»Der feste Halt ist nicht das Volk, nicht die Sippschaft, nicht eine heilige Erde.« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Der feste Halt ist nicht das Volk, nicht die Sippschaft, nicht eine heilige Erde.«

Feridun Zaimoglus Auftaktrede zur Bachmann-Preis-Verleihung, 8.7.2018

Verlassen sind die Armen, verlassen sind die Frauen, verlassen sind die Fremden. Das böse Gerücht hat sie getötet. Sie, die wie die reife Gerste wuchsen, wurden mit der Sense gemäht.

Wer sagt denn, dass das Gerücht immer größer sei als die Wahrheit? Wer verkehrt die Verhältnisse, und wer beschimpft die Verkehrtheit? Wer glaubt, er wurzele in der Heimatscholle und er sei für immer und ewig unentwurzelbar? Wer schwätzt von der Gegenwart als von einer Leere, und wer faucht und wispert böse Flüche in die Leere? Das ist der Armenhasser, das ist der Frauenhasser, das ist der Fremdenhasser. Sie fluchen, als ginge es darum, eine Sittenlockerung zu beschelten.

Der feste Halt ist nicht das Volk, nicht die Sippschaft, nicht eine heilige Erde und nicht eine versunkene Welt. Ich finde festen Halt im Recht, dem Ausdruck des Gewissens. Daran glaube ich, davon rücke ich nicht ab. Auf den Glanz der Geschichte einer Nation gebe ich nichts. Es soll ein Menschengesicht glänzen.

Die vollständige Rede finden Sie hier.

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