher: Trump ist die wohl größte Gefahr für die amerikanische Demokratie.

Ho-fung Hung: Chinas Glanz und Grenzen, S. 49-60

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung Chinas lässt viele schon an ein neues, alternatives Entwicklungsmodell glauben, mit Strahlkraft für den globalen Süden. Doch der Erfolg Chinas ist nicht wiederholbar, so der Soziologe Ho-fung Hung. Mehr noch: Die Volksrepublik ist fest in die neoliberale Weltordnung eingebunden. Daher sind die Folgen des chinesischen Aufstiegs widersprüchlich: In den Entwicklungsländern führt er sowohl zu neuen Abhängigkeiten als auch zu größeren Handlungsspielräumen.

Harald Welzer: Die höchste Stufe der Zensur: Das Leben in der Ich-Blase, S. 61-72

Wir leben in der digitalisierten Hyperkonsumgesellschaft. Und ob zur Überwachung oder zur Manipulation der Kunden und Wähler: Mit der Internetnutzung entstehen Kontrollmöglichkeiten, wie es sie nie zuvor gegeben hat. Der Soziologe Harald Welzer warnt: Bedroht ist neben der Freiheit auch die Individualität. Denn mit der allein konsumorientierten „Personalisierung“ schafft das Internet eine soziale Umwelt der totalen Redundanz, in der uns nichts Neues mehr erreicht.

Sandro Mattioli und Verena Zoppei: Mafiaparadies Deutschland, S. 73-80

Seit Jahrzehnten sind italienische Mafiagruppen in Deutschland hochaktiv, investieren ihr Geld, betreiben Geldwäsche und Schutzgelderpressung. Auch unschuldige Menschen sind ihnen bereits zum Opfer gefallen. Doch die deutsche Strafverfolgung ist dem Kampf gegen sie nicht gewachsen, wie die Mafia-Experten Sandro Mattioli und Verena Zoppei warnen. Daher müsse die italienische Organisierte Kriminalität auch in Deutschland endlich ernst genommen und entschieden bekämpft werden.

Felix Korsch: Systemfrage von rechts. Wie die Neue Rechte zum Widerstand aufruft, S. 81-91

Ob Ost- oder Westdeutschland: Die neuen rechten Bewegungen radikalisieren sich mehr und mehr. Dabei berufen sich ihre Vordenker auch auf das in der Verfassung verbriefte „Widerstandsrecht“. Doch wie der Journalist Felix Korsch darlegt, geht es ihnen dabei vor allem darum, die Legitimität der politischen Ordnung angesichts einer angeblich existenziellen Bedrohung zu bestreiten – um so die Systemfrage von Rechts zu stellen.

Burkhard Liebsch: Die offene Gesellschaft als ihr eigener Feind, S. 92-101

Mit dem Ende des Kalten Krieges schienen dem Westen die Feinde abhanden gekommen. Doch spätestens mit dem „Krieg gegen den Terror“ kehrte die Feindschaft in die Politik zurück – und mit ihr der Geist von Carl Schmitt. Der Philosoph Burkhard Liebsch warnt: Eine Gesellschaft, welche die anderen zu Feinden erklärt, mit denen sie nichts mehr verbindet, und sie aus dem eigenen politischen Raum ausschließt, verrät sich selbst. Die prinzipielle Offenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber Fremden ist Grundbedingung der offenen Gesellschaft.

Julia Macher: Der Pakt des Schweigens. Der Spanische Bürgerkrieg und die Pendelschläge der Geschichtspolitik, S. 102-110

80 Jahre sind seit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs vergangen, in dem Linke und Republikaner gegen die Faschisten unter Francisco Franco kämpften. Doch sind die damaligen Ereignisse ebenso wenig bewältigt wie die nachfolgende Diktatur, die erst nach dem Tod Francos 1975 endete, so die Journalistin Julia Macher. Daher spaltet das Erbe des Bürgerkrieges weiterhin die spanische Gesellschaft: Im jüngsten Wahlkampf warben einzig die linken Parteien für eine Aufarbeitung dieser Vergangenheit

Karsten Krampitz: Für Freiheit und Demokratie. Der kurze Frühling des Eurokommunismus, S. 111-120

Nie wieder war die radikale Linke so stark wie im Jahr 1976, als sich die kommunistischen Parteien West- und Ost-Europas in Ost-Berlin zu einer großen Konferenz versammelten. In ungewohnter Öffentlichkeit stellten Reformkommunisten aus dem Westen dort die sowjetische Orthodoxie in Frage – und scheiterten an deren Starrheit. Der Historiker Karsten Krampitz zeichnet diesen historischen Moment nach, der den Höhepunkt des Eurokommunismus markierte – und zugleich seinen Niedergang einläutete.

(aus: »Blätter« 7/2016, Seite 37-38)