»Armut ist für viele deutsche Kinder ein Dauerzustand« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Armut ist für viele deutsche Kinder ein Dauerzustand«

Studie der Bertelsmann Stiftung, 23.10.2017

Seit Jahren sind die Kinderarmutszahlen in Deutschland auf hohem Niveau: Im Durchschnitt ist in Deutschland jedes vierte Kind von Armut betroffen. Das bedeutet, seine Familie lebt von einem Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle, also weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens, und/oder bezieht SGB-II-Leistungen. Armut ist dabei für die meisten betroffenen Kinder und Jugendlichen ein Dauerzustand –  das belegt die vorliegende Studie.  Die  Autoren  haben  repräsentative  Daten zu Kinderarmut in Deutschland im Längsschnitt betrachtet, d. h. sie haben für einzelne Kinder nachvollzogen, wie sich das Einkommen ihrer Familie über fünf Jahre hinweg entwickelt hat. Das Ergebnis: Rund 30 Prozent dieser Kinder machen innerhalb dieses Zeitraums Armutserfahrungen. Innerhalb von fünf Jahren gibt es also durchaus Veränderungen der Einkommenssituation, nicht jedes Jahr leben dieselben Kinder in Armut. Ein Drittel der betroffenen Kinder erfährt Armut als einmalige und damit kurzzeitige Episode. Zwei Drittel von ihnen – und somit die große Mehrheit – wachsen  jedoch dauerhaft in Armut auf oder rutschen nach kurzen Phasen, in denen das Haushaltseinkommen (meist nur knapp) über der Armutsgefährdungsschwelle liegt und keine SGB-II-Leistungen bezogen werden,immer wieder ab. Vor allem für Kinder und ihre Familien im Grundsicherungsbezug ist es nahezu unmöglich, der Armut zu entkommen – mit weitreichenden Folgen.

Was  für  andere  junge  Menschen  ganz  normal  ist – Freunde  nach  Hause  einzuladen, ein Rückzugsort für Hausaufgaben, ins Kino zu gehen oder neue Winterschuhe zu kaufen –, dafür fehlt in ihren Familien oft das Geld. Die vorliegende  Studie  zeigt,  dass  insbesondere  die  Kinder, deren Familien dauerhaft SGB-II-Leistungen beziehen, häufig auf solche Dinge verzichten müssen. Aber auch schon einmalige Armutserfahrungen führen dazu, dass die betroffenen jungen Menschen im Durchschnitt mit diesen für andere „ganz normalen“ Gütern und Teilhabemöglichkeiten schlechter versorgt sind als Kinder und Jugendliche in gesicherten Einkommensverhältnissen. Besonders schwer wiegt, dass es auch um die Zukunftschancen armer Kinder nicht gut steht: Ihre Bildungsbiografien sind z. B. durch häufigere Klassenwiederholungen, schlechtere Noten und niedrigere Schulabschlüsse belasteter als die anderer Kinder und sie leiden häufiger an gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Diese negativen Folgen nehmen zu, je länger ein junger Mensch in Armut aufwächst.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

 

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