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»Ausbildung besser machen!«

Ausbildungsreport 2018 des DGB, 3.9.2018

Die Arbeitswelt wandelt sich ständig, zunehmend kommt digitale Arbeit zum Einsatz. Diese Veränderungen müssen sich auch in der beruflichen Ausbildung widerspiegeln. Denn nur eine moderne Ausbildung kann Preview auf die Arbeitswelt von morgen sein und ein Garant für den erfolgreichen Einstieg junger Menschen in das Berufsleben. Damit das duale System der Berufsausbildung auch in der Zukunft erfolgreich bleibt, sind jetzt klare Weichenstellungen in Richtung einer guten Ausbildung – einer Ausbildung 4.0 – nötig. Die Gewerkschaftsjugend begleitet diesen Transformationsprozess im Sinne der Auszubildenden und hat deshalb Forderungen formuliert: für eine zukunftsorientiere und moderne Ausbildung. 

Klar ist, dass auch mit fortschreitender Digitalisierung der Mensch und damit eine qualitativ hochwertige Ausbildung im Zentrum der Arbeitswelt von morgen stehen müssen. Eine moderne Berufsausbildung muss auch zukünftig ganzheitliche berufliche Handlungskompetenz vermitteln. Hierzu gehört die Förderung einer eigenständigen und selbstbewussten Persönlichkeitsentwicklung, die Befähigung zur kritischen Reflexion sowie eine mitbestimmte Arbeits- und Technikgestaltung.

In der dualen Ausbildung bedarf es auch und gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung in der Arbeitswelt einer Qualitätsoffensive. Dazu zählt Qualitätssicherung auf gesetzlicher Basis durch die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes genauso wie die Qualitätsentwicklung für Ausbildungsbetriebe selbst. Neben den Betrieben stehen aber auch die Berufsschulen in der Verantwortung. Es ist Aufgabe des Staates, diese zu unterstützen und den enormen Finanzierungsstau abzubauen. Massive Investitionen in die Qualität und Modernisierung der Berufsschulen sind überfällig. 

Im Schwerpunkt: Arbeitszeit in der Ausbildung 

Dass es in einigen Branchen nach wie vor gravierende Qualitätsmängel in der Ausbildung gibt, zeigt der aktuelle Ausbildungsreport. Auch in 2018 liefert der Report mit 14.959 von der DGB-Jugend schriftlich befragten Auszubildenden eine fundierte Datengrundlage zur Qualität der Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland. Befragt wurden Jugendliche in den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 25 am häufigsten frequentierten Ausbildungsberufen. 

Der diesjährige Themenschwerpunkt zur Arbeitszeit in der Ausbildung zeigt: Flexibilisierungsdruck, ständige Erreichbarkeit und regelmäßige Schichtarbeit sind für viele Auszubildende leider alltäglich. 

Dies führt zu erheblichen Belastungen. Dort wo der Druck auf Auszubildende am stärksten ist, sind auch die Abbruchquoten in der Ausbildung am höchsten. Dem entgegen, stehen die Bedürfnisse der jungen Menschen, wie sie schon die Shell Jugendstudie festgestellt hat: Junge Menschen wollen planbare und verlässliche Rahmenbedingungen, die ihnen die Vereinbarkeit zwischen Berufs- und Privatleben ermöglichen. Unattraktive Ausbildungsbedingungen und unzureichende Ausbildungsqualität sorgen in vielen Fällen dafür, dass Auszubildende ihre Ausbildung abbrechen. Wer solch widrige Ausbildungsbedingungen bietet, darf sich nicht wundern, wenn er oder sie keine Auszubildenden findet. Der so oft beklagte Fachkräftemangel ist eben vielfach hausgemacht durch die Arbeitgeber selbst. 

Gerade beim Thema Arbeitszeit in der Ausbildung liegt einiges im Argen. Bei jedem zweiten Auszubildenden in Schichtarbeit werden die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht eingehalten. Über die Hälfte aller Auszubildenden müssen in ihrer Freizeit mobil für den_die Ausbilder_in erreichbar sein. Diese »Erreichbarkeit« wird bei 60 Prozent der Betroffenen nicht auf die Ausbildungszeit angerechnet. Auf der anderen Seite erwartet ein Großteil der Ausbildungsbetriebe, dass die Auszubildenden angefallene »Minusstunden« zu anderen Zeiten nacharbeiten, obwohl das im Berufsbildungsgesetz nicht vorgesehen ist. Insbesondere Großbetriebe stechen hier negativ hervor. Das Nacharbeiten von »Minusstunden« ist offenbar die Regel geworden. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) regelt hier jedoch eindeutig, dass Auszubildenden auch dann eine Vergütung zu zahlen ist, wenn die Berufsausbildung ausfällt. Auszubildende dürfen nicht als Sündenbock für eine schlechte Organisation herhalten. Eine ausreichend gute Planung der Ausbildungszeiten durch den_die Ausbilder_in gehört daher ebenfalls zu einer qualitativ hochwertigen Ausbildung und muss von den Betrieben gewährleistet werden. 

Eine moderne Ausbildung braucht eine moderne Gesetzesgrundlage

Das Berufsbildungsgesetz ist das maßgebliche Gesetz für die duale berufliche Ausbildung in Deutschland. Die letzte größere Novellierung dieses Gesetzes fand im Jahr 2005 statt, für die Gewerkschaften zentrale Themen wurden damals nicht berücksichtigt. Im aktuellen Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung nun endlich die Novellierung des BBiG – nach jahrelangem Druck aus den Gewerkschaften – vereinbart. Damit gibt es nun die Chance, das BBiG in ein echtes Schutzgesetz zu verwandeln, das eine moderne Ausbildung gewährleistet. Dafür muss eine BBiG-Novellierung: Fest steht: Die Arbeitswelt von morgen braucht gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte. Dies ist nur mit einer qualitativ hochwertigen und modern aufgestellten Berufsausbildung möglich. Wie der Ausbildungsreport zeigt, gibt es dafür noch einiges zu tun. Um die Ausbildungsbedingungen für Auszubildende und dual Studierende tatsächlich zu verbessern, müssen die gesetzlichen Grundlagen in ihrem Sinne optimiert werden. Die Bundesregierung hat es in der Hand! 

Den vollständigen Report finden Sie hier (pdf).

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